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Thomas Krauth: Der Musical-Macher

VON BIRGIT WANNINGER - zuletzt aktualisiert: 19.01.2006 - 15:06

Düsseldorf (RP). Mit „Grease“ fing alles an. Exakt heute vor zehn Jahren feierte das Musical in einem umgebauten Rheinbahndepot Premiere. Heute ist das Capitol-Theater in der Szene ein Begriff. Dahinter steckt ein Mann: Thomas Krauth. Düsseldorf Kurz vor jeder Premiere besitzt er den Tunnelblick, wirkt fahrig, ist ausgesprochen nervös und eigentlich nicht ansprechbar. Erst wenn zwei bis drei Stunden später alles vorbei ist, wird er wieder er selbst. Denn Thomas Krauth ist eigentlich ein ruhiger Vertreter.

Total nervös war er auch am 19.Januar 1996: Damals als nach aufwändigen Renovierungsarbeiten im Capitol, das der Rheinbahn einmal als Straßenbahn-Werkstatt diente, das Musical „Grease“ Premiere feierte. Zu diesem Zeitpunkt hatte das Haus schon ein paar Flops hinter sich. Doch „Grease“ brachte die Wende. Mehr als drei Jahre lief es erfolgreich. Mehr als 1,2 Millionen Zuschauer sahen es. Mit „Grease“ begann auch die Erfolgsgeschichte von Krauth. Der Geschäftsmann, Unternehmer und Talent-Entdecker in Personal-Union besitzt das Näschen. „Ach ja?“, fragt er bescheiden. Doch Fakten sprechen für sich. Mit seinem Partner Michael Brenner rettete er den Musical-Dome in Köln 1998 nach dem Gaudi-Debakel. Vor drei Jahren übernahm er Starlight-Express als die Spielstätte kurz vor dem Aus stand. Elf Millionen Besucher in Bochum in 16 Jahren - Weltrekord.

Musical-Star Anna Montanaro hat er entdeckt, Regisseur Alex Balga fing bei ihm als Tänzer an. Publikumsliebling Bernie Blanks holte er aus den USA für Starlight-Express zurück. „Wir haben schon viele tolle Sachen gemacht“, meint Krauth und lehnt sich zurück in sein rotes Ledersofa in seinem großen Büro. Draußen rattert die S-Bahn vorbei, die Holzbohlen knarren. „Ich höre das schon lange nicht mehr.“ Wen wundert’s, nach zehn Jahren. Dabei ist Krauth nicht einmal regelmäßig in seinem Büro. Fast ebenso oft könnte man ihn in einem Flugzeug antreffen. Er reist viel, verhandelt viel. Kauft und verkauft. Unter anderem Rechte an Musicals. Die für „Saturday Night Fever“ besitzt er schon lange. Bis Ende des Monats ist der Disco-Hit noch auf der Bühne des Capitol zu sehen, dann geht’s auf Tournee.

Krauth mag es, Illusionen zu verkaufen. Hierfür möchte er nur die besten. So ist er ständig auf der Suche. Nicht nur die Eigenproduktion „Miami Nights“ gab ihm Recht. Eine dreiviertel Million Besucher haben es gefeiert. Selbst London war daran interessiert. Krauth hat lange verhandelt. Doch „Miami Nights“ steht nicht am West End auf dem Spielplan. „Noch nicht“, sagt er. Die Liste ist lang: „Chicago“, „Cats“, „Rocky Horror“, waren im Capitol zu sehen. Auch „Rent“, sein einziger Flop. „Vielleicht zu avantgardistisch“, meint er heute.

Vorliebe für Experimente

Experimente wagt er immer wieder und gerne im gemütlichen Club, mit seinen 400 Plätzen gerade mal ein Drittel so groß wie der Saal. Krauths Spielwiese. Hier ließ er „Das Mädchen Rosemarie“ aufführen, hier feierte „Cabaret“ unter der Regie von Alex Balga mit Anna Montanaro als Sally Bowles große Erfolge. „Im Club kann ich kein Geld verdienen“, meint Krauth, der jedes Musical zwischen New York und London kennt, das neu ist.

Sein Lieblingsstück? „Cabaret“, sagt er spontan. Das würde er gerne noch mal zeigen, „mit den selben Darstellern“. Auch er hat weitere Pläne. Konkret will er nicht werden. Pause. Schließlich gibt es in NRW zahlreiche Musical-Stätten. „Wir hatten immer Konkurrenz. Aber wir sind das einzige Haus, das nicht in der Insolvenz war.“ Krauth ist eben ein kühler Rechner. „Bis zum Sommer gibt es wechselndes Programm im Capitol“, sagt er. In Köln läuft „We will rock you“ bis 2007, „Starlight Express“ werde halbjährlich verlängert. Doch die nächste Premiere wird kommen, und dann hat Thomas Krauth wieder den Tunnelblick - bis alles überstanden ist.

Quelle: Rheinische Post

 
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