Riesen-Frachtflugzeug in Düsseldorf: Der Antonov aufs Maul geschaut
VON UWE REIMANN - zuletzt aktualisiert: 30.07.2007 - 08:10Düsseldorf (RPO). Eines der größten Frachtflugzeuge der Welt machte gestern in Düsseldorf seine Klappe auf. Fast 110 Tonnen Kleidung aus Indien kamen über Dubai nach Düsseldorf hereingeschwebt. Zehn Stunden schuften rund 20 Arbeiter, um die Innereien des russischen Jets leerzuräumen.
Elvis wartet schon. Er steht bereit, um in einer Stunde die 110 Tonnnen schwere Last der Antonov 124 aufzunehmen. Dann sagt Elvis, wohin jedes Paket, jede Palette in die Regale der Lagerhalle einsortiert werden sollen. Elvis heißt das elektronische Frachtlagersystem, mit dem die Lagerarbeiter die 110 Tonnen Kleidung des russischen Gastes später lagern. Zehn-Stunden-Flug aus Dubai, Tank-Stopp im bulgarischen Burgas, dann der Anflug auf Düsseldorf: In einer Stunde ist der vierstrahlige Jet da. Zehn Achsen mit 20 Reifen braucht der dicke Bauch, um sicher mit seinen Innereien landen zu können.
Uwe Lascheit ist dennoch nicht nervös. Zwischen Paletten voll Rasierklingen für JFK (John F. Kennedy-Airport/New York) und Edel-Zigarren der Marke Cohiba für Madrid stiefelt der Frachtbetriebsleiter durch die Halle. Gerade werden Pakete aus El Salvador durchleuchtet. „Jede Sendung, die ins Land geht, wird auf Sprengstoff und Zünder kontrolliert“, sagt Lascheit. Und immer hilft Elvis. Er hat schon Baby-Elefanten richtig durchs Lagerhaus dirigiert, er hat auch Gefahrgut, Leichen, Schmuck und sogar Geldstapel so sicher und ordentlich in den verschiedenen Bereichen unter gebracht, dass natürlich alles wieder gefunden wurde.
Jetzt muss Elvis aber die Fracht des Russen in seiner Software aufnehmen, denn die lauten Triebwerke künden die Landung des russischen Riesenvogels bereits an. Die Antonov braucht die lange, drei Kilometer lange Landebahn. Darunter kann er’s nicht. Kerosingeruch mischt sich mit den tief hängenden Regenwolken. Langsam rollt der dicke Bauch plus Flügel auf seine Parkposition. Selbst im Leerlauf kreischen die Triebwerke ohrenbetäubend. Bis nachts um zwei Uhr wird die rund 20 Mann starke Lade-Crew der Antonov nun beschäftigt sein, bis der Jet alles ausgespuckt hat. Doch bevor der Frachtflieger seine große Nase hebt, um durch das Loch vorne die Tonnen frei zu geben, testen die Piloten noch eine halbe Stunde die Bordsysteme.
Und dann...endlich...geht die Nase nicht hoch. Stattdessen schiebt sich an der Seite eine kleine, unscheinbare Treppe nach unten: Die Piloten gehen von Bord. Dann Nase hoch, nun müssen die Arbeiter schuften. Heute um zwölf Uhr geht’s wieder in die Luft. Nach England. Natürlich mit Klappe zu.
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