Arbeitsniederlegung im Carsch-Haus: Die Ruhe vor dem Streik
VON UWE REIMANN - zuletzt aktualisiert: 25.07.2007 - 08:27Düsseldorf (RPO). Gestern legten 40 Mitarbeiter des Carsch-Hauses die Arbeit nieder, weitere Streiks in den Düsseldorfer Kaufhäusern drohen. Mitarbeiter beklagen vor allem den ausgedünnten Nahverkehr, wenn bis spät gearbeitet wird.
Angelika Gasthaus wohnt im Stadtteil Hamm und arbeitet im Carsch-Haus im Verkauf. Wenn sie abends um kurz nach 20 Uhr ihre Arbeitsstelle verlässt, braucht sie eineinviertel Stunden mit dem Bus, um nach Hause zu kommen. „Der ÖPNV wird ja nach 19.30 Uhr völlig ausgedünnt. Wir haben beispielsweise Mitarbeiter aus Bochum und Essen. Die brauchen über zwei Stunden, um mit Bus und Bahn noch nach Hause zu kommen“, weiß sie. Wenn die Warenhäuser künftig bis 22 Uhr geöffnet haben sollten, würde es sogar nach Mitternacht werden.
Die Zeichen stehen auch deshalb bei vielen Gewerkschaftsmitgliedern auf Streik: Nach den fünf Warenhäusern Kaufhof (Berliner Allee, Am Wehrhahn) Karstadt (Schadowstraße), Real und Carsch-Haus hat gestern auch die Urabstimmung bei H&M das Ergebnis bestätigt: „Etwa 93 Prozent wollen einen Streik“, sagte gestern Heino Georg Kaßler vom Landesfachbereich Handel der Gewerkschaft Verdi.
Wie sehr der Unmut der Mitarbeiter anscheinend drängt, zeigte sich gestern morgen um 9.30 Uhr im Carsch-Haus. „Spontan“ wandelten Mitarbeiter eine Info-Veranstaltung in einen einstündigen Warnstreik um. 40 Mitarbeiter hatten die Arbeit niedergelegt. Nach den Worten Kaßlers habe die Geschäftsleitung kurzerhand andere Mitarbeiter geholt, um den Geschäftsbetrieb fortzuführen.
Noch ist es die Ruhe vor dem großen Streik, doch es wird nicht der letzte Warnstreik gewesen sein. Diese Woche gibt es weitere so genannte Info-Veranstaltungen, die die Gefahr von plötzlichen Arbeitsniederlegungen bergen, sagte Kaßler gestern. Längere Streiks sind nach Expertenmeinung wohl ab nächsten Montag geplant. Der Einzelhandelsverband rüstet sich deshalb für die möglicherweise unruhigen nächsten Wochen. „Die Warenhäuser in Düsseldorf werden alles tun, um auch bei eventuellen Streiks zu öffnen“, sagt Waltraud Loose, Geschäftsführerin des Einzelhandelsverbandes NRW. Trotzdem müssen Kunden damit rechnen, dass Arbeitsniederlegungen ab der nächsten Woche zu Einschränkungen führen könnten.
Loose befürchtet sogar, dass sich die Auseinandersetzungen „lange hinziehen könnten“. Dann würden aber sicherlich auch unkonventionelle Methoden den Verkauf und Service sicherstellen. Sie rechnet damit, dass dann auch mal leitende Angestellte oder Verwaltungsmitarbeiter in den Verkaufsräumen einspringen.
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