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Qualität seit Jahrzehnten: Das Kom(m)ödchen wird 60

VON DOROTHEE KRINGS - zuletzt aktualisiert: 29.03.2007 - 09:46

Düsseldorf (RPO). Am 29. März 1947 feierte Deutschlands langlebigste Kabarettbühne ihre erste Premiere. Inzwischen leitet der Sohn des Künstlerpaares Kay und Lore Lorentz das berühmte kleine Theater in Düsseldorf. Die Programme sind heute weniger politisch, dafür aufwändiger verpackt.

Das aktuelle Kommödchen-Ensemble.  Foto: Kom(m)ödchen
Das aktuelle Kommödchen-Ensemble. Foto: Kom(m)ödchen

Das Kommödchen verliert Kay Sebastian Lorentz nie aus dem Blick. Eine Miniatur des rundlich geschwungenen Möbels, das Deutschlands ältestem Kabarett den Namen gab, steht in seinem Büro in der Düsseldorfer Altstadt auf einem niedrigen Glastisch - als Maskottchen und Mahnung zugleich.

Der Sohn des wohl berühmtesten Kabarettistenpaares, Kay und Lore Lorentz, hat die Bühne seiner Eltern 1993 übernommen - auf Drängen seiner Mutter. Und er hat schwer kämpfen müssen, um diese Institution des politisch-literarischen Kabaretts über Wasser zu halten. Darum schaut er verhalten lächelnd, aber doch stolz auf das kleine Möbelstück - so kurz vor dem Jubiläum. Das Kom(m)ödchen wird am 29. März 60 Jahre alt. „Eine kleine Sensation, dass es uns noch gibt“, sagt Lorentz.

Doch anders als im 50. Jahr seines Bestehens geht es dem kleinen Theater heute gut. Das aktuelle Programm „Couch“ des Hausensembles läuft so erfolgreich wie schon lange keines mehr. Samstags spielt das Drei-Mann-Ensemble, das fest ans Haus gebunden ist, sogar Extra-Vorstellungen am Nachmittag.

Der „Couch“-Abend zeigt, wohin sich das Kabarett in 60 Jahren entwickelt hat. Politisch ist das Programm immer noch. Doch die Hiebe gegen die Gestalter des Landes, die sich oft nur als Verwalter entpuppen, sind dosiert und sanft verpackt in eine Rahmenhandlung. Man ist zu Gast in einer Art WG, lernt heutige Typen kennen, die einander auf die Nerven gehen. In ihren Plänkeleien fällt das ein oder andere Politische ab, doch viel stärker lebt das Stück von der Komik der Figuren. Die sind aus dem Leben gegriffen - sympathische Karikaturen derer, die im Publikum sitzen und über sich lachen können.

Darum ist es wohl richtig, dass Kay S. Lorentz das zweite „m“ aus dem Namen seiner Bühne gestrichen hat, um den Neubeginn unter seiner Leitung zu markieren. Intelligente Unterhaltung wolle er bieten, sagt Lorentz. Mit dieser Definition fühlt er sich wohl, keine aufklärerischen Ambitionen, kein pädagogischer Ehrgeiz. Für ihn sind diese Zeiten vorbei. Die Verpackung sei wichtiger geworden, findet er.

Wie anders klingt da doch die Ankündigung zum ersten Programm des Kom(m)ödchens, das zwar auch „positiv dagegen...“ sein wollte, doch zur Premiere am 29. März 1947 an der Hunsrückenstraße mit poetisch ironischen Worten warb: „Verabreichung wunderlicher Werke, possierlicher Einakter, garstiger und grauslicher Ereignisse in artiger Form, selbstverfasste Poeme, vermenget mit geistigen Brosamen“. Das Kom(m)ödchen galt immer als die literarische unter den Kabarettbühnen, als die bissig-anspruchsvolle, oder wie Dieter Hildebrandt aus München kommentierte: „Im Vergleich galt das Kom(m)ödchen immer als Klassenprimus. Es konnte Latein.“

Welches Niveau das Kom(m)ödchen in vielen seiner 60 Jahre geboten hat, ist daran abzulesen, wer sich alles mühte, um auf die Bretter dieses Hauses zu gelangen. Zu Lore Lorentz wollten sie alle: Ernst Hilbich, Hanns Dieter Hüsch, Jochen Busse, Angelika Milster, Harald Schmidt, Werner Schneyder, Thomas Freitag. Das Kom(m)ödchen war von Beginn an Talentschmiede und musste erleben, wie das Fernsehen die besten Leute abwarb, wie die mühsam gefundenen Talente bald im TV-Studio an ihrer Bekanntheit arbeiten wollten.

Das ist bis heute so, doch bewegt es Kay S. Lorentz nur zur lakonischen Bemerkung, so sei das nun mal. Wie seine Eltern fährt auch er weiter durch die Republik, um neue Talente zu finden. Er tut das gern, auch wenn er dabei viel ansehen muss, das der Anreise nicht wert ist.

Wer das Kom(m)ödchen in den vergangenen 60 Jahren begleitet hat, wird vielleicht den Biss der Nachkriegsprogramme vermissen, die analytische Schärfe, das politische Engagement. Und er wird melancholisch an die darstellerische Kunst der Lore zurückdenken. Doch das Kabarett ist stets Spiegel seiner Zeit. Und so ist es kaum verwunderlich, dass sich Politikmüdigkeit auch in den Kabaretts niederschlägt und sich in der Aufwertung der unterhaltsamen Dramaturgie heutiger Programme zeigt. „Man kann den Leuten bei der medialen Versorgung von heute nichts Neues mehr erzählen“, sagt Kay S. Lorentz. Dafür schätze das Publikum das Live-Erlebnis wieder mehr. „Mein Vater hat immer dafür gesorgt, dass das Fernsehen Programme erst am Ende der Spielzeit übertrug.“ Heute sei es umgekehrt. „Wenn die Leute einen Kabarettisten aus dem TV kennen, wollen sie ihn auch live erleben.“

Dass dieser Trend anhält, ist dem Haus nur zu wünschen. Für alles andere ist gesorgt - denn dass den Kabarettisten der Stoff ausgeht, steht ernstlich nicht zu befürchten.

Quelle: RP

 
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