Revolutionär der Männermode: Dolf Selbach ist tot
VON DAGMAR HAAS-PILWAT - zuletzt aktualisiert: 23.02.2010 - 07:32Düsseldorf (RPO). Er gilt als großer Revolutionär in der Männermode. In den 50er Jahren, als Twens wie ihre Väter aussahen, hat er ihnen Röhrenhosen angezogen. Nun ist Dolf Selbach, der Grand-Seigneur und "Primus der Herrenausstatter", im Alter von 83 Jahren in Düsseldorf gestorben.
Er kaufte nicht einfach das, was ihm von den Fabrikanten angeboten wurde. Er ließ Jacken und Hemden nach seinen Ideen schneidern, ließ Unterwäsche und Pullover fertigen – alles anders als bisher bekannt. Seine dazumal bieder gewandeten Zeitgenossen in ihren weiten Flatterhosen steckte er in smarte, gut sitzende Beinkleider.
Auch das Herrenhemd hat durch seine schneiderische Fantasie frischen Schwung bekommen. Dolf Selbach – gut aussehend und stets charmant – hatte seine eigenen Vorstellungen von der Mode und dem Leben. Von allem das Beste zu bieten, war seine Maxime. "Dies ist kein Zeichen von Verschwendung, sondern des guten Geschmacks", hat er behauptet.
"Dolf war der Avantgardist im Einzelhandel, er hatte einen überirdischen Sinn für Mode", erinnert sich Albert Eickhoff, der den Freund 1975 kennenlernte. Am Sonntagabend erlag Selbach im Heerdter Krankenhaus einem Krebsleiden.
1966 hatte er den Twen-Shop erfunden, das Modegeschäft mit Drugstore und Diskothek, das gezielt die Jugend ansprechen sollte. Bis in die 70er Jahre waren alle Artikel mit dem Selbach-Etikett ausgezeichnet. Erst 1975 startete er mit der Designermode von Pierre Cardin. Marken wie Gaultier, Byblos, Cerruti, Armani, Luxus-Labels wie Kiton, Brioni und Zegna folgten. Millionen hat der Firmengründer mit Mode verdient, bereits 1984 machte er 23 Millionen Mark Umsatz.
Mode war für ihn keine Altersfrage, sondern die Kunst, sich stilvoll zu kleiden. Als Geschäftsmann ausgesprochen erfolgreich, hatte er nichts von einem gestresstem Manager. "Vielmehr war er effizient, hat rasant schnell Entscheidungen getroffen und genau gewusst, was Mode wird", erzählt Peter-Paul Polte, Herausgeber der "Textilwirtschaft".
Selbachs Leidenschaft gehörte auch der Architektur. "Alle Geschäfte sind nach meinen eigenen Ideen gestaltet", hat er einmal gesagt und an nichts gespart. Der Grand-Seigneur hat viel Geld verdient und viel ausgegeben. Er wusste zu leben, war ein Gourmet, der den Glamour liebte, großzügige Geschenke machte und für ein Dinner auch schon mal das Esszimmer spontan in Melba streichen ließ.
Seine Wohnungen in Oberkassel, Berlin und auf Sylt sind kleine Museen. Er hat Kunstobjekte gesammelt, darunter Werke von Dali, Picasso, Miro und Chagall, von Beuys, Warhol und Immendorff. "Ihm ist es gelungen, mit seinen Geschäften wohlhabend zu werden", sagt Polte. Wer sein Vermögen erben wird, war gestern noch unklar. Eine Stiftung ist im Gespräch, denn Selbach, der auf See bestattet werden will, hat keine Familie, keine Kinder.
"Er hat immer gesagt, er möchte wie Marlene Dietrich aus dem Leben gehen. Man soll ihn in Erinnerung behalten, wie er einmal war", erzählt Eickhoff. Ein Grund, warum Dolf Selbach, der als sehr eitel galt, sich zurückgezogen hatte. Das letzte große Fest hat er vor 20 Jahren gefeiert. Damals wurde für ihn die Bahnstraße gesperrt. Wolfgang Joop, Uta Raasch und 550 weitere internationale Gäste kamen.
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