Merkel in Düsseldorf: Der kleine Jakov rührt die Kanzlerin
VON DENISA RICHTERS - zuletzt aktualisiert: 11.12.2008 - 07:39Düsseldorf (RPO). Anlässlich der Verleihung der Josef-Neuberger-Medaille an Angela Merkel kam am Mittwoch auf Einladung der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf viel Prominenz ins Schauspielhaus. Der Star des Abends war jedoch der zwölfjährige Klavierspieler Jakov Zotov.
Manchmal sind es die ungeplanten Kleinigkeiten, die ein Ereignis zu etwas Besonderem machen. Ein blonder Junge, der – ohne Noten – seine kleinen Hände über die Tastatur des schwarzen Flügels auf der Bühne fliegen lässt, Rachmaninoff und Chopin mal sanft, mal kraftvoll intoniert, erobert die Herzen der mehr als 800 Zuhörer.
In der ersten Reihe sitzt der Ehrengast: Bundeskanzlerin Angela Merkel. Und sie ist so begeistert, dass sie nach der Zugabe auf die Bühne steigt und Jakov Zotov begeistert gratuliert. Eine Kleinigkeit vielleicht, die nicht im Protokoll stand. Für Jakov, der Stolz der Düsseldorfer Jüdischen Gemeinde, mit Sicherheit ein unvergessliches Erlebnis.
Es herrscht ohnehin eine lockere Atmosphäre an diesem Abend im Schauspielhaus, dessen Anlass ein ernster ist: Die Jüdische Gemeinde verleiht in diesem Jahr der Kanzlerin die Josef-Neuberger-Medaille. Laut dem Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde, Juan Miguel Strauss, hat sich Merkel vorbildlich dafür eingesetzt, „dass jüdisches Leben in Deutschland wieder wächst und blüht“.
Das ist das Anliegen der Auszeichnung. Erster Preisträger war der frühere Bundespräsident Johannes Rau, dessen Frau Christina zur Verleihung gekommen ist. „Ich freue mich schon auf die Laudatio“, bekennt sie gut gelaunt. Die hält Zeit-Herausgeber Josef Joffe, der, wie fast alle Gäste, vor der Sicherheitsschleuse das Jackett ausziehen muss.
Die Schlangen vor den Schleusen sind längst verschwunden, fast alle haben im Saal Platz genommen, als sich um 17.50 Uhr im Foyer die Türen für den Hauptgast des Abends öffnen. Vom Weihnachtsmarkt schallt „Last Christmas“ herüber, als Angela Merkel, begleitet von Ministerpräsident Jürgen Rüttgers, eintrifft. Auch Rüttgers freut sich über die Auszeichnung der Kanzlerin: „Sie hat es wirklich verdient.“
Gisèle Spiegel, Frau des früheren Vorsitzenden des Zentralrats der Juden Paul Spiegel, empfängt Merkel gemeinsam mit dem israelischen Botschafter Yoram Ben-Zeev und Oberbürgermeister Dirk Elbers. „Lange bevor Angela Merkel Kanzlerin war, hat mein Mann gesagt: ,Aus dieser Frau wird mal etwas Großes’“, erzählt Gisèle Spiegel. „Ich finde es hinreißend, dass die Kanzlerin damit ausgezeichnet wird“, sagt Gert Kaiser, selbst Preisträger, augenzwinkernd. „Denn das steigert den Wert der Medaille.“
Unter den Gästen: Zentralratsvorsitzende Charlotte Knobloch, Landtagspräsidentin Regina van Dinther, Berthold Beitz, Esra Cohn und Rabbiner Julian Chaim Soussan (beide Jüd. Gemeinde), Staatsminister Hermann Gröhe, NRW-Minister Armin Laschet.
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