Produktion zurückgefahren: Düsseldorfer Autobranche spürt die Krise
VON STEFAN KAUFMANN UND JAN WIEFELS - zuletzt aktualisiert: 19.11.2008 - 08:00Düsseldorf (RPO). Für die rund 7500 Mitarbeiter im Sprinter-Werk an der Rather Straße werden die Wochenenden immer länger. An Donnerstagen und Freitagen legte die Werksleitung zuletzt die Produktion des Transporters von Mercedes lahm.
Wegen der Finanzkrise ist die Nachfrage rückläufig, die alten Aufträge sind inzwischen abgearbeitet. 655 Sprinter werden an einem Tag hergestellt, doch die Stückzahl liegt bei voller Produktion über den Bestellungen.
Deshalb wurden die Zwangspausen verordnet und alle Sonderschichten eingestellt. Von fünf bis zehn freien Tagen war zunächst die Rede, jetzt sind bis Weihnachten schon elf produktionsfreie Tage veranschlagt.
Abhängig vom Hersteller
Gespannt, aber noch nicht angespannt sei die Stimmung unter den Autobauern, heißt es aus dem Werk in Derendorf. „Noch musste Daimler ja nicht zu Frau Merkel laufen, die Leute haben Vertrauen in die Konzernstärke“, sagt ein Werks-Sprecher. Noch glauben alle an die Wende. „In drei Monaten kann das aber schon anders aussehen.“ Die Unsicherheit in der Branche macht unruhig. „Keiner kann vorhersagen, wie der Markt reagiert.“
Die schwächere Auftragslage im Sprinter-Werk belastet auch die Zulieferfirmen. Rund 120 Mitarbeiter der Benteler-Gruppe mit Hauptsitz in Paderborn arbeiten in Düsseldorf. Sie stellen die Vorderachsen des Transporters her. „Zwangsläufig sind wir abhängig vom jeweiligen Hersteller“, sagt Unternehmensssprecherin Gudrun Girnus. „Deshalb spüren wir die Krise je nach Lage des Autobauers unterschiedlich.“
Bisher konnten Kündigungen und Werksschließungen durch flexible Schichten und Arbeitszeit-Konten, auf die Überstunden aus der Vergangenheit gebucht wurden, vermieden werden. Die Autobauer hoffen auf einen Impulsgeber, einen, der trotz Krise Geld in die Hand nimmt und eine Flotte bestellt. „Das würde die ganze Branche beflügeln“, heißt es bei Daimler.
Zurückhaltung spüren aber nicht nur die Hersteller, sondern auch die Händler. An der Automeile am Höherweg, wo gleich 20 Marken angeboten werden, sind die meisten Filialleiter nicht zu sprechen.
Ein Trend, so klingt es durch, ist aber erkennbar: das Geld sitzt nicht sehr locker. Rüdiger Stubbe, Filialleiter von Peugeot Niederrhein, lobt die Kaufkraft in der Region Düsseldorf („Wir verkaufen aktuell mehr Autos als im Vorjahr“), räumt aber auch ein: „Leute, die sich zuvor größere Autos gekauft haben, wählen jetzt eher kleinere Modelle.“
Ähnliche Erfahrungen macht Ramazan Cukle, Verkaufsberater bei Opel Dresen in Heerdt. Der Autoverkauf sei zurzeit schleppend, bestätigt er. „Das wird bei anderen Autohändlern aber nicht anders sein.“
In der Zeit der Krise seien es gerade die kleinen und spritsparenden Wagen, die sich noch am besten verkaufen. Weitere Rabatte sind für ihn keine Lösung, um das Geschäft anzukurbeln: „Es gibt schon Preisnachlässe von bis zu 22 Prozent, da gibt es keinen Spielraum mehr.“
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