Niedrigwasser: Der Rhein und der Klimawandel
VON STEFAN KAUFMANN - zuletzt aktualisiert: 01.10.2009 - 08:02Düsseldorf (RPO). Extreme Hochwasser auf der einen und niedrige Wasserstände auf der anderen Seite sind für Klimaforscher nichts Ungewöhnliches. So führen sie auch den aktuellen Pegelstand des Rheins von 75 Zentimetern auf den Klimawandel zurück. Bis Samstag sinkt der Pegel sogar auf 66 Zentimeter.
2003 war in Düsseldorf das Jahr der Extreme: Auf das Hochwasser im Januar, als der Rhein das Untere Rheinwerft überflutete, folgte im September das Rekordtief.
Der Pegel lag bei nur noch 41 Zentimetern – der niedrigste Wert, der in Düsseldorf je gemessen wurde. In diesen Tagen nähert sich der Rhein dem Stand von vor sechs Jahren Stück für Stück an. Gestern lag der Pegelstand bei 78 Zentimetern. Bis zum Wochenende soll er auf 66 Zentimeter sinken.
Weniger Schnee
Für den Potsdamer Wissenschaftler Jürgen Kropp, der berechnet hat, wie Nordrhein-Westfalen unter dem Klimawandel leiden wird, ist das aktuelle Niedrigwasser keine Überraschung. Er führt die Extreme auf ein verändertes Abflussgeschehen zurück.
"Durch die Erderwärmung fällt der Niederschlag im Winter in den Bergen vermehrt als Regen und immer seltener als Schnee", sagt der Klimaforscher. Deshalb speichert auch immer weniger Schnee das Wasser. Stattdessen gelangt es auf direktem Weg in die Flüsse. "Das Wasser fließt nicht mehr kontinuierlich, sondern konzentriert im Winter ab, was zu Hochwasser führen kann." Im Sommer gebe es dafür weniger Abfluss. Konsequenz sind niedrige Pegelstände wie zurzeit in Düsseldorf.
Für die Schifffahrt bedeutet der tiefe Wasserstand, dass die Kapitäne ihre Frachter nicht mehr voll beladen können. Viele sind nur mit halber Ladung auf dem Rhein unterwegs. Die Fahrrinne mit einer Breite von 150 Metern garantiert ihnen das Wasser- und Schifffahrtsamt. Doch Ausweichmanöver nach links und rechts sind unmöglich geworden. Unfälle oder liegen gebliebene Schiffe gab es aber laut Wasserschutzpolizei Düsseldorf bisher keine.
Anders als bei Hochwasser wird bei niedrigen Pegelständen kein Fahrverbot ausgesprochen. Die Kapitäne handeln eigenverantwortlich. Die Köln-Düsseldorfer Flotte hat wegen des Niedrigwassers nur außerhalb von Düsseldorf Probleme. Einige Haltestellen zwischen Koblenz und Rüdesheim können nicht angesteuert werden. "Der Rheinpegel muss noch mindestens 40 Zentimeter sinken, bevor wir in Düsseldorf die Anleger nicht mehr anfahren können", sagt eine Sprecherin. Auch auf die Trinkwasserversorgung der Stadt hat der aktuelle Wasserstand nach Angaben der Stadtwerke Düsseldorf keinen Einfluss.
"In den vergangenen Wochen hat einfach der Regen gefehlt", sagt Nils Braunroth vom Kölner Wasser- und Schifffahrtsamt. Und zwar in weiten Teilen Deutschlands. So konnte der Wasserstand des Stroms stetig sinken. "Doch sobald es mal zwei, drei Tage am Stück regnet, füllt sich der Rhein schnell wieder."
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