Mehr Kontrollen, viele Festnahmen: Druck auf Glücksspiel-Szene erhöht
VON ANKE KRONEMEYER - zuletzt aktualisiert: 24.03.2009 - 08:02Düsseldorf (RPO). Es war der 15. Oktober 2008: Angehörige der Glücksspiel-Szene lieferten sich eine öffentliche Auseinandersetzung, ein Schuss fiel. Seitdem war die Polizei zu mehr als 100 Kontrollen in dem Zocker-Milieu unterwegs, hat rund 30 Personen festgenommen, viele Geräte kassiert und stillgelegt.
Wenn sich in einem Kulturverein kein einziges offizielles Mitglied dieses Vereins aufhält, wissen Rüdiger Korp und seine Kollegen Bescheid: Dann sind sie mal wieder in einem illegalen Spielclub gelandet. Auch wenn sie die Karten und die Geldbündel, die auf den Tischen liegen, niemandem mehr zuordnen können.
"Bis wir durch die Tür sind, haben die schon alles aufgeräumt", erklärt der Chef-Fahnder in Sachen illegales Glücksspiel. Und ist gleich bei einem Punkt, den er die "Polizei-Krux" nennt. Ihm und seinen Beamten fehlen oft die Beweise, mit denen die Illegalität des Spiels eindeutig und vor Gericht haltbar dokumentiert wird. "Da verzichtet ein Spieler sogar mal auf 25.000 Euro, die eindeutig vor ihm liegen, bevor ihm damit verbotenes Spiel nachgewiesen werden kann", so Korp.
Gleichwohl lässt die Polizei nicht locker, verstärkt seit Oktober 2008 den "Flächendruck" auf die Glücksspiels-Szene weiter. Nachdem sich am Nachmittag des 15. Oktober verfeindete Glücksspiel-Gruppen in einem Hinterhof am Fürstenwall eine Schlägerei geliefert haben, bei der auch ein Schuss fiel, wurden in Düsseldorf mehr als 100 zumeist illegale Spielclubs kontrolliert.
Internet-Cafés, Kulturvereine, Spielhallen, die mehr Geräte aufgestellt haben, als erlaubt wurde, Läden, die keine Konzession haben, Alkohol auszuschenken, dies aber tun – und so ganz nebenbei illegale Spiele zulassen. Dabei wird genau so mit Karten wie an Geräten gespielt.
Hunderte von Geräten wurden in den vergangenen sechs Monaten sichergestellt. Rund 30 Personen wurden festgenommen, bei einigen wurden Haftbefehle vollstreckt, andere wurden abgeschoben. Sie hatten sich illegal hier aufgehalten.
Korp und seine Kollegen haben in dem halben Jahr der intensivsten Kontrollen Strukturen innerhalb des Milieus festgestellt: Wer sich mit wem verabredet, wer zu wem Kontakt hat, kann Rückschlüsse auf andere Straftaten liefern. Denn eigentlich versteht der Kriminaloberrat seine Arbeit in der Zocker-Szene als Prävention: Wenn er und seine Kollegen ankommen, können sie – eben wegen des Mangels an Beweisen – keine Straftaten mehr feststellen, können aber solche vermeiden.
Denn meistens verabreden sich die Hehler, Betrüger, Menschenhändler oder Drogendealer, die dort zum Zocken zusammenkommen, für weitere Straftaten. "Und wenn wir diese Strukturen durchleuchtet haben, können wir hoffentlich einiges verhindern." Wie viel Läden es in der Stadt gibt, kann Korp nicht exakt sagen, weiß nur, dass es etwa 30 Straßen mit mehreren Objekten gibt. Allein an der Corneliusstraße befänden sich fünf bis sechs Spiel-Lokale.
Die Ermittler von der Kripo, die ganz eng mit dem Ordnungs- und dem Ausländeramt zusammenarbeiten, wissen zum Beispiel, dass Düsseldorf ein beliebter Treffpunkt für Spieler aus der großen Region ist.
Erst vor kurzem sei an der Corneliusstraße ein Treffen aufgehoben worden: Zocker aus Essen, Mönchengladbach, Dortmund oder Kleve waren in Friedrichstadt zusammen gekommen, um "Geldbeträge im hohen fünfstelligen Bereich" zu spielen.
Wie sich die Spieler verabreden? Genau das wollen die Fahnder auch wissen: "Die nutzen alle Kommunikationswege, die sie überhaupt nutzen können." SMS, Internet oder Mund-zu-Mund-Einladungen gehören zum Standard. Oft aber kennen sich die Zocker nicht einmal untereinander, wissen selbst den Vornamen ihres Gegenübers nicht.
Rüdiger Korp hat nicht nur die eindeutige Club- und Zocker-Szene im Visier, sondern will auch im Anfangsbereich Glücksspiel verhindern. Dazu gehört für ihn zum Beispiel das Pokern, das zurzeit im Trend liegt und auch durch viele Prominente im Fernsehen beworben wird. "Aber auch Pokerspiele sind illegal und eindeutig verboten, sobald Gewinne ausgelobt werden."
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