Homeless World Cup in Kopenhagen: Die Straßenkicker
VON FRANK VOLLMER - zuletzt aktualisiert: 25.07.2007 - 08:55Düsseldorf (RPO). Murat Kadir Çelik und Markus Torretta sind zwei von acht deutschen Nationalspielern, die zum Homeless World Cup nach Kopenhagen fahren - der Fußball-WM der Obdachlosen. Beide waren jahrelang ohne festen Wohnsitz.
Eine Zigarette noch. Markus Torretta genießt sie - es könnte vorerst seine letzte sein. Denn der 26-jährige Düsseldorfer darf Fußball spielen - für Deutschland, in Kopenhagen. „Homeless World Cup“ (HWC) heißt das Turnier, bei dem Obdachlosen-Teams aus 48 Nationen dabei sind. Einfach mal eine rauchen ist da tabu.
Jeweils acht sind in einer Mannschaft. Gespielt wird Streetsoccer, die schnellere, härtere Variante des Feldfußballs. Markus Torretta bricht heute mit Murat Kadir Çelik (32) auf ins Kieler Trainingslager - ein Viertel der Nationalmannschaft kommt aus Düsseldorf. Schnell muss aus dem Haufen jetzt eine disziplinierte Gemeinschaft werden.
Wenn das einer schafft, dann Dieter Hollnagel. Denn der Bundestrainer ist ein harter Hund. „Aber der Trainer ist wie ein Vater für uns“, sagt Murat Çelik. Solche Figuren haben ihm geholfen, sein Leben wieder in den Griff zu bekommen: Nach dem Tod seines Vaters landete Çelik auf der Straße - für acht Jahre. Mit dem Verkauf der „Fiftyfifty“ hielt er sich über Wasser. Knapp entging er der Abschiebung in die Türkei. Torrettas Biografie sieht ähnlich aus: angefangen als Automatenknacker, spielsüchtig, mit 19 ins Gefängnis, danach aus der Wohngruppe geflogen. Zwei Jahre hat er auf der Straße gelebt.
Am Ende aber haben beide die Kurve gekriegt - dank der Ordensgemeinschaft der Armen Brüder leben beide jetzt in festen Wohnungen. Beide haben eine Freundin, beide eine kleine Tochter. Das von „Fiftyfifty“ und Armenküche organisierte Fußballtraining der Wohnungslosenmannschaft ist Freizeitspaß und soziale Schule zugleich.
Unterstützt wird das Nationalteam von der Aktion „Gemeinsam gegen Kälte“ und von der Berliner Stiftung Ethecon. Deren Vorstand Axel Köhler-Schnura sagt: „Obachlose sind die Opfer unseres Profitsystems. Der HWC gibt ihnen ihre Würde zurück und protestiert zugleich gegen diese Ausgrenzung.“
Sonntag steigt das erste Spiel, der Gegner wird noch ausgelost. „Hoffentlich nicht Weltmeister Russland“, sagt Markus Torretta. Beinahe wäre Torretta schon 2006 beim HWC in Kapstadt dabeigewesen, aber wegen seiner Bewährungsstrafe ging das nicht. „Mein Traum wäre ein Platz unter den ersten zehn“, sagt er. „Unser Traum ist es, Weltmeister zu werden!“, hält Murat Kadir Çelik dagegen. Trotz blauen Dunsts? Çelik ist optimistisch. „Das ist kein Problem. Ich bin ja ein richtiges Kampfschwein.“
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