Roger Cicero begeisterte in der Philipshalle: Der Frauenversteher
VON ANKE KRONEMEYER - zuletzt aktualisiert: 26.02.2008 - 08:41Düsseldorf (RPO). Roger Cicero begeisterte in der Philipshalle mit Jazz, Swing und ein bisschen Salsa. Er freut sich schon auf sein nächstes Konzert in Düsseldorf.
Fünf Minuten hat’s gebraucht, bis Roger Cicero das Publikum auf seiner Seite hatte. Fünf Minuten, in denen sich die Big-Band unter Leitung von Lutz Krajenski eindrucksvoll präsentierte, in denen R.C. die - zugeben etwas glamour-arme - Showtreppe runterging, fünf Minuten, in denen er seine Fans eroberte und sie direkt ins Herz schloss. Sie dankten es ihm zwei Stunden lang mit guter Laune, mit warmem Applaus, ab und zu mit hysterischem Kreischen, meistens mit fröhlichem Mit-Schnippen und -Singen. Denn die Texte von Cicero kannten sie offenbar alle. Nicht nur die Songs vom ersten Album „Männersachen“, sondern auch die von der neuen CD „Beziehungsweise“.
Die Song-Geschichten kommen einem schließlich vertraut vor: Der Mann, der seine Freundin verlässt und sich beim Freund einquartiert („Nimm deinen Kerl zurück, Annette“). Die Mutter, die sonntags um halb acht anruft und den Sohn bittet, doch mal wieder vorbeizukommen. Mitsamt seiner dreckigen Wäsche. Die Verweigerung des Mannes, zum Abendessen zu Lutz und Tina zu gehen, weil doch bei denen die gleichen Leute am Tisch sitzen wie bei unseren Freunden. Das ist offenbar das Geheimnis des smarten Wahl-Hamburgers: Er singt Sachen, die alle auch schon mal gedacht oder erlebt haben, lässt dazu eine so geniale Musik von der Big-Band spielen, dass man nicht anders kann, als ihn nur gut zu finden.
Dabei ist die Frage, ob Cicero für Männer oder für Frauen Musik macht, schnell beantwortet: eigentlich für Frauen, weil er ein richtiger Frauenversteher und Womanizer ist. Aber überraschenderweise war die Hälfte der Besucher am Sonntag in der Philipshalle männlich. „Ist hier ein Mann dabei, der nicht freiwillig mitgekommen ist?“ Ciceros Frage wird nur von einem beantwortet: von Frank, der eben nur halb freiwillig mit seiner Freundin mitgegangen ist. Wer aber klatscht den ganzen Abend frenetisch mit und springt immer dann auf, wenn es richtig toll wird? Frank natürlich!
Roger Cicero weiß genau, in welcher Stadt er gerade auftritt - trotz seines aktuellen Tour-Stresses mit 80 Terminen in ganz Deutschland. Er weiß, dass er in Düsseldorf ist, dass er hier schon mal in der Tonhalle und zur Jazz-Rally im LTU-Hangar aufgetreten ist. Und er freut sich auf sein viertes Konzert am Rhein. Das könnte dann eigentlich in der Arena stattfinden - bei seinem Erfolg, bei seiner Beliebtheit. Und bei seinem Können, die Menschen in den Bann zu ziehen. Das macht Cicero sogar mit Körperkontakt: Als er das wunderbar von Krajenski neu arrangierte Grönemeyer-Lied „Männer“ anstimmt, spaziert er frech grinsend ins Publikum und flirtet singend mit den Mädels (Ja doch, er hat wirklich gaaaanz dunkel-braune Augen!).
So laut, temperament- und stimmungsvoll Cicero und Band sind: Sie können auch leise. Das Duett von Cicero und Bandleader Krajenski als jazzige Hommage an Vater Eugen Cicero („Ich hätt so gern noch Tschüss gesagt“) ist nur ein Beweis für die Fähigkeit zu Zwischentönen. Ansonsten war’s einfach nur gut - und alle würden sicher wiederkommen. Zum vierten Konzert. Roger, was machst Du eigentlich am nächsten Sonntag?
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