Airbags gestohlen: Dritter Überfall auf Autohaus
VON STEFANI GEILHAUSEN - zuletzt aktualisiert: 04.11.2009 - 08:09Düsseldorf (RPO). Mai und November scheint eine Diebesbande die Heerdter Landstraße fest im Kalender zu haben. Schon vor einem Jahr bauten sie 72 Airbags auf dem Gelände von Opel Dresen aus Neuwagen – und kamen alle sechs Monate wieder.
Die Frühschicht entdeckte um 7.15 Uhr den Schaden auf dem Hof: Die Scheiben an 29 nagelneuen Opel Corsa eingeschlagen, in jedem Fahrzeug fehlten die Airbags. Der Schaden schätzt Opel-Dresen-Geschäftsführer Benedikt Pütz auf "an die 100.000 Euro".
Auf den flammneuen Lack und die Schließmechanismen hatten die Täter, die zwischen 19.30 Uhr am Montag und 7 Uhr gestern dagewesen sind, keine Rücksicht genommen. Umso sorgfältiger gingen sie beim Ausbau der lebensrettenden Luftsäcke vor – die wollen sie schließlich noch verkaufen.
Ersatzteile für Unfallautos
Die Polizei hat eine Vermutung wo: Überall in Osteuropa boomt der Handel mit gestohlenen Autoteilen aus Deutschland. So werden etwa auf den so genannten Polen-Märkten vor allem Teile der beliebtesten Gebrauchtwagen-Marken VW und Opel angeboten. Umgerechnet rund 150 Euro zahlt man dort am Lkw für einen Airbag, der legal das Zehnfache kostet. Vor allem Unfallautos werden mit den Beutestücken nachgerüstet.
Ihre Ware beziehen die Händler – in Berlin spricht die Polizei angesichts des hohen Organisationsgrades von einer "Autoteile-Mafia" – von professionellen Banden. Die trainieren in Autowerkstätten den Airbag-Ausbau auf Zeit. "Sie brauchen ein bis zwei Minuten, um einen Airbag samt Steuerelektronik auszubauen", sagt Benedikt Pütz. Er selbst benötigt für die regelgerechte Demontage "mit Spezialwerkzeug eine halbe Stunde".
Im Mai vorigen Jahres waren professionelle Airbag-Diebe erstmals in Dresens Nachbarschaft aufgetaucht. Im November brachen sie dann 36 Wagen bei dem Opel-Händler an der Heerdter Landstraße auf. Die Versicherung erstattete rund 100 000 Euro. Und trotz gesicherter DNA-Spuren waren die Täter nicht zu fassen. Stattdessen schlugen im Mai erneut Profi-Diebe zu, diesmal wurden 30 Airbags sauber ausgebaut – Verlust: 30 000 Euro. In Absprache mit der Versicherung ließ Pütz Spezial-Zäune aufstellen und bestellte eine Videoanlage. "Ich warte jeden Tag auf die Lieferung", sagte er gestern.
Das Autohaus Dresen ist bei weitem nicht das einzige Opfer. Auch am Opel-Werk in Rüsselsheim räumten Diebe die Neuwagen auf dem Verladeplatz aus, im Juli traf es einen hessischen Opel-Händler in Gießen. Und im sächsischen Reinsdorf rissen Diebe mit Brachialgewalt die Beifahrer-Airbags aus 20 Autos. Die Fahrerseite hatte der Händler seit dem ersten Besuch der Bande jeden Abend mit Lenkradkrallen gesichert. Auch seine Firma liegt wie Opel Dresen verkehrsgünstig in einem Industriegebiet. Die Düsseldorfer Polizei vermutet, dass die Diebe auch wegen der schnellen Fluchtmöglichkeiten das Gelände bevorzugen, das direkt an die B 7 grenzt. Von dort müssen die Täter gekommen sein. Die Fahnder suchen deshalb insbesondere Zeugen, die an der Brüsseler Straße und im Bereich der Anschlussstelle Heerdt Auffälliges beobachtet haben. Benedikt Pütz hat für sachdienliche Hinweise eine Belohnung von 3000 Euro ausgesetzt.
Kontakt Kommissariat 33, Telefon 8700
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