Thomas Druyen: Düsseldorfer erforscht die Milliardäre
zuletzt aktualisiert: 12.06.2007 - 12:09Thomas Druyen ist Spezialist für Milliardäre: Der Düsseldorfer hat nämlich den weltweit einzigen Lehrstuhl für vergleichende Vermögenskultur an der Sigmund-Freud-Privatuniversität in Wien. Dort beschäftigt er sich mit den Lebensbedingungen von Hochvermögenden in Europa, also den Eignern ererbter oder erarbeiteter Vermögen.
Kontakte zu den nicht ganz so Bedürftigen dürfte Druyen aber auch durch seine Familie haben: Er ist seit 1996 mit Jenny Jürgens verheiratet, der Tochter von Schallplatten-Millionär Udo Jürgens. Unter dem Titel „Goldkinder. Die Welt des Vermögens“ hat ist ein Buch des außergewöhnlichen Soziologen erschienen.
Der 49-Jährige durchleuchtet darin deutsche Milliardäre, gibt seine Eindrücke aus Gesprächen mit ihnen wieder. Der gebürtige Niederrheiner beziffert die Zahl der Milliardäre weltweit auf 946. In Deutschland leben etwa 100. Sie zu finden ist nicht einfach, denn die Albrechts, Michael Ottos und Adolf Meckles stehen nicht gerne im Rampenlicht. Mit 40 Milliardären hat er sich aber verabreden und sprechen können, weil er aus seiner Zeit als Direktor der Privatbank des Fürstenhauses von Liechtenstein (von 2003 bis Anfang 2007) entsprechende Kontakte besaß.
Gesellschaftliche Sprenkraft
Für den Milliardärs-Forscher, der auf 260 Quadratmetern im Osten Düsseldorfs wohnt, hat Reichtum und die drohende Verbreiterung der Kluft zwischen Arm und Reich gesellschaftliche Sprengkraft. Druyen zitiert die Vereinten Nationen, nach denen in den nächsten zehn Jahren jährlich 150 Milliarden Dollar aufgewendet werden müssen, um Hungertode zu verhindern. Das ist nur scheinbar viel Geld, denn allein die 2000 reichsten Frauen und Männer auf dem Globus könnten mit lediglich einem Zehntel ihres Vermögens diese Summe aufbringen.
Dabei hat Druyen spendable Reiche gefunden. 40 Prozent teilen ihr Vermögen mit der Gesellschaft. Es gibt zwar Reiche, die ihrer Frau zum Geburtstag mal eben eine Luxuslimousine schenken, einen Superstar zur Geburtstagsparty ihrer Tochter einladen, und es gibt die Hiltons und Beckhams, die ihr Geld für Luxus zum Fenster hinauswerfen. Druyen hat auch Superreiche kennengelernt, die ihr Geld der Gesellschaft über Spenden wieder zurückgeben. 60 Prozent behalten ihr Geld aber lieber für sich. Und die möchte Druyen zum Nach- und Umdenken bewegen.
Die Verbundenheit zum Niederrhein und den geselligen Menschen sieht der Autor als emotionale Quelle seines menschenfreundlichen Schaffens. Begonnen hat er damit bereits als Student. Mit seiner Dissertation im Fachbereich Soziologie landete er 1990 einen Riesenerfolg: Die Doktorarbeit „Abschied Zeitgeist“ wendet sich gegen das Missbrauchspotenzial von gesellschaftlichen Trends, deren Summe ja der Zeitgeist ist.
Internationales Netzwerk
Seine Thesen gegen das Diktat von Denk- und Verhaltensmodellen verfocht Druyen nicht nur theoretisch. Als der ungarische Systemphilosoph und Angehörige des Club of Rome, Professor Ervin Laszlo, 1993 den Club of Budapest gründete, fand er in Thomas Druyen einen engagierten Mitstreiter. Mit Unterstützung geistig-kultureller Hochkaräter wie dem mittlerweile verstorbenen Musiker Yehudi Menuhin wurde ein internationales Netzwerk für die Schöpfung humaner Werte, Denkformen, Lebens- und Verhaltensweisen aufgebaut.
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