Stadtteil-Vergleich: Der Düsseldorfer Schuldenatlas
VON UWE REIMANN - zuletzt aktualisiert: 26.11.2009 - 07:28Düsseldorf (RPO). Die Zahl der überschuldeten Menschen in der Landeshauptstadt sinkt. Aber: Die Zahl der "harten" Fälle steigt kontinuierlich. Im Gegensatz zu vergleichbaren Großstädten sitzt das Geld in Düsseldorf besonders locker.
Die Stadt Düsseldorf ist schuldenfrei. Für viele Bürger persönlich gilt das keineswegs. Trotzdem: In Düsseldorf geht es abwärts mit der Zahl der überschuldeten Menschen.
Die Quote derer, die trotz Mahnungen in Zahlungsverzug sind, bis hin zu Menschen, die bereits eidesstattliche Versicherungen abgegeben haben, liegt zum Stichtag 1. Oktober bei 11,95 Prozent. Das ist eine Verringerung gegenüber dem vergangenen Jahr von 1,89 Prozentpunkten. Vor drei Jahren lag die Quote schon mal bei 14,55 Prozent. Mit der jetzigen Quote liegt Düsseldorf deutlich über dem Bundesdurchschnitt (9,09 Prozent) und dem in NRW (10,39).
Schuldenatlas 2009
Der Schuldenatlas wird gemeinsam von der Creditreform Düsseldorf/Neuss und der Volksbank Düsseldorf/Neuss eG herausgegeben.
Die Initiative Konjunkturforschung Regional leitet die Untersuchung. Die Basisdaten liefern Microm/Consumer Marketing und CEG Consumer Reporting.
Von 493 800 Düsseldorfern über 18 Jahre gilt die Überschuldung für rund 59 000 Menschen. Trotz des Minus von rund 8900 verschuldeten Personen in der Landeshauptstadt stellt der neue Schuldenatlas von Creditreform und Volksbank aber fest: Die Zahl der "harten Fälle", die bereits kaum noch aus der Schuldenfalle herauskommen, steigt kontinuierlich an. Für 32 800 Düsseldorfer gilt diese Einschätzung. Trotz sinkender Gesamtzahlen ist diese Gruppe um rund 200 Personen angewachsen.
Die Zahl der Verbraucherinsolvenzen ist 2009 in Düsseldorf ebenfalls angestiegen. Im ersten Halbjahr gab es 1070 Verbraucherinsolvenzverfahren (1. Halbjahr 2008: 940; plus 14 Prozent). Die Experten erwarten in diesem Jahr einen Anstieg um sieben Prozent. Den Grund sieht die Creditreform ausschließlich in den gut funktionierenden Verfahren, die es einfacher machen, schuldenfrei zu werden.
Die 59 000 Menschen, die ihre Zahlungsaufforderungen nicht bedienen, haben einen Schuldenberg von 1,68 Milliarden Euro angehäuft (2008: 1,93 Mrd. Euro). Das sind einerseits Menschen mit so genannten weichen Negativ-Merkmalen (Creditreform: nachhaltige Zahlungsstörungen) und andererseits mit harten Negativ-Merkmalen (Eidesstattliche Versicherung, Privatinsolvenz und unstrittige Inkassofälle).
Die Milliarden-Summe verteilt sich durchaus sehr unterschiedlich auf das Düsseldorfer Stadtgebiet. Liegen die Schuldner-Quoten in Kalkum, Lörick, Himmelgeist, Niederkassel und Volmerswerth verhältnismäßig niedrig, wohnen die meisten säumigen Zahler in den Stadtteilen Hafen, Altstadt, Flingern-Süd, Lierenfeld, Stadtmitte.
Ungeachtet der Wohnlage sitzt beim Düsseldorfer im Gegensatz zu Bewohnern anderer deutscher Großstädte das Geld ziemlich locker, sagt der wissenschaftliche Leiter der Untersuchung, Rainer Bovelet. Da die Schuldner-Quote aller Millieus und Lebenswelten in Düsseldorf weit über den Vergleichswerten für Bund und andere Städte liegt, bilanziert die Studie: "Offensichtlich ist der soziale Druck zum Status bildenden und erhaltenden Konsum in Düsseldorf als Medien- und Werbestadt und zugleich internationalem Handels- und Produktionsstandort besonders groß." Das Fazit: "Die Stadt Düsseldorf eignet sich bei diesen Millieus offensichtlich besonders gut als ,Bühne' zur individuellen Selbstinszenierung durch Statuskonsum, der sich meist nicht am individuell wirtschaftlich Möglichen, sondern am Wünschbaren orientiert." Mit anderen Worten: Bei vielen Düsseldorfern sitzt das Geld zu locker .
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