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Zum 150. Todestag: Düsseldorf ehrt Heine und Schumann

VON MAIKE SCHULTE - zuletzt aktualisiert: 16.02.2006 - 17:21

Düsseldorf (dto). Sie trafen sich nur ein einziges Mal. In München besuchte der frisch gebackene Abiturient Robert Schumann im Mai 1828 den 31-jährigen bereits als Lyriker etablierten Heinrich Heine. „Schon damals hatte der spätere Komponist einen Narren am Dichter gefressen“, so Professor Joseph A. Kruse, Leiter des Düsseldorfer Heine-Instituts. Beider Leben und Schaffen blieben eng mit einander verknüpft. Vor allem durch die Lieder, die Schumann zu Heines Textes geschaffen hat, formten sie eine künstlerische Einheit. Den 150. Todestag der beiden großen Söhne Düsseldorfs feiert die Stadt von Februar bis Juni 2006 mit zahlreichen Veranstaltungen, Kostenpunkt: 310.000 Euro.

„Die künstlerischen Projekte sollen Differenzen und Gemeinsamkeiten von Heine und Schumann verknüpfen“, erklärt der Leiter des Heinrich-Heine-Instituts. Die biographischen Parallelen zwischen Dichter und Komponist sind augenfällig: Heine, inmitten der Düsseldorfer Altstadt geboren, starb am 17. Februar 1856; Schumann, der als städtischer Musikdirektor seine letzten schöpferischen Jahre in Düsseldorf verbrachte, am 29. Juli des gleichen Jahres. Beide huldigten dem Rhein als romantischer Naturerfahrung, beide waren oft auf Reisen und hielten ihre Erlebnisse in literarischer Form fest, beide waren von den Ideen der Französischen Revolution geprägt und bewunderten Napoleon. Und nicht zuletzt die lebenslange Erfahrung von Krankheit verband die beiden Figuren der Kulturgeschichte.

Mit einem Festakt im Opernhaus fällt am 17. Februar 2006 der Startschuss zum Heine- und Schumannjahr. In einer Feierstunde erhält die Journalistin und Autorin Alice Schwarzer die Ehrengabe der Heinrich-Heine-Gesellschaft e.V.. Als Laudator konnte Avi Primor gewonnen werden, als Rezitatorin Hanna Schygulla. Umrahmt wird der Abend mit von Schumann vertonten Heine-Gedichten. Am selben Tag ist ein weiteres Highlight geplant: die offizielle Wiedereröffnung des für 900.000 Euro frisch sanierten Heine-Geburtshauses an der Bolker Straße. An den beiden Folgetagen wird das mit einer hochkarätig besetzten Nonstop-Lesung rund um das Werk Heinrich Heines gefeiert. Es lesen unter anderem Wilhelm Genazino, Durs Grünbein, Cees Nooteboom und Birgit Vanderbeke.

Unter dem Titel "Das letzte Wort der Kunst" widmet die Kunsthalle vom 12. März bis 11. Juni zum Gedenkjahr eine Ausstellung. Themenbezogene "Erinnerungsräumen" widmen sich den Gemeinsamkeiten beider Künstler, die um Romantik und Revolution, die "Dichterliebe" als Begegnung der beiden Künstler sowie Krankheit und Sterben kreisen. Dem Kapitel Ruhm und Nachwirkung des Oeuvres ist ein eigener Ausstellungsbereich im Heinrich-Heine-Institut gewidmet. „Das Wirken der beiden Künstler wird aber auch mit dem 21. Jahrhundert verbunden“, erläutert Ulrike Groos, künstlerische Leiterin der Kunsthalle. 25 Studenten der Kunstakademie präsentieren aktuelle Beiträge zum Thema Schumann und Heine.

Die Kunstakademie ist gleichzeitig am Bau eines Experimentaltheaters im Kinosaal der Kunsthalle beteiligt, der parallel zur Ausstellung stattfinden soll. „Für einen künftigen Architekten eine ganz tolle Aufgabe“, freut sich Christian Heuchel, Student im Fachbereich Baukunst. 100 Zuschauer soll das Theater fassen und Künstlern und Publikum eine lebendige Annäherung an das Oeuvre von Heine und Schumann ermöglichen. In einem von der EU geförderten Workshop entstehen die künftigen Bühnenwerke. Sechs Künstler aus Amsterdam, Baden-Baden, Düsseldorf und Paris wurden eingeladen, sich mit dem Schaffen Heines und Schumanns auseinandersetzen.

Flankiert wird der Veranstaltungskanon von einem Schülerwettbewerb. Unter dem Motto "Wort. Zeit. Rhythmus" lädt die Heinrich-Heine-Gesellschaft e.V. Jugendliche ein, ihre Ideen zu den Werken von Heine und Schumann präsentieren. Die interessantesten Einsendungen werden prämiert. Die Preisverleihung findet zum Geburtstag Robert Schumanns am 8. Juni 2006 statt.

Neben den jungen Fans der beiden Künstler haben auch die arrivierten Forscher das Wort: "Übergänge. Zwischen Künsten und Kulturen" heißt der wissenschaftliche Kongress, den das Heinrich-Heine-Institut vom 7. bis 10. Mai 2006 gemeinsam mit der Heinrich-Heine-Universität und der Robert-Schumann-Hochschule ausrichtet. Internationale Experten widmen sich den Schnittstellen zwischen Literatur, Musik und Bildender Kunst im Werk von Heine und Schumann.


 
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