"Bonjour Russland": Chagalls Liebe seines Lebens
VON DOROTHEE ACHENBACH - zuletzt aktualisiert: 18.09.2007 - 12:50Düsseldorf (RPO). In der gemeinsam mit Antenne Düsseldorf laufenden Aktion zur Ausstellung „Bonjour Russland“ stellt die Rheinische Post ihren Lesern regelmäßig besondere Werke aus der Schau vor. Heute Marc Chagalls Bild „Der Spaziergang“ von 1917.
Chagall wurde 1887 als ältestes von neun Kindern im weißrussischen Vitebsk unter dem Namen Moishe Zakharovich Shagalov (genannt Moishe Segal) in einer strenggläubigen, jüdischen Familie geboren. Er studierte an der Zeichenschule seiner Heimatstadt, später in Petersburg und Paris. Er sagte, die Heimat sei die Wurzel seiner Kunst, Paris habe er so nötig gebraucht wie der Baum das Wasser.
In Frankreich beeindruckten ihn die klaren, leuchtenden Farben der Gruppe „Fauves“ um Henri Matisse, der Kubismus eines Delaunay und Picasso war für ihn die Sprache, in der die Magie der Welt zum Ausdruck kommt.
Traumhaftigkeit, Rätselvolles und Symbolik kennzeichnen Chagalls weltberühmtes Werk, in dem Erinnerungen an seine Kindheit auftauchen. Für die Surrealisten war sein Schaffen von großem Einfluss. Im Bild „Der Spaziergang“ sehen wir eine in kubistischer Art zerlegte Stadtlandschaft in Grün, der Himmel ist weiß-grau, ein zarter blauer Zweig lugt seitwärts in die Wolken. Davor ein lachender Mann, der eine fliegende Frau im rosa Kleid an der einen Hand, einen Vogel in der anderen hält. Eine bunt geblümte Decke mit Weinglas und Flasche zeugt von einem fröhlichen Picknick. Der Vogel steht für das wahre Glück, das der Mann glücklich fest hält.
Das schwebende „Vogelmädchen“ symbolisiert in Anspielung auf ein russisches Sprichwort einen Wirklichkeit gewordenen, märchenhaften Wunschtraum. Wir sehen hier Chagall und seine große Liebe Bella Rosenfeld, die er 1909 als 14-Jährige in seiner Heimat kennen gelernt hatte. Das Paar heiratete 1915. Er bezeichnete Bella als „sein ideales Mädchen“ und „das Leitbild seiner Kunst“, er porträtierte sie als Engel und Muse. Das am Ende des Ersten Weltkrieges entstandene Bild ist berührendes Zeugnis der Liebe und des Glücks.
Bella Chagall war Literaturwissenschaftlerin und Schauspielerin. Sie starb 1944 kurz vor der Rückkehr des Ehepaares aus dem amerikanischen Exil an einer Virusinfektion. Marc Chagall verstarb 1985 in Südfrankreich.
INFO Heute betrachtet Christian Ehring vom Kom(m)ödchen auf seine Art das Bild bei Antenne Düsseldorf. Die Ausstellung im „museum kunst palast“ ist täglich von 10 bis 20 Uhr zu sehen
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