Arcandor-Krise: "Chance für einen Neuanfang"
VON HANS ONKELBACH - zuletzt aktualisiert: 10.06.2009 - 11:26Düsseldorf (RPO). Im Zentrum der Landeshauptstadt gibt es vier Kaufhäuser des Metro-Konzerns und eine Karstadt-Filiale. Fachleute sind sich einig, dass das nicht so bleibt. Aber der Standort wird nicht leiden: Die Häuser liegen in Toplagen. Oberbürgermeister Dirk Elbers (CDU) ist daher trotz Sorgen um die Arbeitsplätze zuversichtlich.
Arcandor hat den Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens gestellt, 45 000 Menschen bangen um ihren Arbeitsplatz. Der Metro-Konzern kündigte an, weiter an einer Übernahme der Karstadt-Warenhäuser interessiert zu sein. Das Beben im deutschen Einzelhandel trifft auch die Düsseldorfer Innenstadt. Einige tausend Menschen arbeiten dort in den Kaufhäusern der beiden Konzerne, zigtausende kaufen dort täglich ein. Doch während andere Städte als Folge der Arcandor-Insolvenz die Verödung ihrer Einkaufszonen fürchten, ist man von solch einer Einschätzung in Düsseldorf weit entfernt.
Die wichtigste Einkaufsstadt für das gesamte Umland ist berühmt für die Shopping-Meilen Königsallee und Schadowstraße: Nirgends sonst gibt es eine derartige Konzentration an Kaufhäusern. Allein die Metro betreibt hier drei Häuser der Marke Galeria Kaufhof – an der Kö (Adresse: Königsallee 1), an der Berliner Allee und am Wehrhahn. Sie ist außerdem noch Inhaber des Carschhauses am Rand der Altstadt. Im Bereich Schadowstraße/Wehrhahn gibt es, direkt neben dem Konkurrenten Kaufhof, noch eine große und in Düsseldorf traditionell angesehene Karstadt-Filiale. Zusammen haben diese fünf Objekte einige hunderttausend Quadratmeter Verkaufsfläche.
Bleibt das so? Nein, meint Marco Atzberger, Mitglied der Geschäftsführung vom Kölner Handelsforschungs-Institut EHI. Das Institut, das vom deutschen Einzelhandel getragen wird, kennt die Düsseldorfer Situation und schätzt sie eher gelassen bis positiv ein. Atzberger: "Der Bestand ist sehr hoch und wird so sicher nicht haltbar sein. Aber die betroffenen Immobilien sind in dieser Lage so attraktiv, dass sie sehr schnell neu vermarktet werden können." Man rechne damit, dass dort neue Einkaufskonzepte wie zum Beispiel in Form von Shopping-Malls umgesetzt würden.
Das sieht Düsseldorfs Oberbürgermeister Dirk Elbers (CDU) ähnlich. Natürlich mache er sich Sorgen um die Arbeitsplätze der betroffenen Mitarbeiter und könne deren Ängste verstehen, sagte er unserer Zeitung. Aber auch er ist fest davon überzeugt, dass ein freiwerdendes Objekt schnell neue Interessenten fände. Elbers: "Das Ganze ist auch die Chance auf einen Neuanfang." Grundsätzlich meint Elbers, dass der Staat mit Steuergeldern kein Unternehmen unterstützen solle, das sich nicht behaupten könne.
Womöglich stehen die Interessenten schon parat: Aus Einzelhandelskreisen ist zu hören, dass der Einkaufszentrums-Riese ECE Interesse an Düsseldorfer Standorten hat. Eine Stellungnahme hat das Unternehmen nicht abgegeben. Derzeit ist ECE dabei, in Neuss aus dem Ex-Huma-Gelände einen Shoppingtempel zu machen.
Aus den Chefetagen der beiden Konzerne Arcandor und Metro gibt es zudem Hinweise, dass man sich vor allem am Standort Düsseldorf schon konkret mit den Folgen einer Fusion beschäftigt. Insider meinen, vor allem die Karstadt-Filiale an der Schadowstraße sei bedroht. Aber auch das Carschhaus werde genauer unter die Lupe genommen. Offiziell wird aber nichts kommentiert.
Auch die IHK hält sich mit einer Bewertung der Lage zurück. Hauptgeschäftsführer Udo Siepmann glaubt, dass die Entwicklung der Lage stark vom Konjunkturverlauf der nächsten Monate abhängt. Er deutet jedoch an, dass er sich nur schwer vorstellen kann, dass es weiter fünf Standorte Kaufhof/Karstadt in Düsseldorf geben wird.
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