Streit um Slogan: "Düsseldorf ist keine Tütensuppe"
VON HANS ONKELBACH - zuletzt aktualisiert: 04.11.2008 - 08:06Düsseldorf (RPO). Gestern abend haben zwei Experten einer Werbeagentur vor der CDU-Fraktion über Stadtwerbung referiert und gesagt, dass Düsseldorf einen Slogan braucht. Die Leiterin der städtischen Marketinggesellschaft glaubt das nicht: Eine Stadt werde nicht vermarktet wie irgendein anderes Produkt.
Die Leiterin der Städtischen Marketing- und Tourismus GmbH (DMT), Eva-Maria Illigen-Günther, sieht für die Stadt Düsseldorf keine Notwendigkeit, sich einen Slogan zuzulegen.
Das Thema wird derzeit diskutiert, weil die Kölner dabei sind, sich einen griffigen Satz zu suchen. Aber auch dort ist das Ganze umstritten. Zwei Experten der Werbeagentur Grey, die gestern Abend einen Vortrag zum Thema Vermarktung einer Stadt vor der CDU-Fraktion im Rathaus gehalten haben, raten auch Düsseldorf dringend dazu, sich einen Leitspruch zuzulegen. Nur so, meinen Frank Dopheide und Frank Schrader, könne man sich international ein klares Profil geben und mache potenziellen Gästen klar, was den Besucher erwarte.
DMT-Chefin Illigen-Günther sieht das völlig anders: „Düsseldorf ist keine Tütensuppe!“ sagt sie und meint damit: Ein Stadt bringt man nicht auf den Markt wie irgendein anderes Produkt, für das es ein eindeutiges Bedürfnis und keine wirklichen Variationen gebe.
Vor allem fallen Illigen-Günther auf Anhieb eine ganze Reihe von Städte-Slogans ein, die grandios gescheitert sind. Bochum zum Beispiel: Die Revierstadt hatte sich entschieden, in einer Kampagne für eine Million Euro den Spruch „Bochum hält jung“ zu verbreiten. Nach rund einem Jahr sah der Rat der Stadt Bochum ein, dass ein solcher sinnfreier Spruch nichts bringt und stoppte das Projekt.
Auch die Idee, das gesamte Revier mit dem Spruch „Ruhr n“ zu vermarkten, wird von Illigen-Günther als misslungen eingeschätzt. Der Begriff sei nur auf völliges Unverständnis gestoßen, meint sie.
In Düsseldorf habe man allerdings schon einmal über einen Spruch oder ein Wort nachgedacht, das für die NRW-Landeshaupt stehen und typisch sein soll. 2006 hatte man kurz erwogen, dem Städtenamen den Begriff „Die Diva“ zuzufügen. Die Idee wurde jedoch wieder verworfen, weil man erkannte, dass der Begriff Diva auch negativ sein kann, weil er Arroganz oder kapriziösen Verhalten signalisiert.
"Jeder Gast will was anderes"
Insgesamt kam man damals zu der Erkenntnis, dass die Stadt keinen Bedarf hat an solchen verbalen Anhängseln. Das Problem des Kunden - also des Touristen, der eine Stadt bereisen will, sei die Unterschiedlichkeit seiner Ansprüche. „Jeder Gast will was anderes!“ hat man bei der DMT festgestellt. Ausgiebige Untersuchungen in den so genannten „Quellenmärkten“ hätten erstaunliche Ergebnisse gebracht, sowohl was Wünsche wie auch Alterstrukturen der Gäste angeht.
Der Gast aus den USA ist z.B. in der Regel älter als 45, der aus Asien im Durchschnitt 30 Jahre. Diesen Altersstrukturen muss man die Angebote anpassen, mit denen man auf den dortigen Märkten wirbt. Holländer kommen wegen der Weihnachtsmärkte, die Engländer lockt die längste Theke der Welt, und der Gast aus Dubai möchte in Düsseldorf edel einkaufen – für ihn sind die Juweliere und andere teure Geschäfte an der Kö das Größte. Franzosen und Kanadier dagegen gucken auf die Kultur, kommen wegen der Museen und Ausstellungen.
Entsprechend werden die Angebote gestaffelt – nach Alter, den Interessen, der Kaufkraft und bis hin zu der Frage, ob der Reisende tagsüber was erleben oder nachts auf die Piste will. Dies alles sei mit einem einzigen Slogan auf keinen Fall darzustellen, mein Illigen-Günther: Die Stadt sei Businessstandort, aber auch Shopping-Meile (Kö und Umfeld), sie biete die Altstadt, den Hafen und den Rhein. Vor allem vermittele sie ein Gefühl von Lebensqualität, hoher Sicherheit und verlässlicher Infrastruktur für die Touristen.
Sollte sich die CDU-Fraktion nun nach dem gestrigen Abend entschließen, das Thema „Slogan“ in Erwägung zu ziehen, stößt sie bei Oberbürgermeister Dirk Elbers auf Skepsis: Einen einzigen Begriff für Düsseldorf kann er sich kaum vorstellen, begrüßt aber jede gute Idee der Vermarktung. Die FDP äußert ebenfalls Zurückhaltung. Fraktions-Chefin Marie-Agnes Strack-Zimmermann: „Ich glaube nicht, dass Düsseldorf so was braucht, wäre aber für das Thema offen, wenn einer mit einer genialen Idee käme.“
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