Uniklinik: Dreijähriger stirbt an Schweinegrippe
VON STEFAN KAUFMANN - zuletzt aktualisiert: 27.11.2009 - 19:05Düsseldorf (RPO). Am Uniklinikum Düsseldorf gibt es den zweiten Todesfall, der auf das H1N1-Virus zurückzuführen ist. Ein dreijähriger Junge, der an einer angeborenen Stoffwechselkrankheit litt, ist in der Kinderklinik an der neuen Grippe gestorben.
Im Uniklinikum Düsseldorf hat ein dreijähriger Patient den Kampf gegen die Schweinegrippe verloren. Der Junge aus Bochum war bereits am 14. November mit Fieber und Erkältungssymptomen in der Kinderklinik stationär aufgenommen worden. Acht Tage später starb er an einem akuten Lungenversagen auf der Intensivstation. Das H1N1-Virus wurde bei dem Jungen nachgewiesen, teilte die Uniklinik gestern mit.
„Er litt bereits an einer angeborenen Stoffwechselerkrankung”, sagt Thomas Meissner, der stellvertretende Direktor der Klinik. „Bei einer Erkältung und Fieber ist die Gefahr groß, dass der Stoffwechsel entgleist.” Deshalb kamen die Eltern bei Verdacht auf Schweinegrippe mit dem Jungen auch sofort zur Behandlung nach Düsseldorf. Wo sich der Junge infiziert hat, ist nicht geklärt.
„Kinder, die erkranken, können schlagartig in einen lebensbedrohlichen Zustand kommen”, sagt Dieter Häussinger, Direktor der Klinik für Gastroenterologie und Virologie an der Uniklinik. „Der bedauerliche Fall zeigt, dass die Schweinegrippe vor allem für Menschen mit Vorerkrankungen, die einer der Risikogruppen angehören, gefährlich ist.”
Dazu zählen Menschen mit Atemwegs- und Stoffwechselerkrankungen (Asthma oder Diabetes), Übergewicht, Tumorpatienten, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Rheuma. Der Experte mahnt zur Vorsicht. „Dieser Erreger ist etwas besonderes”, sagt Häussinger. „Ich habe in all den Jahren noch nie erlebt, dass so viele junge Menschen mit beidseitiger Lungenentzündung zu mir gekommen sind.” Dabei habe die eigentliche Grippesaison noch gar nicht begonnen.
Mittlerweile hat das Berliner Robert-Koch-Institut 60 Todesfälle registriert, die mit der Schweinegrippe in Verbindung gebracht werden. Auffällig ist laut Gesundheitsamts-Chef Heiko Schneitler, dass so viele Jüngere betroffen sind. „Im Sommer konnten wir die hohe Ansteckungsrate noch mit den Spanienreisen oder Fahrten nach Mexiko oder in die USA erklären”, sagt Schneitler. Das sei nun nicht mehr der Fall, zumal die Patienten immer jünger werden. Sie scheinen für das Virus empfänglicher als Ältere.
„Das Einzelschicksal des kleinen Jungen sollte uns alle über Schutzmaßnahmen nachdenken lassen”, sagt Schneitler. „Wir können nicht permanent zwei Meter Abstand zu unseren Mitmenschen halten, wir können uns nicht allein auf eine Insel setzen, also bleibt nur eine Möglichkeit: impfen.”
Dabei ginge es nicht nur darum, sich selbst vor einer Ansteckung mit der Schweinegrippe zu schützen, sondern auch als Überträger des Virus auszuscheiden und damit die „seuchenfähige Masse” zu verringern.
Der Junge ist der zweite Todesfall in Düsseldorf, der auf die Schweinegrippe zurückzuführen ist. Bereits am 7. November war eine 55-jährige Frau aus dem Iran an den Folgen einer Infektion mit dem H1N1-Virus gestorben. Auch sie hatte an einer Vorerkrankung gelitten und war zur Behandlung der schweren chronischen Krankheit in der Uniklinik. Eine Woche lang kämpften die Ärzte vergeblich um das Leben der Frau. Bei ihr geht man davon aus, dass sie sich auf der Reise mit der neuen Grippe angesteckt hat.
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