Akute Geldprobleme: Düsseldorfer Airline am Boden
VON THOMAS REISENER - zuletzt aktualisiert: 14.01.2010 - 08:19Düsseldorf (RPO). Wegen akuter Geldprobleme müssen die Maschinen der Gesellschaft Blue Wings erneut am Boden bleiben. Davon wurden am Mittwoch Hunderte von Passagieren überrascht. Blue-Wings-Chef Hellwig: "Wir brauchen drei Millionen Euro."
Schon zum zweiten Mal innerhalb nur eines Jahres hat das Luftfahrt-Bundesamt (LBA) der Düsseldorfer Fluggesellschaft Blue Wings wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten die Starterlaubnis entzogen. Bundesweit standen gestern mehrere Hundert überraschte Blue-Wings-Kunden vor den Flugschaltern.
Knapp 100 davon am Flughafen Düsseldorf, von wo Blue Wings gestern mit je einer Maschine nach Moskau und über Berlin nach Beirut hätte fliegen wollen. Ob und wann die Fluggesellschaft den Betrieb wieder aufnehmen kann, ist völlig unklar.
"Wir warten auf drei Millionen Euro frisches Geld von unserem Großaktionär Alexander Lebedew", sagte gestern Blue-Wings-Chef Jörn Hellwig im Gespräch mit unserer Zeitung. Noch am Sonntag habe er persönlich mit dem russischen Oligarchen telefoniert.
"Ich zweifele nicht an Lebedews Absicht, Blue Wings zu helfen. Aber seine Administration in Moskau und in der Schweiz funktioniert nicht." Im vergangenen Frühjahr hatte das LBA der Airline schon einmal aus gleichem Grund die Betriebserlaubnis entzogen.
Zuletzt hatte Blue Wings für Aufsehen gesorgt, weil die Gesellschaft das November-Gehalt ihrer noch 250 Mitarbeiter nur etwa zur Hälfte ausbezahlt hatte. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Hellwig sagte, Blue Wings habe im vergangenen Jahr bei einem Umsatz von zirka 60 Millionen Euro acht bis neun Millionen Euro Verlust gemacht. Das Passagieraufkommen sei in einem wegen der Wirtschaftskrise extrem stark eingebrochenen Gesamtmarkt bei Blue Wings auf 269 000 eingebrochen. 2008 hatte Blue Wings noch 1,1 Millionen Tickets verkauft und schwarze Zahlen geschrieben.
Lebedew veröffentlicht seit Wochen in verschiedenen Interviews immer neue Pläne für Blue Wings. Mal will der ehemalige KGB-Spion Blue Wings für einen Euro verkaufen, dann wieder verschenken oder in eine Fusion mit Aeroflot einbringen. "Ankündigungen haben wir jetzt genug. Wir brauchen jetzt Geld", sagte Hellwig gestern.
Er gehe aber davon aus, dass das Geld jetzt auch "sehr schnell" fließe. Schließlich habe Lebedew direkt und indirekt 100 Millionen US-Dollar in Blue Wings investiert. Hellwig betonte, Blue Wings habe sich gestern initiativ mit dem LBA in Verbindung gesetzt und "vorgeschlagen, den Flugbetrieb ruhen zu lassen". Die versprochenen drei Millionen Euro seien "vollkommen ausreichend", um den Flugbetrieb wieder aufnehmen zu können.
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