Ehemaliges Rheinmetall-Gelände: Der neue Showroom-Standort
VON DENISA RICHTERS - zuletzt aktualisiert: 30.07.2010 - 12:58Düsseldorf (RPO). Nicht nur an der Kaiserswerther Straße und im Medienhafen präsentieren Modefirmen Fachhändlern ihre Kollektionen. Auf dem früheren Rheinmetall-Gelände in Derendorf ist in den vergangenen Jahren ein weiterer Schwerpunkt entstanden. Mittendrin die Halle 29 von Gerry Weber.
Tage nach dem Ende der Düsseldorfer Modemesse CPD haben die Mitarbeiter im Showroom von Gerry Weber noch alle Hände voll zu tun. An jedem Tisch, an jeder Kleiderstange stehen Fachhändler, sichten die Einzelteile der Kollektion für die Saison Frühjahr/Sommer 2011 und ordern die Ware, die ab März nächsten Jahres in ihren Läden hängen wird. In den stadtweit rund 800 Showrooms beschränkt sich das Geschäft längst nicht mehr auf die drei Messetage.
"Wir sind bis Mitte August da", sagt Showroom-Leiterin Sabine Balshüsemann. "Das Ordern in Showrooms wird von den Kunden mehr denn je angenommen." Das gilt vor allem für das Konzept der Halle 29. Der Modeunternehmer Gerhard Weber hat sie bauen lassen, weil die Stadt – damals noch gemeinsam mit der Messe-Veranstalterin Igedo im Kampf gegen die Showrooms – geblockt hatte, als er Präsentationsräume für seine Marke suchte. Deshalb entstand die Idee, selbst zu bauen – und zwar nicht nur für Gerry Weber. Auf den rund 13 000 Quadratmetern des gläsernen Riegels an der Rheinmetall-Allee haben seit 2007 mehr als 20 Firmen ihren Schauraum. Und weil die Nachfrage viel größer war als der Platz, wird schräg gegenüber die Halle 30 gebaut. Sie wird etwa so groß wie die Vorgängerin, öffnet erst 2012, ist aber bereits jetzt mehr als ausgebucht.
Der neue Showroom-Standort in Derendorf, rund um Ulmen-, Rather- und Heinrich-Ehrhardt-Straße, zieht Aussteller an wie ein Magnet. "Seit einigen Wochen stellen wir eine Abwanderung aus klassischen Showroom-Gebäuden wie dem Fashion House an der Danziger Straße Richtung Derendorf fest", sagt Guido Nabben, geschäftsführender Gesellschafter von Anteon, der einen Großteil der dortigen Flächen vermarktet. So sei er von Isabell Fashion, noch mit 300 Quadratmetern im Fashion House vertreten, exklusiv mit der Suche auf dem früheren Rheinmetall-Gelände beauftragt. Der größte Coup war die Nachricht, dass Betty Barclay die Zentrale von Neuss nach Derendorf ins Lighthouse verlegt.
Nicht nur die Aussteller, auch die Kunden genießen das großzügige, moderne Ambiente am neuen Showroom-Standort. "Ich war seit acht Jahren nicht mehr auf der Modemesse", sagt Jörg Hopmans aus Kleve, der gerade für sein gleichnamiges Geschäft bei Gerry Weber Ware ordert. Irgendwann ist ihm der Eintritt zu teuer geworden. Die Diskussion über die angebliche Modestandort-Konkurrenz Berlin findet er dennoch müßig. "Irgendwann wird man da mal hin müssen, im Moment aber noch nicht." Für ihn ist das vor allem eine Frage von Kosten und Zeit.
Die Agentur Toepfer gehört zu den Mode-Pionieren in Derendorf. Seit Januar 2006 hat sie in der Roten Halle, einem vormals industriell genutzten Backstein-Gebäude im Besitz des Architekten Karl-Heinz Petzinka, einen der am kreativsten gestalteten Showrooms der Stadt. Das Entrée ist von Bambus gesäumt, Industrie-Stil bildet die Kulisse für die Kollektionen der 30 Marken, die auf drei Ebenen präsentiert werden. "Back to the Roots, down to Earth" (Zurück zu den Wurzeln, auf dem Boden bleiben) ist an die Wand gesprüht. Ganz oben, unter dem gläsernen Dach, hängt die Tuch-Kollektion – 250 Stoff-Varianten.
Christine Jahn und Udo Toepfer leben nicht nur bei der Inneneinrichtung ihre Kreativität aus. "Wir sind eine Nischenagentur, arbeiten mit kleineren Kollektionen und Marken, die eher als Geheimtipps gehandelt werden", sagt Jahn. Ihre Entdeckungen machen sie vor allem auf Reisen. Ein Neuzugang ist die italienische Marke Masnada mit Mode zwischen Progressivität und Eleganz. Zuvor war die Agentur viele Jahre in einem Showroom an der Cecilienallee. "Wir mussten uns vergrößern und hatten fast ein Dreivierteljahr versucht, deswegen einen Termin bei der Stadt zu bekommen", so Jahn. Doch auch in diesem Fall wurde geblockt. Inzwischen hat sich die Haltung des Rathauses gegenüber Showrooms längst zum Guten verändert. Doch die Agentur Toepfer fühlt sich bestens aufgehoben in Derendorf. "Außer, dass es für unseren Geschmack fast schon zu viel Mainstream ist", sagt Jahn. Sie ist aber froh, unter dem Dach von Hans-J. Wiethoffs Fashion Square zu sein: "Sein Katalog für die Händler, die angedachte Fashionweek Düsseldorf – das ist super organisiert."
Gleich nebenan steht das Gelbe Haus, ebenfalls von Petzinka. Taxifahrer nennen es das Elchhaus, wegen der vielen Geweihe an der gelben Fassade. Drinnen dreht sich auf sieben Etagen alles um Mode. Klaus Mauritz ist mit seiner Agentur United Fashion und acht Marken seit einem Jahr dabei. Erstes Fazit? "Ich bin hier sehr zufrieden."
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