Viele fallen durch: Debatte um Fahrschüler
VON ANDREAS PANKRATZ - zuletzt aktualisiert: 18.08.2010 - 08:38Düsseldorf (RPO). So viele Düsseldorfer Fahrschüler wie nie fallen durch ihre praktische Prüfung. Kein Wunder, sagen Experten und erklären es mit der Verkehrssituation. Nicht unproblematisch sei der Wettbewerb unter den Fahrschulen.
Mehr als jeder dritte Düsseldorfer fällt bei seiner Fahrprüfung durch – für Verkehrsexperten kommt diese Statistik nicht überraschend. Auch nicht, dass sich die Quote innerhalb der vergangenen 20 Jahre verdoppelt hat. "Die Verkehrsdichte hat einen enormen Einfluss auf den Erfolg bei der Führerscheinprüfung", sagt Arne Böhne, Fahrlehrer und Leiter des Geschäftsfelds Führerschein beim TÜV Rheinland.
Karl Reiter, Fahrlehrer-Ausbilder und einstiges Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Mobilität und Verkehr an der Universität Duisburg-Essen, sieht darin nicht nur negative Seiten. "Die Anforderungen bei der Prüfung haben sich der enormen Entwicklung im Straßenverkehr angepasst", sagt Reiter. "Man sollte es den jungen Menschen nicht so leicht machen, einen Führerschein zu bekommen." Die gleiche Sprache sprechen Zahlen der Deutschen Verkehrswacht. Jahr für Jahr machen sie deutlich, dass unerfahrene Autofahrer unverhältnismäßig oft in Unfälle verwickelt sind. Jeder fünfte Tote oder Verletzte im Auto fällt in die Gruppe der 18- bis 25-Jährigen, während nur jeder zwölfte der Gesamtbevölkerung dieser Altersklasse angehört.
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"Liegt nicht an den Fahrlehrern"
An der Qualität der Fahrlehrer liege es nicht, dass immer mehr Prüflinge ihren Führerschein erst nach teilweise mehrmaliger Wiederholung erlangen. "In der Regel bilden die allermeisten der 97 Fahrschulen in Düsseldorf ordentlich aus", sagt TÜV-Experte Böhne. Allerdings stehen die Schulen in Großstädten wie Düsseldorf, beobachten Fachleute, wegen des verstärkten Wettbewerbes ständig unter dem Druck, ihre Fahrschüler früher in die Prüfungssituation zu entlassen, als es vernünftig gewesen wäre. Denn viele potenzielle Kunden fragen in erster Linie nicht nach Qualität.
ADAC-Experte und Fahrlehrer Alfred Ossendorf erklärt: "Die Fahrschulen leben von Mundpropaganda. Und der Fahrschüler wird meistens dorthin gehen, wo er glaubt, am schnellsten und damit am günstigsten seinen Führerschein zu bekommen." Normalerweise dürfe sich der Fahrlehrer von seinem Schüler aber nicht drängen lassen, eine übereilige Prüfung zu riskieren. "Auch der Fahrlehrer blamiert sich vor dem Prüfer, wenn er mit einem Kandidaten kommt, der nichts drauf hat", betont Ossendorf. Fahrschülern, die unsicher sind, ob sie denn schon so weit sind, empfiehlt er, bei dem Lehrer auf eine Simulations-Prüfung zu bestehen.
Trotz steigender Fehlversuch-Quote ist der ADAC-Fachmann zufrieden mit der Leistung der meisten Fahrschulen. "Die Fahrlehrer werden in der Breite immer besser", findet Ossendorf. Und das, obwohl auch die Anforderungen an die Frauen und Männer auf dem Beifahrersitz größer werden. Gleichzeitig widerspricht er jedweden Vermutungen, dass der TÜV aus wirtschaftlichem Interesse ohne Grund Prüflinge durchfallen lässt.
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