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Düsseldorf: Drogentreff Hauptbahnhof

VON STEFANI GEILHAUSEN - zuletzt aktualisiert: 22.09.2008 - 07:48

Düsseldorf (RPO). Wer mit wachen Augen über den Konrad-Adenauer-Platz geht, erkennt schnell die Junkies, die auf Nachschubsuche sind, und die Dealer, die auf Kundschaft warten. Sie werden seltener: Weil immer mehr Ordnungskräfte unterwegs sind, haben viele ihr Geschäft in die Stadtteile verlegt.

Der Umbau des Busbahnhofes soll im Februar beginnen. Foto: RP (Thomas Busskamp)

Der Mann auf der hintersten Bank in der Linie 709 ist offenbar sehr ordnungsliebend. Er spuckt sein Kaugummi in ein Papiertaschentuch, faltet das ordentlich zusammen und schiebt es langsam in die Hosentasche. Das tut er drei-, viermal. Und wahrscheinlich sind es keine Kaugummis, die er da in die Papiertücher wickelt. Denn nun zieht er die Jacke aus, legt sie über den Schoß und fummelt vor Blicken geschützt Zigarettenschachteln aus einer anderen Tasche, in die er die Taschentücher schiebt. Erst dann lehnt er sich entspannt zurück. Die Vermutung liegt nahe: Ein Dealer auf dem Weg zur Arbeit.

Es ist schon lange nicht mehr so wie vor zehn, zwölf Jahren. Da lagerten Horden von Junkies auf dem Konrad-Adenauer-Platz, kauften ihre Drogen und setzten sich ganz unverhohlen ihren Schuss. Mit Dauerkontrollen, Platzverweisen und Aufenthaltsverboten haben Stadt und Polizei damals für Ordnung gesorgt. Auswärtige Süchtige sahen in Düsseldorf bald nicht mehr das Rauschgift-Paradies, blieben zu Hause.

Anfangs verlegten die Dealer ihr Geschäft in die Rheinbahn. „Ein paar Mal habe ich direkt gegenüber gesessen, und die haben da ihre Päckchen aus dem Mund geholt und verkauft – ich hatte eine Zeit lang Angst, mit der Bahn zu fahren“, erzählt eine ältere Dame. „Aber das ist schon lange nicht mehr passiert.“ Denn auch in den Straßenbahnen hat die starke Präsenz von Polizei, Ordnungsdienst und Rheinbahn selbst die Dealer vertrieben. Heute bleiben sie lieber gleich in den Stadtteilen, bestellen ihre Kundschaft per Telefon zu sich.

Hinten, am Bertha-von-Suttner-Platz, sind es vor allem die Skateboard-Fahrer, die Anwohnern auf die Nerven gehen. Von Süchtigen, hört man wenig. Dazu hat auch eine einfache Maßnahme beigetragen: In dunklen Nischen, gern von Junkies genutzt, brennen Schwarzlichtlampen. Die stören niemanden – es sei denn, man wollte sich gerade eine Nadel in die Vene stechen. Die Blutgefäße sind in diesem Licht nämlich nicht zu sehen. Dealer, sagt ein Kellner, „sehen wie hier so gut wie gar nicht mehr“.

Ein Erfolg der Ordnungskräfte, der keineswegs stabil ist: „Wenn wir uns ein paar Tage lang nicht blicken lassen, blüht hier wieder der Handel“, wissen die Zivilfahnder. Manche ihrer Fahrzeuge sind den Dealern schon bekannt. Wenn einer dieser Wagen auftaucht, „spricht sich das blitzschnell herum. Der Hauptbahnhof ist für die Szene eine Informationsbörse“.

Das Parkett dieser Börse ist der Platz vorm Nordeingang, auf dem die Telekom etliche Telefonsäulen im Schatten einiger Bäume installiert hat. Viele der Leute, die hier telefonieren, benutzen trotzdem Handys – meist mit Prepaidkarten, die schwer zurückverfolgbar sind. Hier werden Nummern ausgetauscht, unter denen Dealer gerade zu erreichen sind, Verabredungen mit den Händlern getroffen, die häufig ein paar Kilometer weiter an der Haltestelle stehen. Manchmal schicken die Händler auch Boten aus. Die haben keine Drogen dabei, können also eine Prüfung durch die Polizei ruhig riskieren. Und teilen den Süchtigen mit, wo sie ihren Stoff bekommen können.

Auch die Bushaltestellen an der Friedrich-Ebert-Straße sind so ein Treffpunkt. Nicht selten, dass hier Junkies ihr Geld zusammenwerfen, damit es reicht für ein Gramm Heroin. Das kostet zurzeit etwa 20 Euro, ein bis zwei Gramm braucht der durchschnittliche Junkie am Tag. Wenn sie dann in die Bahn steigen, folgt ihnen häufig eine Zivilstreife und nimmt – wie vorige Woche – einen Dealer fest. Doch für jeden, der in Haft kommt, kommen zwei neue nach, wissen die Fahnder. Kein Wunder: Einer städtischen Schätzung zufolge sind rund 4000 Düsseldorfer abhängig von illegalen Drogen. Sie sind der Markt, auf dem die – selbst meist nicht süchtigen – Händler und ihre Hintermänner reich werden können.

Quelle: RP

 
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