Messe mit Mozarts Requiem: Der Tag begann in Sankt Lambertus
zuletzt aktualisiert: 30.05.2008 - 08:11Düsseldorf (RPO). Eine Messe mit Mozarts gewaltigem Requiem, bewegende Reden in der Tonhalle, einige Minuten der Stille für die Familie in der Kapelle des Nordfriedhofs und schließlich der Sarg, der in das Grab sinkt: Der Tag des Abschieds von Joachim Erwin.
9 Uhr Stiftsplatz, St. Lambertus
Die Glocken von Sankt Lambertus läuten. Dunkel. Schwer. Wie die Stimmung der Menschen, die vom Stiftsplatz in die Kirche Sankt Lambertus strömen. Frauen, Männer, Kinder haben draußen auf Bänken Platz genommen, um zumindest von dort aus beim Gottesdienst dabei zu sein und von ihrem verstorbenen OB Abschied zu nehmen. Drinnen, in Sankt Lambertus, ist jeder Platz besetzt. Viele sind gekommen: Der Ministerpräsident, eine ganze Reihe seiner Minister, Politiker aus Europa, Bund, Land und Rat, Wirtschaftsbosse, das Brauchtum, natürlich, und der Sport. Auch viele Mitarbeiter aus dem Rathaus. Manche müssen stehen.
In der ersten Reihe vor dem Altar: die engste Familie von Joachim Erwin. Seine Frau Hille, seine Kinder Angela und Markus, seine Schwiegereltern. Im Zentrum steht der Sarg, geschmückt mit großen Bouquets aus weißen Rosen und seiner Schleife mit den Namen seiner Frau und seiner Kinder.
„Introitus und Kyrie“, aus dem „Requiem“ von Mozart erklingt. „Joachim Erwin war ein Experte fürs Leben und hat dem Leben mehrere Jahre abgerungen“, sagt Stadtdechant Monsignore Rolf Steinhäuser in seiner Predigt. Weihrauch zieht durch die Kirche. Einige weinen. „Das Sterben ist der Preis der Fruchtbarkeit“, sagt Steinhäuser und erzählt vom Weizenkorn, das in die Erde fällt. „Joachim Erwin hat seinen Kampf nicht verloren. Nichts geht verloren, alles wird verwandelt.“ Angela und Markus Erwin sprechen im Wechsel die Fürbitten - für ihren Vater, für die Mitarbeiter, die Kranken, für die Verstorbenen. „Papa hat zum Schluss Trost im Glauben gefunden“, sagt Angela. „Dazu gehört auch der Wunsch zur Letzten Ölung.“ Für viele Zuhörer ein bemerkenswerter Satz. Denn Joachim Erwin war Mitglied der evangelischen Kirche, die Letzte Ölung ist jedoch ein katholisches Ritual. Fast alle Besucher der Messe empfangen die Kommunion. Bachs „Ave Maria“ erklingt und zum Auszug der Trauergemeinde die „Fantasie g-Moll“. So bedanken sich der Chor der Deutschen Oper am Rhein und die Düsseldorfer Symphoniker bei Joachim Erwin.
11 Uhr, Tonhalle
Wenige hundert Meter weiter sehen sich in und vor der Tonhalle die meisten Trauergäste wieder. Mit Bussen, zu Fuß, in schwarzen Limousinen kommen sie dort an. Von dem Unwetter, das sich wenig später über Düsseldorf zusammenbraut, bekommen die rund 1700 geladenen Gäste unter der Kuppel nichts mit. Die Bühne ist prächtig mit Blumen geschmückt - nicht in trauerndem Weiß, sondern Tulpen, Rosen, Gerbera und Callas in frühlingshaft bunten Farben. Die Familie nimmt in der ersten Reihe Platz, mit ihr auch die Bürgermeister, die Ehren-OB Marlies Smeets und Josef Kürten, Jürgen Rüttgers, Stadtdirektor Helmut Rattenhuber und Kölns OB Fritz Schramma. Auch Staatsministerin Hildegard Müller (CDU) mit ihrem Lebensgefährten Johannes Bickel. Während sich draußen der Himmel bedrohlich Dunkelgelb färbt, erklingen drinnen - dirigiert von John Fiore - die Düsseldorfer Symphoniker. Gespannt schaut man auf Dirk Elbers, lauscht seiner Rede - souverän, spürbar berührt und aus einer umfassenden Kenntnis der Person Erwins würdigt er den Mann, den er viele Jahre politisch begleitete. Ganz anders dagegen, fast schon sachlich, aber auf jeden Fall voller Respekt schildert Rattenhuber den Oberbürgermeister, so wie er ihn erlebte. Typisch für Rattenhuber, dass er Erwins Abneigung gegen Begriffe wie Brückentage, Altersteilzeit und Sonderurlaub hervor hebt. Im Saal grinsen einige der Zuhörer - sie wissen, wovon Rattenhuber spricht.
13 Uhr, Nordfriedhof
Die Trauergemeinde sammelt sich vor der Kapelle. Viele sehen sich heute zum dritten Mal. Das Brauchtum, allen voran die Schützen von Erwins Gesellschaft „Reserve“, sammelt sich vor der Pforte. Fast hundert Standarten überragen die Köpfe der Besucher. Hunderte Bürger beobachten die Szenerie hinter dem Absperrband. Alle warten.
Denn in der Kapelle hat sich die Familie versammelt, um sich ein paar Dutzend Freunde geschart. Stadtsuperintendent Ulrich Lilie betet mit den Trauernden. Aber vor allem ist in dem Raum - Stille. Keiner rührt sich, alle blicken gebannt auf den Sarg, der vorne im Halbrund steht.
Nach etwa einer halben Stunde öffnet sich das Tor der Kapelle. Vor dem Trauerzug wird der Sarg zum Grab getragen und hinein gelassen. Tausende defilieren vorbei, werfen Erde auf das Holz und lassen sich eine Rose reichen, um sie im Grab zu hinterlassen. Am Ende ist Erwins letzte Ruhestätte ein Meer bunter Blumen.
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