Bilker Arcaden: Die Stunde der Schnäppchenjäger
VON CHRISTIAN HERRENDORF - zuletzt aktualisiert: 24.09.2008 - 07:30Düsseldorf (RPO). Plötzlich hört keiner mehr Bürgermeister Friedrich Conzen zu. Der CDU-Fraktionschef spricht gerade von Konkurrenz, die den Einzelhandel belebt, und täglichen Anstürmen, die er den Bilker Arcaden wünscht, da tauchen auf der anderen Seite des Absperrgitters zwei junge Männer mit roten Prospekten auf. Danach sehen und hören sie nur noch Zahlen: 10 Euro, 366 Euro, 499 Euro – die Preise für die beliebtesten Angebote am Eröffnungstag.
Laut Betreiber MFI besuchten gestern sogar mehr als die erhofften 100 000 Neugierigen die Bilker Arcaden. Die Polizei registrierte dennoch keine besonderen Vorkomnisse. Die Feuerwehr rückte zwar mehrfach aus, auch am Abend, stellte aber ebenso oft Fehlalarm fest. Die Sanitäter berichteten von einem ruhigen Arbeitstag.
Zwei Stunden, bevor die Reden enden, die roten Bänder fallen und die Türen öffnen, wirken die Sicherheits- und Rettungskräfte pessimistischer. 20 Sanitäter und 50 Ordner stehen rund um die Absperrgitter, weil sie für 8 Uhr mit bis zu 5000 stürmischen Schnäppchenjägern rechnen. Die künftigen Laptop-, Fernseher- und Bügeleisen-Besitzer aber kommen langsam, erst um halb acht sind die Zäune von Besuchern verdeckt.
Zu diesem Zeitpunkt trifft auch die erste weibliche Besucherin ein. Sie begleitet ihren Mann. Dessen Geschlechtsgenossen versuchen, entweder breitbeinig möglichst viele Quadratzentimeter am Zaun zu besetzen oder unbeteiligt um die Menge zu schleichen, um eine günstige Startposition in Reihe vier bis sechs zu finden.
Die Reden enden, die Bänder fallen, die Türen öffnen – und 119 Geschäfte bleiben ungeachtet links und rechts liegen. Die Besucher der ersten Stunde stürmen den 120. Laden. Über die Rolltreppen (Fahrtrichtung irrelevant) eilen sie zum Mediamarkt. Der begrüßt seine ersten Kunden mit einem Lied der Gruppe 2Raumwohnung: „36 Grad, und es wird immer heißer“.
Der schnellste Mann schnappt den ersten Laptop, sein Bauch bahnt ihm den Weg zur Kasse. Hinter ihm schleift einer zwei Pappkartons, auf denen 80-Zentimeter-Fernseher abgebildet sind. Daneben fordert einer Verstärkung an, Fernseher und Laptop sind zu viel für ihn.
Im Tiefgeschoss schneiden bei Aldi drei Costa Ricanerinnen einsam Ananas. H & M in der Etage darüber öffnet erst um 11 Uhr, in den anderen Modegeschäften des Erdgeschoss stehen nur Verkäuferinnen. Im Mediamarkt ist inzwischen nichts mehr von „36 Grad“ zu hören. Es riecht aber so.
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