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Kreative in Flingern und Oberbilk: Das ist Subkultur in Düsseldorf

VON PHILIPP HOLSTEIN - zuletzt aktualisiert: 04.09.2008

Düsseldorf (RPO). Zuletzt konnte man das Gefühl haben, dass in der Stadt wenig Neues in Sachen Musik, Kunst, Clubleben passiert. Doch das ist nicht richtig. Es ist zwar ruhiger als zu Zeiten von Kraftwerk und Beuys. Aber noch immer arbeiten engagierte Menschen an ihrem eigenen Entwurf von Kultur.

Künstlerin Melanie Schwarzer in der Galerie Reinraum.  Foto: RP
Künstlerin Melanie Schwarzer in der Galerie Reinraum. Foto: RP

Man kann sich heute nur noch schwer vorstellen, dass Hamburger, Frankfurter und Münchner einst neidisch auf Düsseldorf schauten. In dieser Stadt entstand so viel von dem, was die anderen erst später kennenlernten und gut fanden. In Düsseldorf blühte die Subkultur. Kraftwerk revolutionierten die Musik, Joseph Beuys wirkte an der Kunstakademie. Die Altstadt hatte mit dem Ratinger Hof eine der legendären Kneipen der Republik, die Fehlfarben machten Musik mit deutschen Texten, die nicht Schlager ist, sondern Punk. Seit den 1980er Jahren kommt allerdings wenig Neues, neidisch ist kaum noch jemand auf die Subkultur in Düsseldorf. Oder?

Gibt es noch Subkultur in der Stadt?

Ja, man muss nur nach Flingern fahren oder nach Bilk/Oberbilk. Dort spürt man ein alternatives Flair. Es gibt viele Boutiquen von Nachwuchsdesignern, Galerien wie das Pretty Portal auf der Brunnenstraße, Szene-Cafés und Clubs. Hier findet man Kinos wie das Metropol, das Produktionen abseits des Spielplans der Multiplexe zeigt. Die Gegenkultur in Flingern ist allerdings gefährdet. Wie zuvor im Hafen und auch um den Derendorfer Güterbahnhof kann man hier beobachten, was der Stadtforscher Norbert Gestring „Gentrifizierung“ nennt: „Eine junge Kultur-Bohéme macht ein Viertel populär, etablierte Menschen ziehen nach, renovieren die Wohnungen und machen sie für die Jüngeren unbezahlbar.“

Wo findet Subkultur statt?

Typisch für Düsseldorf sind Kulturvereine wie Reinraum e.V., der eine Galerie in einer ehemaligen öffentlichen Toilette betreibt. Ein weiteres Beispiel: „Metzgerei Schnitzel“. Jonny Bauer aus dem Vorstand beschreibt das Prinzip: „Wir haben 80 Mitglieder, die jährlich 60 Euro beitragen. Davon bezahlen wir unseren Raum und organisieren Ausstellungen.“ Es sei als Verein leichter, an Ladenlokale zu kommen. Außerdem spart man sich so die teure Ausstellungslizenz. Das Durchschnittsalter der Mitglieder liegt bei Anfang 30. „Diese Leute haben sich zuletzt ein bisschen aus der Öffentlichkeit zurückgezogen“, sagt Benjamin Ellenberg, der als Captain Flingern Partys veranstaltet. Subkultur ist wenig sichtbar im Stadtbild.

Worauf kann die Stadt stolz sein?

Dass sich trotz widriger Bedingungen, vor allem trotz enormer Mietpreise, etwas tut. Das Open-Source-Festival, das jedes Jahr im Freibad Lörick stattfindet, zum Beispiel: Dort treten international erfolgreiche Bands wie die Junior Boys, Nouvelle Vague und Zoot Woman auf. Überhaupt leben in der Stadt viele Künstler, die elektronische Musik auf hohem Niveau produzieren: Stefan Schneider, Hauschka, Antonelli. In der Bildenden Kunst gehört Düsseldorf zu den wichtigsten Orten, an denen Neues entsteht. In Sachen Clubkultur sind nur das Rotkompot in Flingern, der Salon des Amateurs in Stadtmitte und das zakk, ebenfalls in Flingern, geblieben. Das ist wenig für eine Stadt mit Uni und Akademie. Punk war gestern, und in der Mode gibt es viele engagierte Designer, aber nicht den einen Düsseldorfer Stil. Schön ist, dass es unter den Milieus keine Animositäten gibt.

Was ist die Perspektive?

„Das Potenzial ist da“, meint Benjamin Ellenberger, „zumal es eine große kunst- und kulturinteressierte Klientel gibt. Was wir brauchen, sind Veranstaltungsorte.“ Ellenberger findet, dass die Stadt sich zu wenig für die Szene interessiere. „Ich kann nur ans Kulturamt appellieren, genau zu gucken, wer Geld braucht.“ Vielleicht ergebe sich dabei, dass man neben der Tonhalle und dem ISS-Dome auch andere Veranstaltungen fördern könne.

Warum braucht die Stadt Subkultur?

„Weil sie Kreative anzieht“, sagt Konzertveranstalter Hamed Shahi. „Werbung und Mode holen sich Ideen aus der Subkultur, sie ist der Trendgeber.“ Auch Jonny Bauer glaubt, dass eine starke Szene Menschen in die Stadt lockt: „Studenten wählen ihre Unistadt danach aus.“ Außerdem wäre es schön, als Düsseldorfer mal wieder neidisch anguckt zu werden.

Quelle: RP

 
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