Düsseldorf: Düsseldorf hilft nach Amoklauf
VON GÖKÇEN STENZEL - zuletzt aktualisiert: 14.03.2009 - 14:07Düsseldorf (RPO). Zwei Schulpsychologen sind von heute an in Baden-Württemberg, um den Angehörigen der Opfer beizustehen. Sie wurden als Experten angefordert. Der Schulausschuss hat eine Gedenkminute für die nächste Sitzung angekündigt.
Zwei. Schulpsychologen der Landeshauptstadt reisen heute Morgen nach Baden-Württemberg: Der Leiter der Schulpsychologischen Beratungsstelle, Stefan Drewes, und eine Mitarbeiterin werden am Vormittag in Winnenden erwartet. Sie unterstützen das Schulpsychologen-Team in dem Ort des Amoklaufs von Mittwoch und wollen auch "die Kollegen ablösen, die unbedingt eine Pause brauchen", so Drewes zur Rheinischen Post.
Er weiß nicht, welche Zustände ihn und seine Kollegin erwarten, nur so viel: Die Psychologen bleiben fünf Tage in der Kleinstadt bei Stuttgart. Drewes gilt als erfahrener Mann mit Krisen-Kenntnissen – und wurde als solcher von Schulministerin Barbara Sommer für die psychologische Eingreiftruppe angefordert. Sie hat zehn Experten aus NRW-Städten gebeten, die Albertville-Realschule und die Angehörigen der Opfer des Amoklaufs zu unterstützen.
Ansprechpartner:
Jede Schule hat und kennt "ihren" Bezirks-Polizisten, der Kontakt zu "seiner" Schule hält und sie regelmäßig besucht.
Notfallpläne:
Pläne mit Flucht- und Rettungswegen der Schulen liegen den Polizisten vor. Schulen müssen die Pläne aktualisieren.
Prüfung der Notfallpläne
Die Düsseldorfer Schulpolitik reagiert mit einer Überprüfung der Notfallpläne auf die Gewalttat. Wie Wolfgang Scheffler (Grüne), Vorsitzender des Schulausschusses, sagt, sei jede Schule angehalten, einen entsprechenden Plan mit der Polizei abzustimmen und vor allem zu aktualisieren (siehe Info). "Wir wollen nicht überreagieren, aber so viel Sicherheit müssen wir einfordern", so Scheffler. Außerdem soll es bei der nächsten Sitzung des Schulausschusses am 24. März eine Gedenkminute für die Opfer geben.
Um Gedenken ging es auch gestern Nachmittag bei einer ökumenischen Andacht in der Johanneskirche, zu der etwa 50 Zuhörer kamen. Teils sichtlich betroffen beteten sie, steckten Kerze für die Toten an und lauschten der modernen Kirchenmusik Arvo Pärts. Die beiden Schülerinnen Sarah und Patrizia waren gekommen, weil sie Angst haben, ein mulmiges Gefühl: "So ein Amoklauf – das könnte auch bei uns passieren", sagen die Zehntklässlerinnen. "Auch an unserer Schule gibt es Außenseiter, die gemobbt werden und von denen niemand weiß, was in ihnen vorgeht." Schon lange vor dem Amoklauf haben die beiden deswegen auch mit Lehrern gesprochen, "aber die verdrängen eher", so Sarah. Einzig der Vertrauenslehrer habe sich gekümmert, sei auf die Außenseiter zugegangen, sei mit ihnen in Kontakt.
Um Kontakt zu Außenseitern ging es auch Stadtsuperintendent Ulrich Lilie in seiner Andacht: Jeder Einzelne sei aufgefordert, Menschlichkeit zu leben und sich zu kümmern. Er zitierte aus der Rede des verstorbenen Bundespräsidenten Johannes Rau anlässlich des Amok von Erfurt, nach der es "keine Erklärung" geben könne. "Doch das Tröstende, Aufbauende, muss letztlich die Oberhand behalten", so Lilie. "Gott wird die Tränen abwischen."
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum







