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Schauspielhaus: Drei Regisseure für Düsseldorf

zuletzt aktualisiert: 28.01.2011 - 07:31

Düsseldorf (RPO). Der Schwede Staffan Valdemar Holm (52) wird im Herbst seine erste Spielzeit als neuer Intendant des Düsseldorfer Schauspielhauses eröffnen. Unserer Zeitung sagte er schon jetzt, welche Regisseure er an sein Haus holen wird. Ein Gespräch über modernes Stadttheater.

Staffan Valdemar Holm (52) ist Nachfolger von Amélie Niermeyer.  Foto: ddp, ddp
Staffan Valdemar Holm (52) ist Nachfolger von Amélie Niermeyer. Foto: ddp, ddp

Mit welchen Regisseuren werden Sie während Ihrer Intendanz in Düsseldorf zusammenarbeiten?

Holm Es wird ein Team von drei Hausregisseuren geben: Falk Richter, Nora Schlocker und Nurkan Erpulat.

Andere Intendanten berufen nur einen Hausregisseur, warum Sie gleich drei?

Holm Weil ich mit Kontinuität arbeiten möchte. Alle drei Regisseure werden ein oder zwei Inszenierungen pro Spielzeit machen, so kann sich eine gewisse Handschrift herausbilden, eine spezifische, markante Art des Theatermachens, die für Düsseldorf stehen wird.

Falk Richter ist Regisseur und Autor – soll er für Düsseldorf auch schreiben?

Holm Ja, er arbeitet sehr persönlich mit seinen eigenen Texten. Außerdem ist Richter ein Regisseur, der viel im Ausland inszeniert hat. Mit der Choreographin Anouk van Dijk hat er im vergangenen Jahr das Festival von Avignon eröffnet und auch eine Arbeit an der Berliner Schaubühne gemacht, die mir sehr, sehr gut gefallen hat. Das ist eine neue Art von politischem Theater: existenzialistisch, intelligent, dabei unterhaltend. Nicht postdramatisch. Für mich ist entscheidend, Regisseure zu haben, die mit guten Schauspielern arbeiten wollen und können. Das ist der Kern von Theater.

Info

Die neuen Regisseure 

Nurkan Erpulat, 1974 in Ankara geboren, studierte in der Türkei Schauspiel und an der Ernst-Busch-Schule in Berlin Regie. Im Berliner Ballhaus Naunynstraße hat er mehrere Stücke inszeniert.

Falk Richter, 1969 in Hamburg geboren, schreibt Stücke und führt Regie. So war er bis 2004 Hausregisseur am Schauspielhaus Zürich und arbeitet regelmäßig an der Berliner Schaubühne.

Nora Schlocker, 1983 in Tirol geboren, studierte an der Berliner Ernst-Busch-Schule Regie. Am Nationaltheater Weimar war sie Hausregisseurin, außerdem inszeniert sie am Gorki-Theater, Berlin.

Nora Schlocker und Nurkan Erpulat gehören zur ganz jungen Riege beachteter Regisseure.

Holm Ja, Nora Schlocker war sehr erfolgreich Hausregisseurin in Weimar, inszeniert nächsten Monat am Gorki-Theater in Berlin. Und Nurkan Erpulat hat die vielbeachtete Inszenierung "Verrücktes Blut"am Berliner Ballhaus Naunynstraße gemacht, für die er jetzt für den Friedrich-Luft-Preis nominiert wurde. Viele wollten diese beiden Künstler verpflichten. Ich freue mich sehr, dass wir sie für uns gewinnen konnten.

Wie haben Sie das mit dem kurzen Vorlauf von nur einem Jahr geschafft?

