Mord im Florapark: Der Absturz des „Professors“
VON STEFANI GEILHAUSEN - zuletzt aktualisiert: 06.08.2008Düsseldorf (RPO). Der Mann, der im Florapark ermordet wurde, hat früher das Wahlkreisbüro vom damaligen NRW-Arbeitsminister Friedhelm Fahrtmann geleitet. Der diplomierte Pädagoge war auch Bildungsreferent bei einer Gewerkschaft. Alkohol führte ihn in die Obdachlosenszene im Park.
Von den mehreren hundert Gästen, die im Januar beim Neujahrsempfang der Neusser SPD im Rheinischen Landestheater feierten, ahnte keiner, dass der frühere Chef des Wahlkreisbüros lebte wie ein Obdachloser: Hans-Joachim Will, der am Samstagabend im Bilker Florapark ermordet wurde, war zu Ehren des Ehrengasts, des früheren NRW-Arbeitsministers Friedhelm Fahrtmann, eingeladen. Dessen Neusser Büro hatte er drei Jahre lang geleitet, bevor er als Jugendbildungsreferent zur Deutschen Angestellten Gewerkschaft wechselte.
„Es war schwierig, ihn überhaupt ausfindig zu machen. Keiner hatte seine Adresse“, erinnert sich Benno Jakubassa, Chef der Neusser SPD und Anfang der 90er Jahre Fahrtmanns Assistent. Seit Will 1993 nach Düsseldorf gezogen war, habe man sich aus den Augen verloren.
Oft in der Uni-Bibliothek
Besuch wird Hans-Joachim Will, den man im Florapark nur „den Professor“ nannte, in seiner Wohnung am Fürstenwall kaum empfangen haben. Vom „beginnenden Messi“, also jenem Phänomen des Sammelns, das ins totale Chaos führt, hatte der Leiter der Mordkommission gesprochen. Vor allem Bücher hortete der „Professor“, der an der Pädagogischen Hochschule in Neuss auf Lehramt studiert hat.
Wenn seine Trinkkumpane im Park in den vergangenen Jahren seinen Geschichten lauschten, ahnten sie nicht, dass ihr „Professor“ früher im Radio geplaudert hat. Das Neusser Bürgerradio hatte er aufgebaut, regelmäßig eine eigene Sendung moderiert. Ein früherer Kommilitone sah ihn öfter in der Uni-Bibliothek. Will erzählte, er recherchiere für ein Buch. „Und abends saß er dann wieder in einer Bilker Kneipe und trank.“
Auch Benno Jakubassa erinnert sich, dass der engagierte Parteigenosse Will, der durch „gute Arbeit, kreative Ideen und absolute Zuverlässigkeit“ glänzte, bei Veranstaltungen „überdurchschnittlich viel“ trank. Doch dass er einmal in schäbigen Klamotten auf einer Parkbank sitzen und sich durch den Tag trinken würde – „das hätte ich nicht gedacht.“
Auch in seiner anderen Welt, dem Leben im Florapark, war Hans-Joachim Will beliebt und hoch geschätzt, wegen seiner Intelligenz, seines Humors und seiner Hilfsbereitschaft. In Wills beiden Welten kann niemand verstehen, warum der „Professor“ so brutal ermordet wurde. Er war, sagt ein Bekannter, „so ein guter Mensch.“
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum





