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Flughafen: Die Abschiebungs-Beobachterin

VON GABRIELE FRITZ - zuletzt aktualisiert: 09.04.2010 - 07:24

Düsseldorf (RPO). Sabine Schäferkordt beobachtet Abschiebungen am Düsseldorfer Flughafen. Sie achtet darauf, dass humanitäre Standards eingehalten werden, dass die Abgeschobenen ihre Angelegenheiten klären können und dass auch das "Handgeld", eine Hilfe für die erste Zeit im anderen Land ausgezahlt wird.

Info
Das FFiNW

Gründung Das Forum wurde im Juli 2000 eingerichtet.

Mitglieder Ihm gehören unter anderem Amnesty International, das Diakonische Werk der Evangelischen Kirche im Rheinland, das katholische Büro NRW, das Innenminsterium NRW und die Zentrale Ausländerbehörde Düsseldorf an.

Austausch Regelmäßig tagen Vertreter des Forums, um sich auszutauschen.

Die mit Touristen und Geschäftsleuten gefüllte Abflugshalle im Terminal B am Aiport durchquert sie täglich auf dem Weg ins Büro. Doch Sabine Schäferkordt befasst sich mit denjenigen, die nicht freiwillig in eine Maschine steigen: mit abgelehnten Asylbewerbern, straffällig gewordenen Ausländern oder illegal Eingereisten, die in ihr Herkunftsland zurück müssen oder in ein benachbartes EU-Land geflogen werden. Schäfers Haupteinsatzort ist der Düsseldorfer Flughafen.

Die Juristin ist – im Einvernehmen von Behörden, Polizei, Kirchen und Menschenrechtsgruppen – neutrale Beobachterin von so genannten Rückführungen und Abschiebungen. Angestellt bei der Diakonie begleitet Schäferkordt die Menschen während ihrer letzten Stunden in Deutschland. Sie ist dabei, wenn Mitarbeiter der Ausländerbehörden die Männer, Frauen oder Familien den Bundespolizisten am Flughafen übergeben, wenn Dokumente und Gepäck geprüft werden, wenn die Ausländer schließlich die Maschine betreten.

Rund 1300 Personen wurden nach Angaben der Bundespolizei im vergangenen Jahr von NRW aus abgeschoben. Als Abschiebungsbeobachterin leistet Schäferkordt keine Rechtsberatung in letzter Minute. "Ich achte auf die Einhaltung humanitärer Standards, beobachte die Abläufe und berichte regelmäßig dem Forum Flughäfen in NRW (FFiNW)", sagt die 28-Jährige. Im FFiNW haben sich seit zehn Jahren Menschenrechtsgruppen, Kirchen und staatliche Stellen zusammen geschlossen, um humanitäre Standards bei Abschiebungen durchzusetzen. Anlass waren Menschenrechtsverletzungen bei Abschiebungen. Schlagzeilen machten Ende der 90er Jahre die Todesfälle zweier Nigerianer.

Seit ihrem Amtsantritt im Juli vergangenen Jahres hat Schäferkordt etwa 150 Abschiebungungen überwiegend am Düsseldorfer Flughafen beobachtet.

Neben unbegleiteten oder begleiteten Einzelabschiebungen in Linienflügen zählten dazu auch Sammelabschiebungen in eigens gecharterten Maschinen der europäischen Agentur zur Kontrolle der EU-Außengrenzen, Frontex. Diese nehmen nach Eindruck der Abschiebungsbeobachterin zu.

«Vielen der Betroffenen ist es ein großes Bedürfnis, neben einem persönlichen Gespräch, mein Handy nutzen zu können», sagt Schäferkordt. Sich von Verwandten oder Freunden in Deutschland zur verabschieden, letzte Informationen mit dem Anwalt auszutauschen oder Nachbarn zurückgebliebene Habe anzuvertrauen, «das nimmt sehr viel Anspannung heraus».

Vor Ort spricht sie auch mit den Behördenmitarbeitern, Polizeibeamten und gegebenenfalls mit anwesenden Ärzten.

Die Juristin achtet auch auf die Einhaltung des so genannten Handgelderlasses, durch den mittellose Ausländer bis zu 50 Euro mit auf den Weg bekommen, um von ihrem Ankunftsflughafen weiterreisen können.

"Es bleibt festzuhalten, dass es ein erzwungener und kein freiwilliger Vorgang ist, Menschen nach oft langjährigem Aufenthalt außer Landes zu bringen", bilanziert Jörn Erik-Gutheil, rheinischer Landeskirchenrat im Ruhestand und Mitinitiator des FFiNW zum zehnjährigen Bestehen.

Mittlerweile können Gutheil und Schäferkordt bestätigen, dass die Abläufe am Düsseldorfer Flughafen professionell und geordnet sind. Körperlicher Zwang sei die Ausnahme, sagt Schäferkordt. Gewalt? "Da gibt es ein klares Nein."

Quelle: RP

 
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