Holm Wir können diesen jungen Künstlern Kontinuität anbieten, ein Zuhause. Das gibt es an vielen Theatern nicht mehr, weil da nur noch Großproduktionen durchgereicht werden. Das macht diese Häuser austauschbar. Das wollen wir auf keinen Fall. Hier soll sich ein unverwechselbarer Stil entwickeln. Außerdem bin ich in Deutschland als Regisseur und Intendant noch nicht definiert. Ich werde noch in keine Schublade gesteckt. Darum sind viele Künstler neugierig, was wir in Düsseldorf machen wollen, das ist mein Vorteil.

Was sagen Sie denn diesen Künstlern darüber, was Sie in Düsseldorf machen wollen?

Holm Alles wird von den Menschen abhängen, die am Schauspielhaus arbeiten werden. In einer Stadt wie Berlin kann man sich auf eine Art von Theater konzentrieren, in Düsseldorf geht das nicht. Da müssen wir in verschiedene Richtungen arbeiten – aber gut. Interessant. Es wird kein Ein-Stil-Theater geben, aber ein Ein-Geist-Theater.

Und welcher Geist soll das sein?

Holm Einer, der sich gegen die Routine stemmt. Es soll hier den Freiraum geben, den Regisseure und Schauspieler brauchen, um etwas Spezifisches zu entwickeln. Das bedeutet etwa, dass man Probenphasen flexibel einrichten muss. Manche Stücke brauchen fünf Wochen, andere zwölf. Wir wollen uns in jeder Hinsicht auf Vielfalt einlassen.

Nurkan Erpulat stammt aus der Türkei. War das auch ein Grund, ihn zu verpflichten?

Holm Nein, kein Alibi-Migrant. Erpulat ist einfach gut. In Berlin hat er ein Stück inszeniert, in dem eine Lehrerin ihre Schüler zwingt, "Kabale und Liebe" und andere Klassiker zu inszenieren. Das ist eine intelligente Idee, auf unterhaltsame Weise von Integration zu erzählen.

Und welche Rolle wird der Regisseur Holm spielen?

Holm Ich kann endlich auch mal aktuelle Stücke inszenieren. Als freier Regisseur muss man so viele Jahre vorausplanen, dass man für Uraufführungen zu spät kommt. Darum habe ich so oft Klassiker inszeniert. Nun kann ich Werke bestellen, neue Stücke machen. Aber Klassiker werde ich auch weiter inszenieren.

Eröffnen Sie Ihre erste Spielzeit selbst?

Holm Ja.

Mit welchem Stück?

Holm Das verrate ich noch nicht.

Sie wollen das Haus auch internationaler positionieren. Wie das?

Holm Etwa durch Kooperationen. Allein in der ersten Spielzeit werden wir mit Frankreich, Holland, vielleicht Belgien, Dänemark, Australien und Chile zusammenarbeiten.

Ist das noch Stadttheater?

Holm Ja, das ist modernes Stadttheater. Wir müssen nicht über Globalisierung sprechen, sie ist bereits da. Im Schauspielhaus arbeiten Menschen aus 50 Nationen. Damit werden die Produktionen zu tun haben, wir laden nicht irgendwelche Gastspiele ein, die Stücke nehmen Bezug zu dieser Gesellschaft.

Welche Rolle wird das Junge Schauspielhaus in Zukunft spielen?

Holm Stefan Fischer-Fels hat am Jungen Schauspielhaus hervorragende Arbeit geleistet. Auf diesem Grund wollen wir weiter bauen. Ich bin sehr froh, als neue Leiterin Barbara Kantel dafür gewonnen zu haben. Gemeinsam wollen wir die harte Trennung zwischen den Häusern aufheben und Theater für alle Leute machen.

Aber die Häuser sind auch räumlich getrennt.

Holm Ja, aber man kann auch im Jungen Schauspielhaus für Erwachsene spielen und im Großen Haus für Jugendliche. Das ist eine logistische Herausforderung, aber wir müssen die Generationen zueinander bringen, denn es gibt große Vorbehalte zwischen den Generationen, das ist eines der Themen, die im Theater verhandelt werden müssen.

Annette Bosetti und Dorothee Krings führten das Interview.

Quelle: RP

 
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