OB Erwin nach dem Bürgerentscheid: „Die 63.000 lassen mich völlig kalt“
zuletzt aktualisiert: 15.04.2008 - 08:03Düsseldorf (RPO). OB Joachim Erwin findet das Ergebnis des Bürgerentscheids wenig überraschend. Die Opposition habe versucht, mit dem Thema Wahlkampf zu machen und sei gescheitert. An seinem Sieg zweifelt er nicht: „Die meisten Befürworter des Kö-Bogens sind zu Hause geblieben.“
Herr Erwin, haben Sie Sonntagabend noch Ihren Sieg gefeiert?
Erwin Nein, es war nicht so ein Ereignis, dass man in Riesen-Jubel ausbrechen musste. Ich konnte das Ergebnis voraussagen. Insofern war es für mich nicht überraschend. Weil sich diesmal SPD und Grüne besonders reingehängt haben, war es auch für sie eine klare Klatsche.
Was hat Sie so sicher gemacht? Immerhin ist es ein umstrittenes Projekt.
Erwin Die Bürgerinitiative hatte doch Schwierigkeiten, überhaupt die nötigen Unterschriften zusammenzubekommen. Zum anderen sprach die gesamte Stimmung dagegen. Bei der Briefabstimmung kam zuvor auch keine Flut an.
Der Bürgerentscheid ist gescheitert, weil nicht 20 Prozent der Stimmberechtigten Ja angekreuzt haben. Bayern hat eine Zehn-Prozent-Hürde. dort hätte es also geklappt ...
Erwin Dann hätte es aber auch eine andere Art von Auseinandersetzung gegeben. Viel intensiver, nicht so ruhig und sachlich.
Sie fanden die Gegenseite sachlich?
Erwin Zumindest war sie fairer als beim Entscheid zum Golzheimer Friedhof, nicht so diffamierend.
Dennoch: Mehr als 63.000 Bürger haben gegen den Kö-Bogen gestimmt...
Erwin Es gibt ja ganz unterschiedliche Gründe, weshalb mit Ja gestimmt wurde. Viele wollten nur gegen mich stimmen. Aber trotz aller Kampagnen ist deutlich geworden, dass die Bürger sich nicht die Themen vorschreiben lassen.
Die 63.000 lassen Sie also kalt?
Erwin Die lassen mich völlig kalt, weil es in dieser Sache zu viele unterschiedliche Sichtweisen gibt. Deshalb sage ich ja immer, dass man über Stadtplanung nicht demokratisch abstimmen kann. Unsere Stadtplanung ist von allen Seiten hoch gelobt worden. Der Kö-Bogen ist im Vorwahlkampf zum politischen Thema hochstilisiert worden. Es sind ja nur noch 14 Monate bis zur Kommunalwahl.
Sie SPD hat angedeutet, den geplanten Abriss des Tausendfüßlers zum Wahlkampfthema zu machen...
Erwin Das Thema ist erledigt. Es gibt klare Beschlüsse. Man kann einen fließenden Fluss nicht aufhalten, indem man sich in seine Mitte stellt.
Sind 14000 Nein-Stimmen wirklich ein Erfolg für die Stadtplanung?
Erwin Vielen war eh klar, dass es völlig nutzlos ist, zur Abstimmung zu gehen, weil die Bürgerinitiative die notwendigen 91000 Stimmen nicht zusammenbekommt. Die meisten Befürworter des Kö-Bogens sind also zu Hause geblieben.
Die meiste Kritik richtete sich gegen Massivität und Fassade der Bauten. Wird sich daran etwas ändern?
Erwin Wir haben die Kö-Traufhöhe von 26 Metern 2004 einvernehmlich festgelegt. Dass in einer Stadt, in der es die erfolgreichsten Architekturbüros der Welt gibt, die Wettbewerbe gewinnen, an ihnen ständig herum kritisiert wird - das tut schon ein bisschen weh. Besonders weil die Kritik von Leuten kommt, die bisher nicht durch glänzende Leistungen hervorgetreten sind und die auch keine Siege bei Wettbewerben davontragen.
Aber der Investor steht doch noch gar nicht fest, weil das Grundstück europaweit ausgeschrieben werden muss. Kann sich nicht doch was ändern?
Erwin Im Rahmen des Bebauungsplans kann der Investor natürlich seine Möglichkeiten ausschöpfen. Aber die sind ja beschränkt: Eine Fassade kann aus Glas oder aus Stein sein. Architektur definiert sich schließlich über Höhe und spektakulär umbauten Luftraum.
Was halten Sie von der Idee, die Fassaden unterschiedlich zu gestalten?
Erwin Das wird sich aus der Nutzung ohnehin ergeben. Der Einzelhandel im Erdgeschoss wird eine andere Anmutung haben als die Büros. Die Eingangshalle, die über zwei Geschosse geht, wieder eine andere.
Der Einzelhandel bleibt kleinteilig?
Erwin Natürlich. Ich hätte mir aber auch ein Premium-Kaufhaus wie die Galeries Lafayette in Paris vorstellen können.
Ist so etwas in den anderen Gebäuden am Gründgens-Platz oder an der Johanneskirche geplant?
Erwin Das ist eine Frage des Investors. Dieses immer auf Tante-Emma-Läden reduzierte Geschrei des Einzelhandels ist nicht zu ertragen. Die Kunden wollen Marken, Qualitäten wiederfinden. Der Einzelhandelsverband sollte lieber um neue Mitglieder buhlen.
Bleiben wir bei der Stadtplanung. Düsseldorf steht bei Büros und Luxuswohnen gut da. Die Opposition kritisiert jedoch, dass es an günstigem Wohnraum mangelt. Zu Recht?
Erwin Das wird sich ändern. Ich habe der städtischen Wohnbaugesellschaft den Auftrag erteilt, Wohnraum für jene zu schaffen, die an der Grenze zu Transferleistungen des Staates stehen.
Wo wäre so etwas denkbar?
Erwin Zum Beispiel auf dem früheren Oronto-Gelände an der Erkrather Straße. Unsere Steuerungsmöglichkeiten als Stadt sind jedoch begrenzt. Wo wir noch etwas machen können, ist etwa im Bereich Gerresheimer Glashütte oder Itter.
Sie wollen also nach Umwelt und Kinderbetreuung der Opposition auch dieses Thema vom Teller nehmen?
Erwin Ich bin nicht der Hüter meines Bruders und kann nichts für das leere Programm der Opposition.
Denisa Richters führte das Interview
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