Frankreich-Fest: "Düsseldorf ist wie Paris"
VON ANKE KRONEMEYER - zuletzt aktualisiert: 09.07.2009 - 10:51Düsseldorf (RPO). Wenn am Wochenende Frankreich-Fest gefeiert wird, sind zwei mit Sicherheit dabei: Patrick le Guern und Jean Helinck. Beide kennen sich seit ihrer Schulzeit, sind seitdem befreundet. Beide Franzosen leben in Düsseldorf – der eine seit 40, der andere seit 20 Jahren.
"Komm' doch nach Düsseldorf." Immer wieder sagte Patrick Le Guern diesen Satz, immer wieder sagte sein Freund Jean Helinck nein. Er wollte in Süd-Frankreich, seiner Heimat, bleiben. 20 Jahre lang. 1988 aber sagte Jean ja. Er folgte seinem Freund aus gemeinsamen Schulzeiten nach Düsseldorf. Seitdem sehen sich die beiden wieder häufiger als nur einmal im Jahr. Sie haben sogar zusammen in einem Geschäft im Carschhaus gearbeitet.
Die Freundschaft der beiden beginnt im Sommer 1962. Jean geht in Süd-Frankreich zur Schule, Patrick muss wegen seines Asthmas aus Paris an die Küste ziehen. Die Jungs lernen sich kennen – und bleiben bis auf Weiteres unzertrennlich. Der 17-jährige Jean entscheidet sich, nach der Schule erst einmal in einem Hotel in San Rafael, seinem Heimatort, zu jobben. Er weiß es noch immer: "Es war der 24. Juli 1963 – die Tür geht auf, und da stehen Patrick und sein Vater." Auch Patrick, damals 16 Jahre alt, will in dem Hotel jobben. Beide bleiben bis zum Herbst. Schon im Jahr darauf zieht es Patrick nach Deutschland. Er geht nach Bonn, Frankfurt, Baden-Baden. Jean dagegen arbeitete erst in England, ging dann zurück nach Frankreich. Dort blieb Jean bis 1988 – Patrick reiste weiter durch Deutschland. Er kam aber jedes Jahr zurück nach Frankreich. Und bevor er zu seinen Eltern ging, besuchte er Jean. "Komm' mit nach Düsseldorf", sagte er – immer wieder. Denn dort war Patrick mittlerweile angekommen. Erst lebte und arbeitete er in München, Anfang der 70er ging's dann an den Rhein. Nach den Stellen im damaligen "Hängetischchen" in der Altstadt und im Czikos kaufte le Guern 1974 das Schiffchen in Kaiserswerth.
Drei Jahre später stieg dort Jean-Claude Bourgueil zunächst als Partner, später als Besitzer ein. Parallel baute le Guern einen Gourmet-Service auf, besorgte hochwertige Lebensmittel und belieferte Restaurants. Dieser Betrieb lief bis 2003. Von 1985 bis ebenfalls 2003 führte le Guern zudem das "Fruits de mer" im Carschhaus – und genau dafür wollte er seinen Freund Jean aus Frankreich holen. Das klappte drei Jahre nach Geschäftseröffnung: 1988 war Jean sein Geschäftsführer. Obwohl er ein bisschen Angst hatte. Schließlich konnte er kein Deutsch. "Ist doch nicht schlimm", hat Patrick zu ihm gesagt. "Ist doch nur Fisch." Jean blieb bis zum Jahr 2000 im Carschhaus. Er hatte sich zwischendurch – mittlerweile deutsch sprechend – in eine Kundin verliebt: Maria Deelmann, die erst als Privatköchin gearbeitet hat, 1996 dann ihre Werkstatt für Esskultur in Unterbilk aufbaute. Dort arbeitet Jean noch heute mit. Nach seiner ersten Ehe lernte auch Patrick seine zweite Frau in Düsseldorf kennen: Mit Ulrike, einer Hebamme, ist er seit 15 Jahren zusammen, seit sieben Jahren verheiratet.
Die beiden Franzosen können sich gar nicht mehr vorstellen, anderswo zu leben. Jean, mittlerweile 62 Jahre alt, erzählt, dass er immer noch mal nach Süd-Frankreich fährt – natürlich auch, um seine Kinder aus der ersten Ehe zu besuchen. Dort leben möchte er aber nicht mehr. "Ich fühle mich da wie ein Ausländer", gibt er zu. Und für Patrick (61) gibt es nur eine Stadt, in der er leben will: Düsseldorf. Vermissen die beiden hier etwas? Sie müssen lange überlegen. Nein, alles da. Und selbst die Zeitung, den Figaro, können sie hier kaufen. "Düsseldorf ist doch wie Paris", sagen beide. Wenn Jean über die Konkordiastraße geht, an der er lebt, grüßen ihn alle so, als lebte er in Frankreich. "Bonsoir Jean, au revoir Jean", klingt es, wenn die Nachbarn ihn sehen. "Alle reden französisch mit mir. Ich fühle mich wie in Frankreich," grinst der 62-Jährige.
Ihre Freundschaft pflegen die beiden als etwas ganz Selbstverständliches, aber insgeheim auch wie einen Schatz. C'est la vie – sie kennen sich eben so lange und wohnen in einer Stadt. Aber: Wenn der eine in Not ist, wäre der andere in der nächsten Sekunde bei ihm, würde ihm beistehen. Gleichgültig, ob es – wie früher – eine unglückliche Liebe ist oder ob Patrick einfach jemanden braucht, der ihm bei einem großen Event hilft, frische Austern aufzubrechen.
Patrick war 2005 erst Geschäftsführer im "Lido", bevor er im Januar 2007 sein eigenes Restaurant "Patricks Seafood" ebenfalls im Hafen eröffnete. Für das nächste Jahr gibt es neue Pläne: Dann will er wieder einen Gourmet Service mit Fischhandel für die Gastronomie aufbauen. Und wird sicherlich das eine oder andere Mal seinen Freund Jean um Hilfe bitten.
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