Bildungsstreik 2009: "Die Schüler sind uns nicht egal"
zuletzt aktualisiert: 15.06.2009 - 13:38
Im Rahmen des bundesweiten Bildungsstreiks haben am Montag in Düsseldorf mehr als 60 Schüler für eine bessere Bildung demonstriert. Die Forderungen der Streikenden: Abschaffung des Turboabiturs, der Kopfnoten und der verbindlichen Grundschulempfehlung.
Mit vielen Krachmachern, wie Trillerpfeifen und Mikrofonen, zogen die Streikenden von der Luegallee über die Oberkasseler Brücke durch die Altstadt, zum Landtag. "Wir sind laut, weil ihr unsere Bildung klaut", so machten sich die Streikenden bemerkbar. "Wir wollen mit dem Streik zeigen, dass uns die Schüler nicht egal sind", so Simon Gerullies von der Bezirksschülervertretung Heinzberg.
In der Landeshauptstadt wird es vom 15. bis zum 20. Juni Podiumsdiskussionen und verschiedene Workshops zum Thema Streik und Bildung geben. Schüler und Studenten wollen mit Freiluft-Unterricht, Demonstrationen und kreativen Aktionen gegen die etablierte Bildungspolitik protestieren, kündigte Lara Turek von der Landesschülervertretung NRW an.
Mit der landesweiten Abschlusskundgebung am Samstag wollen die Veranstalter nach eigenen Angaben ihren "Unmut über die jetzige Landesregierung, aber auch über die Vorgängerregierung und den herrschenden Zeitgeist in der Bildungspolitik zum Ausdruck bringen".
Höhepunkt werde die Großdemonstration mit vielen tausenden Schülern sein, so die Bezirksschülervertretung. Am Mittwoch kommt es in über 80 deutschen Städten zu Großdemonstrationen. Die Veranstalter rechnen mit mehr als 150.000 Menschen, die sich an den Aktionen beteiligen.
In Düsseldorf werden die Streikenden vom Hauptbahnhof über den Rathausplatz zum Schulministerium an der Völklinger Straße ziehen. Kostenlose Bildung, gleiche Chancen für alle und die Abschaffung von zentralen Prüfungen sind einige der Forderungen, die vor dem Ministerium vorgetragen werden sollen. Studenten protestieren unter anderem gegen Studiengebühren und Zulassungsbeschränkungen.
Kritik am Bildungsssystem
Die Protestveranstalter halten das derzeit Bildungssystem für sozial ungerecht und falsch ausgerichtet. Es gehe nur noch um die Schaffung von „Humankapital“, rügen sie. Sie fordern kleinere Klassen, die Abschaffung des mehrgliedrigen Schulsystems und die soziale Öffnung der Hochschulen.
Die Veranstalter betonten, dass mit dem am Montag begonnenen Bildungsstreik "erst ein Anfang gemacht" werde. Man wolle im Wahljahr 2009 zeigen, dass man "mit uns nicht so weiter machen kann, wie bisher", erklärte Siebert.
Unterstützung erhalten die Schüler und Studenten von mehr als 70 lokalen Bündnissen und 230 Organisationen sowie vom globalisierungskritischen Netzwerk Attac und der Gewerkschaft Verdi. Der Deutsche Philologenverband kritisierte dagegen die zum Teil "problematischen Aktionsformen" wie Unterrichtsboykott und "einseitige ideologische" Forderungen, etwa nach der Einführung einer Einheitsschule. Dadurch gingen einzelne berechtigte Forderungen unter, sagte Verbandschef Heinz-Peter Meidinger. Solcher "linksgesteuerter Aktionismus" verpuffe schnell und bleibe ohne langfristige Wirkungen.
Bundesweite Protestaktionen
In ganz Deutschland wird es in dieser Woche Streiks geben. In den letzten Jahren habe der Protest zu wenig Wirkung bei Medien, Wirtschaft und Politik gezeigt, so die bundesweite Schülervertretung. Deswegen komme es jetzt zum bundesweiten Bildungsstreik.
In Berlin, Potsdam, Hamburg und Heidelberg wurden Universitätsgebäude und Hörsäle besetzt, wie das "Bündnis Bildungsstreik 2009" mitteilte. In zahlreichen Städten wie München, Trier, Münster, Saarbrücken und Bielefeld, öffneten Protestcamps mit "alternativen Lernveranstaltungen".
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