Serie: Starke Polit-Frauen: Die Kämpferin
VON DENISA RICHTERS - zuletzt aktualisiert: 27.07.2007 - 10:39Düsseldorf (RPO). Die Sozialdemokratin Karin Kortmann hat sich schon gegen manche innerparteilichen Konkurrenten durchgesetzt. Zuletzt im März, als eine tief gespaltene Düsseldorfer SPD die Staatssekretärin zur Vorsitzenden wählte. Mit nur 70 Prozent. Davon lässt sich die 48-Jährige nicht entmutigen.
Bei Karin Kortmann gibt’s heute „Zimtzicke“. Das hat nichts mit innerparteilichen Konkurrentinnen zu tun. Tochter Judith (12) führt in dieser Woche das Küchenregiment und zaubert jeden Tag ein Drei-Gänge-Menü. Heute eben Zimtzicke, Milchreis mit Zimt. Dabei könnte Kortmann über Machtkämpfe unter SPD-Frauen einiges erzählen: über das Gezerre mit Kerstin Griese, als es darum ging, welche von beiden im Düsseldorfer Süden für den Bundestag kandidiert. Oder über die heißen Wochen Anfang des Jahres, als sich die Partei in zwei Lager spaltete: in die Unterstützer der damaligen Spitzenkandidatin, Gudrun Hock, und in jene, die Karin Kortmann zur Vorsitzenden des Unterbezirks machen wollten. Dass Hock und Kortmann nicht miteinander können, ist ein offenes Geheimnis.
„Ich werde gewinnen“, hat Kortmann gesagt - und in beiden Fällen gwonnen. Zur Düsseldorfer SPD-Chefin wurde sie vor vier Monaten gewählt. Von nur knapp 70 Prozent der Delegierten. Entmutigt hat sie das nicht: „Man muss in dieser SPD auch mal klare Kante zeigen. Den Skeptikern beweise ich in den nächsten zwei Jahren, was man auf diesem Posten bewirken kann.“
Schon mancher hat die Kämpfernatur der zierlichen Sozialdemokratin unterschätzt. Jetzt sitzt sie, die als parlamentarische Staatssekretärin von Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul schon mehrmals die Welt umrundet hat, auf ihrem Lieblingsplatz: dem zweisitzigen schwarzen Ledersofa im Wohnzimmer, von dem aus sie so gerne Kochsendungen guckt. Auf dem Tisch stehen Törtchen, die sie mit Erdbeeren und Himbeeren gefüllt hat. „Schwarz-Rot, wie die große Koalition“, sagt die 48-Jährige und lacht. Die Kinder, Judith und Philipp (11), haben sich dazu gesetzt. Ihr Mann, Hans Hobelsberger, bringt Gläser mit Latte macchiato. Die große Etagenwohnung in Pempelfort sei ihr Schutzraum, sagt Kortmann, „das ist unser Leben, da guckt keiner rein“. Die Nachbarn sind über die Jahre zu Freunden geworden, der Besitzer des kleinen Ladens unten fragt sie manchmal: „Na, Frau Kortmann, gut regiert?“ Gut regiert ist so eine Sache. Der Spielraum in einer großen Koalition ist begrenzt - zumal als kleiner Bündnispartner. „Das müssen wir unseren Mitgliedern deutlicher machen“, sagt sie.
Hinter der starken Frau steht aber auch ein starker Mann. Hans Hobelsberger, gebürtiger Niederbayer, ist der ruhende Pol, hält ihr den Rücken frei, hat Erziehungsurlaub genommen, als das noch für kaum einen Mann Thema war. Jetzt hat er eine halbe Stelle bei der Deutschen Bischofskonferenz. „Das ist doch ganz normal“, sagt der Theologe. Beide sind tief in der katholischen Kirche verwurzelt. SPD-Mitglied ist Hobelsberger nicht, aber SPD-Wähler sei er „schon immer gewesen“, auch im tiefschwarzen Bayern. Wenn Kortmann auf Wahlkampf ist, ist er meist dabei. Wird der nächste Wahlkampf der einer OB-Kandidatin? Da wird Kortmann schmallippig. Als Herausforderin von OB Erwin hat sie sich jedenfalls schon positioniert: Man werde ihn wegen seiner Krankheit nicht mehr schonen, verkündete sie selbstbewusst - und brach damit ein Tabu.
Doch ihr Herz schlägt aber auch heftig für Berlin, wo sie einen Ruf als fachlich kompetente Netzwerkerin hat und nicht wenige sie als künftige Ministerin sehen. Zu Kortmanns Freunden und Förderern gehören Franz Müntefering und Peter Struck. Fotos in ihrem Arbeitszimmer zeigen sie mit Helmut Kohl und mit „dem Gerd“, Gerhard Schröder. Dort hängt aber auch ein Blatt. „Wenn du in fünf Minuten nicht fertig bist, drehe ich der Frau Zeul den Saft ab“, hat Tochter Judith darauf geschrieben. Politikerin? „Niemals“, sagt Judith. Sie will Tierärztin werden. Anders ihr Bruder Philipp: „Erst Minister und dann amerikanischer Präsident.“
Nächste Folge: Iris Bellstedt, Vorsitzende der Grünen-Ratsfraktion
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum







