Tour entlang der neuen Bauprojekte: Düsseldorf zeigt seine Baustellen
VON CHRISTINE SCHRADER - zuletzt aktualisiert: 07.07.2009 - 07:46Düsseldorf (RPO). Bei einer Tour entlang der neuen Bauprojekte erklärt Stadtführer Heinrich Thym, wie die Innenstadt eines Tages aussehen soll. Düsseldorf Marketing und Tourismus hat die Führung ins Leben gerufen. Zur Premiere kamen vor allem Einheimische.
Heinrich Thym ist Stadtführer. Allerdings keiner, der die Historie der Altstadt erklärt oder die Geschichte zur Königsallee erzählt. Thym führt seine Zuhörer entlang der neuen Bauprojekte in der City. Düsseldorf Marketing und Tourismus (DMT) bietet seit neuestem eine eigene Baustellen-Führung an. Der Rundgang startet am Corneliusplatz, führt bis zur Schadowstraße und an der Kasernenstraße entlang bis zum künftigen U-Bahnhof "Graf-Adolf-Platz".
Zunächst winkt der gebürtige Stuttgarter, den es allerdings vor mehr als 50 Jahren nach Düsseldorf verschlagen hat, die 13 Rundgang-Teilnehmer durch die mit Einkaufstüten beladene Menge auf den Jan-Wellem-Platz. Auch Daniel Zumbroich und Ehefrau Christina gehören zu der Gruppe. "Das ist doch verrückt: Da machen wir irrwitzige Führungen, stundenlange Spaziergänge durch fremde Städte, wie Rom oder Paris und finden das selbstverständlich, aber in der eigenen Stadt, in der wir jeden Stein kennen müssten, kommen wir bei Nachfragen von Besuchern ins Schleudern", sagt Daniel Zumbroich.
Zweistündige Tour
Auch wenn die Gruppe anfangs noch davon ausgehen konnte, dass es bei der zweistündigen Tour in erster Linie um die Erläuterung von Begrifflichkeiten wie "Schlitzwände", "Schildvortrieb" oder "Deckelbebauung" gehen würde, so irrten sie. Thym hat eine ganze Reihe von Anekdoten und viel Unterhaltsames in seinem Repertoire, so erklärt er beispielsweise unterm Tausendfüßler auf dem Weg zum Schauspielhaus die Rolle und Bedeutung des Schauspielers Gustaf Gründgens für Düsseldorf. "Wir bekommen natürlich viel vom theoretischen Wandel Düsseldorfs mit, wollen uns heute aber endlich mal die praktische Seite anschauen und erfahren, was in unserer Stadt passiert", sagt Helga Krömer vom Bauverwaltungsamt in Düsseldorf, die sich der Führung angeschlossen hat.
Mittlerweile steht die Gruppe vor dem Dreischeibenhaus und sieht auf den geografischen Mittelpunkt der City, den Turm der Johanneskirche. "Klar, in Düsseldorf ächzt und krächzt man über den Lärm der Baustellen und die damit zunächst verbundenen Hindernisse. Dabei ist das doch nicht anders als bei einer Wohnungsrenovierung: Man schimpft zwar, wenn man mittendrin steht im Dreck, aber am Ende kriegt man doch etwas dafür", sagt Karin Simanski. Ihr Mann, der schon in Rente ist und sich gerne mit dem Vergleich von alt zu neu beschäftigt, hat im Keller alte Fotos von Düsseldorf hängen. Sein Eindruck: Ungefähr alle zehn Jahre ergibt sich ein neues, verändertes Stadtbild. "Das ist doch Fortschrittlichkeit", lobt er.
Jedoch sehen das nicht alle nur positiv. "Meine Bekannte arbeitet in einem Geschäft, das unmittelbar von der U-Bahn-Baustelle am Wehrhahn betroffen ist. Die haben dort schon mit gewaltigen Umsatzeinbußen zu kämpfen", erzählt Jochen Welter aus Pempelfort und ergänzt noch, dass die Angst vor dem Jobverlust umgeht. Seine Bekannte sei alleinerziehend, da müsse jeden Monat Geld in die Kasse kommen. "Mit Visionen hat das dann nicht mehr viel zu tun", gibt er zu bedenken.
Positiv gestimmt hingegen ist Harald Weber, der mit seiner Lebensgefährtin Christina Klausner "die Stadt einmal mit anderen Augen, offenen Augen" sehen möchte. Klausner betreibt eine Kinder-Sprachschule an der Grafenberger Allee und kommt derweil auf die Idee, einen ähnlichen Stadtlauf – nur eben für Kinderbeine – in das Programm aufzunehmen.
"So kann ich früh beginnen, die Kleinen für ihr Zuhause und die dazugehörigen Themen zu sensibilisieren".
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