Wehrhahn-Linie-Baustelle: Der U-Bahn-Bohrer ist da
VON STEFAN KAUFMANN - zuletzt aktualisiert: 04.12.2009 - 11:22Düsseldorf (RPO). Die Tunnelbohrmaschine, die ab März Düsseldorfs neue U-Bahn bauen wird, ist fast komplett. In der Nacht zu Donnerstag wurden die Messer montiert, die sich an vorderster Front durch das Erdreich graben sollen. Jetzt wird die Maschine verkabelt und am 5. Februar erstmals ausprobiert.
Um kurz nach ein Uhr nachts, als die letzte Straßenbahn in Richtung Betriebshof rauscht, schlägt die Stunde von Gerhard Rockert und Wolfgang Schubach. Der eine steuert den Kran, an dessen Stahlseilen das 115 Tonnen schwere Schneidrad hängt, der andere lenkt ihn per Funk. Anfang November kam die Tunnelbohrmaschine in Einzelteile zerlegt im Düsseldorfer Hafen an.
Schwerlasttransporter brachten die Stücke an die hundert Meter lange Baugrube am Bilker Bahnhof. Jetzt ist das Schneidrad an der Reihe, das Prunkstück der Maschine, die ab März die Tunnelröhre für Düsseldorfs neue U-Bahn-Linie bauen wird. Es dauert eine knappe Stunde, bis das riesige runde Messer an seinen Platz im Startschacht ist.
Bis Ende Dezember Nach der Montage des Schneidrades müssen noch drei große Maschinenteile eingesetzt sowie diverse Steuer-, Förder- und Hydraulikleitungen verlegt werden.
5. Februar Für diesen Tag ist der erste Probelauf vorgesehen.
1. März Start der Tunnelbohrarbeiten für die Wehrhahn-Linie
Mit 72 Schrauben montieren die Bauarbeiter das Schneidrad an der Antriebsröhre. Zwölf Meter ist der Bohrkopf breit, weitere 55 Meter misst der Nachläufer. "Uns fehlen nur noch drei große Komponenten, die in den nächsten Nächten eingesetzt werden", sagt Benno Ferrière, Bauleiter der Firma Bilfinger Berger. Bis zum 15. Dezember soll die Grobmontage fertig und der Kran abgebaut sein – so lange bleibt die Elisabethstraße aus Sicherheitsgründen nachts gesperrt.
Von einem "besonderen Moment" spricht Andrea Blome, Leiterin des Amtes für Verkehrsmanagement, als das Schneidrad am Himmel schwebt. Sie ist froh, in dieser Nacht nicht über Baustellen und Umleitungen, sondern über hohe Ingenieurskunst reden zu dürfen. Auch Projektleiter Gerd Wittkötter staunt, als der Kran seine Arbeit beginnt: "Sieht in der Luft gar nicht so mächtig aus – dabei ist das Rad so groß wie ein dreistöckiges Haus."
Bestückt ist die Front des Bohrers mit 27 Doppelscheiben, 172 Schälmessern und 16 so genannten Räumern. Mit dem Schneidrad drückt sich der Bohrkopf des Schildes gegen die Erdwand und löst rotierend den Boden. Gleichzeitig wird im hinteren Teil der Maschine an der Röhre gebaut. Aus acht vorgefertigten Einzelteilen setzen sich die Betonringe zusammen. Jeder ist 1,50 Meter breit und hat einen Durchmesser von 9,50 Metern.
Den Start der Maschine werden die Anwohner zu spüren bekommen. "Wir sind im Schacht nur acht Meter unter der Oberfläche, da wird es zu Erschütterungen kommen", sagt Wittkötter. "Aber es geht schnell in die Tiefe, dann wird niemand mehr etwas merken." Nach acht Monaten soll die Maschine ihr erstes Ziel erreicht haben. "Wir beginnen die Fahrt sehr langsam, im Schnitt wollen wir aber zehn bis zwölf Meter am Tag schaffen", sagt Wittkötter. Auf Höhe der Benrather Straße stößt der Tunnelbohrer auf den Schacht, der bereits vor Jahren angelegt worden ist. Dann wird der Bohrkopf aus der Erde gehoben, während der Rest nach Bilk zurückgezogen und demontiert wird. Anschließend wird die Maschine in einer Grube auf dem Corneliusplatz für den zweiten Bauabschnitt neu zusammengesetzt.
Freitag werden die Arbeiter in der Baugrube ihre Schicht für eine kleine Feierstunde unterbrechen. Es ist der Namenstag der Heiligen Barbara, Schutzpatronin der Bergleute. Ein Schrein hängt schon an der Betonwand – unter ihm hinweg wird sich im Frühjahr die Bohrmaschine in das Erdreich graben. Noch ist der Schrein leer. "Zum Namenstag werden wir eine Heiligenfigur hineinstellen", sagt Projektleiter Ferrière. Damit das Projekt "Wehrhahn-Linie" in fünf Jahren ein gutes Ende findet.
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