Serie - Top-Klinikärzte (4): Der Spezialist für das Innere
zuletzt aktualisiert: 06.11.2008 - 12:49Düsseldorf hat viele ausgewiesene Medizin-Koryphäen. Die Rheinische Post stellt einige vor. Karl-Heinz Schultheis ist Chefarzt der Klinik für Allgemein-, Viszeral-, Thorax- und Endokrine Chirurgie am Florence-Nightingale-Krankenhaus. Er operiert etwa Darmkrebs und Lungenkarzinome.
Karl-Heinz Schultheis lebt seinen Mitarbeitern vor, was er ihnen sagt: Apparate und Labore in allen Ehren – doch trotz aller technischen Möglichkeiten muss der Arzt ein Gefühl dafür haben, wie es dem Patienten geht. „Wenn man das Zimmer betritt, sollte man nicht nur auf die Laborwerte gucken, sondern erst auf den Menschen“, sagt der Chefarzt der Klinik für Allgemein-, Viszeral-, Thorax- und Endokrine Chirurgie am Florence-Nightingale-Krankenhaus der Kaiserswerther Diakonie.
Und das tut Schultheis auch: Der Chefarzt ist sich nicht zu fein dazu, seinen Patienten auch mal einen Kaffee zu bringen, er tätschelt ihnen den Arm oder streicht ihnen tröstend über die Wange, wenn er das Gefühl hat, dass das nötig ist.
Schultheis (58) und sein Team haben oft mit Krebserkrankungen zu tun: Sie operieren Bronchial- und Schilddrüsenkarzinome, gut- und bösartige Tumore der Speiseröhre, Dick- und Mastdarmkrebs, Lungenkarzinome – aber auch Leistenbrüche. Allein 200 Schilddrüsen und 300 Darmoperationen führt die Fachklinik von Schultheis pro Jahr durch, arbeitet mit niedergelassenen Ärzten zusammen.
Im Juli wurde die Abteilung von der Deutschen Gesellschaft für Koloproktologie, der Deutschen Gesellschaft für Viszeralchirurgie sowie dem Berufsverband der Coloproktologen Deutschlands als Kompetenz-Zentrum für chirurgische Koloproktologie zertifiziert. „Die Zertifizierung hat den Vorteil, dass man seine Abteilung noch mal explizit einer kritischen Analyse unterzieht“, betont Schultheis. „Das ist der beste Weg, besser zu werden.“
Eine seiner Patienten ist Veronika Kröll: Die 58-Jährige hatte nie Beschwerden und nie die typischen Symptome für Darmkrebs an sich festgestellt, alle Vorsorge-Stuhltests waren negativ ausgefallen. Als sie nach einer vorsorglichen Darmspiegelung die Diagnose Krebs bekam, war die Krankheit so weit fortgeschritten, dass ihre Darmwand durchbrochen war. Zudem hatte der Krebs bis in die Lunge gestreut. Chirurg Schultheis nahm das kranke Gewebe im Darm weg und entfernte kurze Zeit später die Metastase in der Lunge.
„Jetzt gehe ich alle drei Monate zur Kontrolle und habe seit zwei Jahren nichts gehabt“, sagt Veronika Kröll, die den Tipp, zu Schultheis ins Florence-Nightingale zu gehen, von ihrem Arzt bekam. „Ich habe mich sehr, sehr gut aufgehoben gefühlt“, sagt sie. „Medizinisch und menschlich.“
Karl-Heinz Schultheis ist breit aufgestellt: Nachdem er sein Studium in Gießen und Düsseldorf abgeschlossen und die Ausbildung zum Allgemeinchirurgen absolviert hatte, bildete er sich weiter: Heute hat er Teilgebietsanerkennungen für Unfall- und Gefäßchirurgie sowie Schwerpunktanerkennungen für Viszeral- und Thoraxchirurgie, darüber hinaus erhielt er die Zertifizierung für Minimal Invasive Chirurgie der Deutschen Gesellschaft für Viszeralchirurgie.
„Ich wollte eine möglichst breite Ausbildung absolvieren, um mich nachher auf bestimmte Schwerpunkte zu konzentrieren“, erläutert der Chirurg. Es habe ihn als junger Arzt gestört, dass er im Notfall einen Gefäßchirurgen hätte hinzurufen müssen, ohne dem Patienten zu helfen.
Seine Ausbildung erspart Patienten bisweilen eine zweite Operation oder den Klinikwechsel. Mit dem so genannten Zwei-Höhlen-Eingriff etwa kann Schultheis sogar dann schnell reagieren, wenn er erst während einer Operation feststellt, dass der Patient nicht nur an einem Magentumor leidet, sondern auch an der Speiseröhre Tumorgewebe ist. In der Regel wird dies aber vor der OP diagnostiziert und der Eingriff festgelegt. Dabei werden sowohl der Bauchraum wie auch der Brustkorb geöffnet, um an die oberhalb des Zwerchfells liegende Speiseröhre zu gelangen.
„Das Risiko dieser Operationen ist deutlich höher“, sagt Karl-Heinz Schultheis. Doch der 58-Jährige hat viel Erfahrung und weiß mögliche Komplikationen bei derartigen Risikoeingriffen einzuschätzen. „Gott sei Dank sind Komplikationen selten, so dass die Patienten keine Angst vor den großen Operationen haben müssen. Und letztendlich sind Tumore nur heilbar, wenn sie chirurgisch vollständig entfernt werden.“
Obwohl Schultheis meist von 7 bis 20 Uhr an der Klinik ist und diese – Sigmund Freud lässt grüßen! – sogar als sein Zuhause bezeichnete („Ich wohne in der Klinik, äh, ich meine, in der Nähe der Klinik“), sprang der Funke seiner Begeisterung auf seine Kinder über: Drei seiner fünf Kinder studieren bereits Medizin, das vierte überlegt noch. . .
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