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Millionenbetrüger: Detektiv behauptet: "Pilling lebt"

VON WULF KANNEGIESSER - zuletzt aktualisiert: 15.09.2010 - 07:30

Düsseldorf (RPO). Ein Wirtschafts-Detektiv ist "ganz sicher", vor wenigen Tagen mit dem angeblich auf Mallorca gestorbenen Millionenbetrüger Lutz Pilling (62) telefoniert zu haben. Hat der "Altmeister der Abzocke", der einst 250 Millionen Euro ergaunert hatte, seinen Tod nur vorgetäuscht?

Am 8. Juni starb Lutz Pilling in Palma de Mallorca an einem Leberleiden. Das behauptet eine Bescheinigung über seine Einäscherung, die der Justiz vorliegt. Pillings Tod wäre demnach eingetreten, bevor er wegen neuer Betrugsvorwürfe vor dem Düsseldorfer Amtsgericht erscheinen sollte. Aber ein 55-jähriger Wirtschafts-Detektiv aus Oberhausen glaubt nicht daran. Dienstag rieb sich der Privatermittler verwundert die Augen: "Das Foto im RP-Artikel über seinen Tod habe ich sofort erkannt. Ich bin ganz sicher, dass ich am vergangenen Freitag mit Pilling telefoniert habe. Als ich dann die Zeitung sah, war mein erster Gedanke: Ich habe mit einer Leiche gesprochen!" Oder hat der 62-jährige Schwindler, der als "Altmeister der Abzocke" gilt, seinen Tod inszeniert, um der Justiz zu entgehen?

Info
Falsche Urkunde

Urkundenfälschung Der Millionenschwindler Lutz Pilling muss ein amtliches Dokument (wie die Bescheinigung über seine Einäscherung), wenn es denn nachgemacht wurde, nicht eigenhändig gefälscht haben, um sich wegen Urkundenfälschung strafbar zu machen.

Mögliche Strafe Laut Paragraf 267 Strafgesetzbuch genügt bereits der Gebrauch einer unechten Urkunde. Dafür drohen dem Täter bis zu fünf Jahre Haft oder eine Geldstrafe.

Millionenbetrug mit Billigaktien

Rückblende: Jahrelang hatte Pilling die Ermittler in den 1990er Jahren nach Millionenbetrügereien mit Billigaktien (angebliche Beute: 250 Millionen Euro) genarrt. Erst 1996 wurde er in Spanien gefasst, in Düsseldorf zu fast sechs Jahren Haft verurteilt, nach Verbüßung der halben Strafe auf Bewährung freigelassen. Nach den aktuellen Vorwürfen soll Pilling sofort eine neue Betrugsserie gestartet haben. Zwölf Geldgeber habe er von 2001 bis 2003 um eine Viertelmillion Euro geprellt.

Gegen einen Strafbefehl über ein Jahr Bewährungsstrafe legte er Einspruch ein. Die Anreise aus Spanien zum Prozess hat er wegen Krankheit angeblich nicht mehr geschafft. Zuletzt legte sein Pflichtverteidiger Jan Schäfer die Kopie einer Einäscherungsbescheinigung aus Palma de Mallorca vor, die ihm per Post zugegangen sei. Demnach ist Pilling am 8. Juni gestorben. Das Amtsgericht hat in Palma eine offizielle Sterbeurkunde angefordert.

Aber der Privatermittler winkte gestern ab. Er kennt Pilling seit 1991. Damals war der Betrüger abgetaucht, nachdem er sich mit dem Detektiv in einer Piano-Bar an der Kö getroffen habe. Der Ermittler war von Pilling-Opfern beauftragt worden, ihnen ihr Anlagekapital von Pilling wieder zu beschaffen. Der Ermittler: "In zwei Fällen hat das geklappt. Danach hat sich Pilling jedes Jahr bei mir gemeldet." Konkrete Themen hätten die einstigen Gegner nicht gehabt. Der Detektiv: "Vielleicht hatte er auf Mallorca ins Glas geguckt, wollte nur hören, was in der Heimat los ist."

"Wie immer" habe Pilling am 10. September geklungen, als er mit unterdrückter Nummer angerufen habe: "Er hat sich mit Namen gemeldet, ich solle etwas für ihn nachgucken." Aber der Detektiv musste passen: "Ich kam gerade aus der Klinik, also haben wir vereinbart, dass er in dieser Woche noch mal anruft." Zweifel, dass es nicht Pilling gewesen ist, hat der Ermittler nicht: "Ich bin ganz sicher."

"Das wäre echt ein Ding", entfuhr es gestern Pillings Pflichtverteidiger Jan Schäfer. Er hat den Fall erst jüngst übernommen, kennt den Mandanten nur vom Telefon. "Aber er wollte den Protest gegen die Bewährungsstrafe durchfechten." Falls Pilling seinen Tod vorgetäuscht hat, würde Anwalt Schäfer das Mandat nicht niederlegen: "Mein Vertrauen zu ihm wäre dadurch nicht erschüttert." Der Anwalt weiter: "Ich könnte sogar verstehen, dass er alle Möglichkeiten ausschöpft!"

Mit so viel Verständnis könnte ein leibhaftiger Pilling vor dem Amtsgericht kaum rechnen. Wie von seinem Anwalt befürchtet, könnte die Justiz annehmen, Pilling wolle sich durch eine Todes-Inszenierung "dem Verfahren entziehen", so Gerichtssprecher Stefan Coners. Neben den Betrugsvorwürfen müsste Pilling mit einem weiteren Verfahren wegen Urkundenfälschung rechnen. Im ersten Schritt ist laut Coners jetzt "denkbar, dass die Informationen der Polizei zur Prüfung vorgelegt werden und der Detektiv als Zeuge vernommen wird". Ob Ermittler danach wiederum nach Mallorca reisen, um nach Lutz Pilling zu fahnden, entscheidet letztlich die Richterin.

Quelle: RP

 
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