Hassels: Doppelmord: Drei Männer verhaftet
zuletzt aktualisiert: 11.02.2011 - 07:33Die spektakuläre Bluttat von Hassels scheint aufgeklärt. Im Landkreis Fulda wurden bei einem Großeinsatz gestern drei Männer festgenommen, die im Juni an der Altenbrückstraße zwei Menschen erschossen haben sollen. Details wollen Polizei und Staatsanwaltschaft heute bekanntgeben.
Gestern in den frühen Morgenstunden zog sich die Schlinge um die drei Tatverdächtigen zu: Mehrere mobile Einsatzkommandos und Sondereinsatzkommandos der Polizei haben bei parallelen Durchsuchungen in zehn Häusern im Altkreis Hünfeld (nahe Fulda) drei Männer festgenommen, die dringend verdächtigt werden, im Juni den Doppelmord an der Altenbrückstraße verübt zu haben.
Sie sind 21, 22 und 56 Jahre alt. In welcher Beziehung sie zueinander stehen und welches Motiv hinter der Tat gestanden haben könnte, ist noch unklar. Polizei und Staatsanwaltschaft wollten vor der heutigen Pressekonferenz (11 Uhr) noch keine Details bekanntgeben.
Männer schon länger im Visier?
Nach Informationen der Rheinischen Post waren Ermittler aus der Düsseldorfer Mordkommission "Altenbrück" bei dem Einsatz im Landkreis Fulda dabei, ebenso wie Sondereinsatzkommandos aus Frankfurt und Kassel. Die Tatverdächtigen wohnten offenbar nicht im selben Gebäude. Die Düsseldorfer Ermittler sollen die Männer schon seit längerem im Visier gehabt haben. Mit Unterstützung der Polizei in Osthessen und weiterer Dienststellen gelang nach nahezu acht Monaten intensiver Ermittlungen nun der Zugriff.
Damit steht eines der spektakulärsten Düsseldorfer Verbrechen des vergangenen Jahrzehnts vor der Aufklärung. Speziell der Aufwand, der für die Ermittlungsarbeiten betrieben wurde, sucht seinesgleichen: So sichtete die Mordkommission um Leiter Udo Moll beispielsweise eine gigantische Menge an Videodaten ("im hohen Terabyte-Bereich"), die Überwachungskameras nahe des Tatorts und entlang möglicher Fahrtrouten nach Thüringen aufgezeichnet hatten. Dort oder in Hessen vermuteten die Ermittler die Herkunft mindestens eines Täters.
Auf diese Spur waren sie durch ein Sprachgutachten der Universität Trier gelangt, in dem zwei Stimmfragmente untersucht worden waren, die Landes- und Bundeskriminalamt, ein privates Tonstudio und Experten der Uni aus zunächst unverständlichen Sprachfetzen wochenlang rekonstruiert hatten. Diese konnten aus einem Notruf isoliert werden, der kurz vor dem Tod der 39-jährigen Mara S. von deren Handy abgesetzt worden war.
Mara und ihr Vater, der pensionierte Regierungsbaudirektor Helmut S. (82), waren am Morgen des 17. Juni in der gemeinsamen Wohnung in Hassels mit Kopfschüssen regelrecht hingerichtet worden. Eleonore S. (heute 82) ließen die Täter hingegen völlig unverletzt, auch wurde offenbar nichts entwendet, obwohl in der Wohnung zur Tatzeit Bargeld, Schmuck sowie Gold-, Silber- und Platinbarren im Gesamtwert von rund 150 000 Euro zum Teil offen herumlagen. DNA-Material und Fingerabdrücke hinterließen die Täter nicht.
Anhand von Zeugenaussagen konnten in der Folgezeit Phantombilder erstellt werden, die zwei Männer zeigen, die zwischen 30 und 35 Jahren alt sind. Ob es sich bei ihnen um die beiden jungen Männer handelt, gegen die nun ein Haftbefehl wegen Mordes vorliegt, und was sich der 56-Jährige hat zu Schulden kommen lassen – diese Fragen werden Polizei und Staatsanwaltschaft erst heute beantworten.
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