Schlossturm kostet 182.000 Euro: Düsseldorf ist zwölf Milliarden wert
VON DENISA RICHTERS - zuletzt aktualisiert: 07.12.2010 - 12:51Düsseldorf (RPO). Dem Finanzausschuss wurde die endgültige Eröffnungsbilanz zum 1. Januar 2009 vorgelegt. Mit dem doppischen Etat rechnet das Rathaus erstmals nach Kaufmanns-Art. In das städtische Vermögen fließen buchhalterische Werte für Brücken und Straßen, aber auch Rücklagen und Gebühren ein.
Die Reiterstatue des Kurfürsten Jan Wellem vor dem Rathaus für einen Euro – wer würde da nicht zugreifen? 182.000 Euro für den Schlossturm, das Wahrzeichen Düsseldorfs – auch dafür würde sich sicherlich ein Käufer finden. Diese Schnäppchen gibt es jedoch nur auf Papier, nämlich auf der Liste der Kämmerei zur Eröffnungsbilanz nach der Umstellung von dem kameralen auf das doppische Haushaltssystem, das nach dem Neuen Kommunalen Finanzgesetz (NKF) seit 1. Januar 2009 verpflichtend ist.
Die Stadt hat dafür das gemacht, was in Kaufhäusern oder Supermärkten jedes Jahr selbstverständlich ist: Sie hat Inventur gemacht, also ihr gesamtes Eigentum erfasst und bewertet. Grundstücke und Grünanlagen, Schulen und Spielplätze, Straßen, Tunnel, Brücken und Gebäude. Und eben Denkmäler wie das von Jan Wellem. Für sie wird der symbolische Euro quasi als Erinnerungswert eingesetzt. Bei einem realen Verkauf, woran im Rathaus übrigens niemand denkt, würde der 8000 Kilo schwere Kurfürst aus Bronze selbstverständlich ein Vielfaches dieses buchhalterischen Werts erzielen.
Das wurde erfasst
Grundstücke 19 500 mit einer Fläche von ca. 84 Millionen m2
Gewässer rund 48 Kilometer
Grünanlagen 200 mit rund 6,2 Millionen m2 Fläche
Wald rund 17 Millionen m2
Gebäude rund 3200
Straßen rund 19 Millionen m2
Brücken und Tunnel ca. 330
Hochwasserschutz 18 Kilometer Deiche, fünf Kilometer Mauern
Fahrzeuge 650 (v.a. Feuerwehr)
Inventur muss die Stadt jetzt jedes Jahr machen: Investitionen in das Vermögen, etwa Sanierungen von Gebäuden, werden (wertsteigernd) verrechnet, Abnutzungen wie noch nicht gefüllte Schlaglöcher in Straßen nach dem eisreichen vergangenen Winter mindern den Wert. Gestern legte die Stadtspitze dem Finanzausschuss die endgültige Eröffnungsbilanz zum 1. Januar 2009 vor.
Anlagevermögen Es beträgt 11,4 Milliarden Euro. Dazu gehören Sachanlagen wie Grundstücke, Gebäude, Straßen, Gleise oder Ackerland. Die Schulen etwa sind mit 760 Millionen Euro bewertet, Brücken und Tunnel belaufen sich auf 1,2 Milliarden Euro. Kunst und Kulturdenkmäler belaufen sich – trotz etlicher Ein-Euro-Bewertungen – auf 765 Millionen, Maschinen und Fahrzeuge auf 49 Millionen Euro.
Umlaufvermögen Weist Vermögen auf, das zum Verbrauch, Verkauf oder eine kurzfristige Nutzung vorgesehen ist. Es beträgt rund 569 Millionen Euro. Zu lesen ist, dass die Stadt Vorräte im Wert von 1,7 Millionen Euro sowie Forderungen für Gebühren und Steuern in Höhe von 123 Millionen Euro hat.
Eigenkapital Wird gebildet aus der Differenz von Vermögen und Schulden oder sonstigen Verbindlichkeiten. Es beträgt 8,18 Milliarden Euro und ist im Vergleich zum Stand im Herbst 2007 leicht gesunken: von damals 69 auf nun 68 Prozent. Ein Teil des Eigenkapitals ist die Ausgleichsrücklage, von der die Stadt in der Krise, im laufenden und im kommenden Jahr zehrt. Anfang 2009 hatte das Rathaus Rücklagen in Höhe von 570 Millionen Euro. Wegen der Entnahmen (die inzwischen wieder höheren Steuereinnahmen gegengerechnet) dürfte die Summe inzwischen bei etwa 500 Millionen Euro liegen.
Rückstellungen Machen mit 1,3 Milliarden Euro einen beachtlichen Posten bei den Passiva der Stadt aus. Die Rückstellungen für Pensionen städtischer Beamter machen allein knapp eine Milliarde Euro aus.
Verbindlichkeiten Die Stadt hat Verbindlichkeiten in Höhe von insgesamt 345 Millionen Euro. Den größten Posten machen dabei Verbindlichkeiten aus Krediten für Investitionen aus mit 136 Millionen Euro. Allerdings können sie nicht als reine Schulden gewertet werden, denn eine Investition, zum Beispiel die Sanierung einer Brücke, führt bei besagter Brücke auf der Aktiva-Seite zu einer Wertsteigerung. Zudem hat Düsseldorf Bürgschaften in Höhe von 586 Millionen Euro übernommen.
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