Wahlsieger Dirk Elbers im Porträt: Der Mann des Miteinanders
VON DENISA RICHTERS - zuletzt aktualisiert: 01.09.2008 - 10:37Düsseldorf (RPO). Im Wahlkampf hat Dirk Elbers auf ein "Weiter so!" gesetzt. Als langjähriger Chef der größten Ratsfraktion war Elbers ohne Frage an der Politik seines Vorgängers stark beteiligt. Als Kronprinzen hatte ihn Joachim Erwin nicht wirklich akzeptiert. Elbers' Weg zum Oberbürgermeister war also steinig. Dabei liebt der Rosamunde-Pilcher-Fan Harmonie und Ausgleich.
Nein, Oberbürgermeister wollte er als Kind nicht werden, sagt Dirk Elbers und kramt im Gedächtnis nach seinem wahren kindlichen Berufswunsch. „Ich habe ja schon damals unheimlich viel und gerne gemalt, in diese Richtung ging es wohl.“
Maler, Bildhauer, Künstler – das wollte der Junge werden, der in Derendorf geboren wurde, in Lierenfeld aufwuchs, in Bilk sein Abitur machte und heute mit seiner Frau Astrid in Vennhausen wohnt.
Elbers ist Düsseldorfer in vierter Generation – und jetzt nicht nur Repräsentant der Hauptstadt des bevölkerungsreichsten deutschen Bundeslandes, sondern auch Chef von mehr als 8000 Mitarbeitern des Unternehmens Rathaus. Das verlangt Managerqualitäten. Sicherlich auch Kunst, Kreativität, manchmal auch Improvisation. Der OB Elbers könnte also vom Aquarell-Maler Elbers durchaus profitieren.
Ob das reicht, wird sich zeigen. Denn sogar in den eigenen Reihen der CDU hatten – hinter vorgehaltener Hand, versteht sich – bis zum Schluss einige angezweifelt, dass der 48-jährige Betriebswirt die Rolle des Machers wird ausfüllen können. Als größte Gefahr sahen sie, was mancher politische Weggefährte an Elbers besonders schätzen: seinen Hang zu Harmonie, sein Streben nach Ausgleich.
"Lang und lieb"
So war es vor allem er, der 2005 nach dem Bruch des Bündnisses mit der FDP die Wogen wieder glättete und so die bürgerliche Mehrheit im Rat rettete. Auch mit SPD-Fraktionschef Günter Wurm kann sich der Brauchtums-Freund Elbers ohne Probleme durch den Karneval schunkeln. Und mit Iris Bellstedt, Chefin der Grünen-Ratsfraktion, verbindet ihn fast schon so etwas wie Freundschaft.
"Lang und lieb" heißt ein Attribut, das Parteifreunde dem 1,97-Meter-Mann verpasst haben. Mit dem Konfrontations-Kurs des verstorbenen Oberbürgermeisters Joachim Erwin ist bei Elbers also nicht zu rechnen.
Was nicht heißt, dass er die Konfrontation scheuen wird. Denn als Kronprinz, der von Erwin nie wirklich als solcher akzeptiert worden war, hat Elbers einen steinigen Weg auf dem Weg an die Spitze des Rathauses zurückgelegt.
Dass er der designierte Nachfolger war, wurde angesichts der schweren Krebserkrankung Erwins zwar nie offen ausgesprochen, war jedoch spätestens klar, als Elbers nach der Kommunalwahl 2004 nach dem Vorsitz der CDU-Fraktion auch den Posten des Ersten Bürgermeisters übernahm und damit zum Stellvertreter des OB wurde. Für Erwin, damals schon an Krebs erkrankt, ein schwer zu ertragender Gedanke.
Elbers und Erwin: Meistens einig - aber nicht immer
Politisch waren sie sich zwar meistens einig, kämpften gemeinsam umstrittene Projekte durch wie die Arena, die Bilker Arcaden oder den Victoria-Neubau. Einig waren sie sich aber eben nicht immer. So sprach sich Elbers offen gegen die Verleihung des Heine-Preises an Peter Handke aus, forderte, die neu zu besetzende Spitze der DMT auszuschreiben – obwohl Erwin den Posten für seine Büroleiterin Christina Begale vorgesehen hatte. Sauer war Erwin auch, als Elbers 2005 einem Abend im Ständehaus mit dem PDS-Frontmann Gregor Gysi nicht fernblieb.
Einen endgültigen Riss bekam die Beziehung, als Elbers sich mit seinem Fraktionskollegen Andreas Hartnigk vergangenes Jahr auf die Seite der FDP schlug und einen – von Erwin nie gewollten – langen Tunnel beim Kö-Bogen durchsetzte. Erwin wusste die Fraktion und deren Chef zu disziplinieren. Es ist kein Geheimnis, dass Elbers einige Demütigungen schlucken musste. Und was in den Sitzungen geschah, wusste er, auch wenn er mal nicht dabei war. Jetzt hat Elbers die Zügel in der Hand.
Klar ist bereits: Düsseldorf bekommt einen OB mit Herz. Denn Elbers schaut gerne Rosamunde-Pilcher-Filme, ist seit der ersten Folge Lindenstraße-Fan, kennt seine Frau Astrid seit Jugendtagen, ist fantasievoll, wenn es um seine Karnevals-Verkleidung geht und kann beim Tanz auf dem Parkett mit dem Gold-Star-Abzeichen glänzen.
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