Deutlicher Trend: Die Filmstadt Düsseldorf boomt
VON CHRISTIAN HERRENDORF - zuletzt aktualisiert: 25.10.2008 - 10:13Wim Wenders und Tote-Hosen-Sänger Campino haben angekündigt, die Deutschland-Premiere ihres Films „Palermo Shooting“ in der Landeshauptstadt zu feiern. Damit bestätigen sie den Trend, in Düsseldorf zu drehen und auszustrahlen.
Jürgen Vogel und Daniel Brühl rasen mit zwei Sportwagen um den Düsseldorfer Flughafen. Til Schweiger und Johanna Wokalek sitzen nach einer aufregenden Flucht auf der Oberkasseler Brücke. Campino taumelt als ausgebrannter Starfotograf am Rheinufer. Martina Gedeck musiziert in der Carlstadt. Diese Szenen aus den Filmen „Ein Freund von mir“, „Barfuß“, „Palermo Shooting“ und „Geliebte Clara“ spielen alle in der Landeshauptstadt. „Als Produktions- und Premieren-Standort hat Düsseldorf deutlich angezogen“, sagt Michael Schmid-Ospach, Geschäftsführer der Filmstiftung NRW.
Rund 50 Produktionen im Jahr, von großen Kinofilmen bis zu Fernsehserien wie „Verbotene Liebe“, „Alarm für Cobra 11“ oder „112 - Sie retten Dein Leben“, drehen inzwischen in Düsseldorf. „Das sind 20 mehr als noch vor zehn Jahren“, sagt Michael Kosiedowski, der als Fachreferent im Büro des Oberbürgermeisters die Film- und Fernsehproduktionen betreut.
Kommissar Stolberg kehrt zurück
Campino und sein Regisseur Wim Wenders bestätigen den Boom der Filmstadt Düsseldorf. Sie kündigten an, die Deutschland-Premiere von „Palermo Shooting“ am 13. November in Düsseldorf zu feiern. Eine Woche später startet der Film, der im Wettbewerb von Cannes lief, dann bundesweit. Auch die Liebe der Macher von „Kommissar Stolberg“ zur Landeshauptstadt ist ungebrochen. Nachdem sie den TV-Kommissar zuletzt im Heine-Haus nach einem Mörder suchen ließen, drehen sie in der kommenden Woche vor dem Polizeipräsidium.
Für den cineastischen Trend zum Drehen in der Landeshauptstadt nennt der Filmstiftungs-Geschäftsführer zwei Gründe. „Die Stadt kümmert sich intensiv, klug und ohne Blick auf die Geschäftszeiten um die Produktionen“, sagt Schmid-Ospach. „Filmteams stellen immer zwei Fragen: Was kostet es? Und sind wir willkommen? Auf beide Fragen weiß Düsseldorf offenbar die richtigen Antworten.“
Hinzu komme, dass Düsseldorf ein „kultureller Whirlpool“ sei, die Stadt von Heine und Beuys. „Das nehmen die Filmschaffenden inzwischen auch so wahr. Auch Donald Sutherland fand es hier ,really lovely’“, berichtet Schmid-Ospach. Sutherland hatte am Schloss Benrath den Film „Five Moons Plaza“ gedreht.
Neben dem Image-Gewinn machen sich die Dreharbeiten auch finanziell positiv für die Stadt bemerkbar. Für den ARD-Zweiteiler „Vera, die Frau des Sizilianers“ drehte ein Team um Mario Adorf und Heinz Hoenig mehrere Wochen in Kaiserswerth. „Die Crew hat 520000 Euro hier ausgegeben, für Hotels, das Catering, Komparsen, die Miete von Drehorten und Benzin“, erläutert Kosiedowski.
Der Fachreferent und sein Team sind an zahlreichen Punkten der Produktion beteiligt. Sie locken Dreharbeiten nach Düsseldorf, sie beraten bei der Suche nach Motiven in der Stadt. Sie vermitteln zwischen den Filmschaffenden auf der einen sowie Polizei und Fachämtern, die Genehmigungen erteilen, auf der anderen Seite. Und sie weisen auf lokale Dienstleister hin, bei denen sich der Besuch der Filmcrews dann wieder bezahlt macht.
Siegeszug bis Hollywood
Premieren in der Landeshauptstadt bringen übrigens Glück. Schmid-Ospach: „Wir haben ,Bella Martha’ erstmals im Medienhafen gezeigt. Von dort trat der Film einen Siegeszug an, der bis zum Hollywood-Remake reichte.“
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