Saturday Night Fever: Düsseldorf mit Disco-Fieber angesteckt
VON BIRGIT KRANZUSCH - zuletzt aktualisiert: 05.09.2005 - 11:20Düsseldorf (dto). Seit Sonntag wird im Capitol Theater gerockt und gesteppt, dass der Boden bebt. Das Disco-Fieber greift wieder um sich, das beinahe vergessene Gefühl der 70er Jahre, taillierte Anzüge, Fönfrisur und schwingende Röcke sorgen für ein Comeback der Polyestermode und der Bee Gees. Schuld daran ist das Musical „Saturday Night Fever“, das in einer Neuinszenierung am Sonntag Premiere im Capitol Theater feierte und von zahlreichen prominenten Gästen bejubelt wurde.
Als Kinofilm war Saturday Night Fever 1977 bereits ein Kassenschlager und machte John Travolta über Nacht zum Weltstar. Zwar gastierte das Tanzmusical nach dem Film-Klassiker mit weltbekannten Songs wie Stayin’ Alive, Night Fever und How Deep Is Your Love über einige Jahre in Köln, dennoch ist das Stück immer noch ein Zuschauermagnet. Da sind Glitzerhemden, Plateauschuhe und Schlaghosen ein absolutes Muss.
Auf einer mehrdimensionalen Bühne erlebten die Zuschauer am Sonntag eine rasante Choreografie, beeindruckende Bühnebilder, mitreißende Rhythmen und die ganze Parade der Discohits der Bee Gees. Zugegeben, die Story um den jungen Tony Manero ist etwas dünn. Das war schon in der Filmvorlage so und ändert sich auch im Musical nicht. Dafür sind Gesang und Tanz umso besser. Tonys Welt und die seiner Kumpels ist die Brooklyner Diskothek "2001". Dort fallen die Mädchen in Schreikrämpfe und Ohnmacht, wenn der Italo-Amerikaner zu den Bee-Gees-Hits "Stayin' Alive", "Night Fever" oder "Disco Inferno" die Hüften schwingt. "Ich will nur tanzen", antwortet Manero auf die Mahnungen seiner Eltern und seines Chefs. "Ach, wenn doch immer Samstag wär'", ergänzt seufzend einer der Kumpels.
Regisseur Alex Balga bringt in die deutschsprachige Adaption der Original-Produktion ein rasantes Tempo auf die Bühne. Er treibt die Handlung vorwärts und lässt mit aufwändigen Lichteffekten Discoatmosphäre entstehen und inszeniert gleichzeitig liebevoll das Flair der 70er Jahre. Das hohe Tempo der Inszenierung wird möglich durch flexible Kulissen: Eben noch schwebt "2001"-DJ Monty (John Davies) über Tanzfläche und Saalpublikum, wenige Sekunden später schon steht Tony in seinem Elternhaus oder in dem Farbenladen, in dem er jobbt.
Dabei steht und fällt der Erfolg mit den Darstellern. Sie bringen Tanz-Perfektion im Chorus, Hauptdarsteller Ron Holzschuh tanzt, spielt und singt den Tony Manero einfach überzeugend und beherrscht die Szene. Großen Applaus bekommen aber auch Nebendarsteller wie Martin van Bentem und Yvon Eggen als Latinopaar und vor allem auch Talita Angwarmasse als von Tony verstoßene Annette.
DJ Monty gönnte dem Publikum noch zwei Zugaben, um dann festzustellen: "Ja, ich glaube Düsseldorf hat sich mit dem Fieber angesteckt." Die Zeitreise glückte.
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