Hehlerbanden gefasst: Diebesgut bei Ebay entdeckt
VON STEFANI GEILHAUSEN - zuletzt aktualisiert: 04.09.2010 - 10:42Düsseldorf (RPO). Auf die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft kommt eine Menge Arbeit zu: Das Einbruchskommissariat hat zwei Banden ausgehoben, die mehr als 30 Büros und Wohnungen ausräumten und die Beute im Internet anboten.
Am Ende stand die Ermittlungskommission Noris wieder vor alten Bekannten: Die drei mutmaßlichen Köpfe einer Bande "kennt jeder Polizist im Süden seit Jahren", so Dieter Töpfer, Leiter des Einbruchskommissariats. Zwei 23-jährige Libanesen und ein gleichaltriger Deutsch-Libanese sollen sich seit Frühsommer auf Einbrüche in Büros und Firmen spezialisiert haben. Jetzt sind sie in U-Haft.
An einem Aprilwochenende waren dem Kommissariat gleich vier Einbrüche in Büros an der Nürnberger Straße gemeldet worden – Grund genug für die Kripo, eine eigene Kommission mit Namen "Noris" auf die Serie anzusetzen. Den ersten Ermittlungsansatz lieferten die Täter selbst. Die hatten in einer Spedition Listen mit Pin- und Tan-Nummern erbeutet, die ihnen Zugriff auf die Firmenkonten gaben.
Das lange Wochenende, das dem Einbruch folgte, nutzten die Einbrecher für Überweisungen von mehr als 20.000 Euro. Dafür hatte ihnen eine 19-Jährige aus Eller ihr Konto zur Verfügung gestellt. Sie wurde ermittelt, durch die junge Frau und deren Freund kam man einem der Libanesen auf die Spur.
Die verdeckten Ermittlungen der Polizei liefen bereits, als die Bande noch mehrfach zuschlug, noch einmal eine Tan-Liste stahl (diesmal aber beim Überweisen scheiterte) und im Juli sogar einen Tresor des Pfarrbüros in Oberkassel ausräumte. Als die EK Noris erfuhr, dass sich zwei der Täter in den Libanon absetzen wollten, griff die Kripo zu, nahm die Bandenköpfe fest.
Gegen sechs Helfer und zwei Hehler wird ebenfalls ermittelt, ein als Drahtzieher geltender Deutsch-Marokkaner ist auf der Flucht. Bei den beiden – ebenfalls polizeibekannten – Hehlern fand die Kripo Beutestücke auch aus Wohnungseinbrüchen und Hinweise darauf, dass Teile der Beute im Internet versteigert wurden.
Hochbetrieb in Hehlerwohnung
Diese Arbeitsweise brachte auch die Ermittlungskommission Technik auf die Spur einer Bande: Die hatte die Beute aus mindestens zwölf Einbrüchen in Fotofachgeschäfte in Köln, Essen, Düsseldorf und Niedersachsen bei Ebay angeboten, im März noch unter dem echten Namen eines Düsseldorfers. Bei dem fand die Polizei 35 Profikameras und anderes Fotozubehör – und behielt den Mann fortan verdeckt im Blick.
"Im Lauf der Wochen vergrößerte sich die Gruppe, die nun auch unter falschen Angaben bei Ebay Waren anbot", berichtete EK-Leiter Rainer Reinhardt, der dem Auktionshaus hervorragende Kooperation bescheinigte. In den vergangen Tagen hatten die Ermittler die Wohnungen von sechs Männern und einer Frau im Alter von 19 bis 27 Jahren durchsucht und Beutestücke nicht nur aus den Fotoladen-Einbrüchen gefunden. "Kurz nach der Durchsuchung wurde in einer Wohnung die Beute aus einem Einbruch beim Schlüsseldienst abgeliefert – mehrere Apparate zur Schlüsselherstellung", so Reinhardt, der die Geräte gestern ihrem Besitzer zurück gab.
Die sieben Verdächtigen sind alle auf freiem Fuß, denn sie waren bislang nicht polizeilich aufgefallen. Die Namen der Einbrecher hat keiner von ihnen preisgegeben. Als gesichert gilt aber, dass Diebesgut im Wert von mehr als 300.000 Euro durch ihre Hände gegangen ist. Mindestens 105.000 Euro sollen sie bereits durch Verkäufe kassiert haben.
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