Fundsachen der Rheinbahn versteigert: Düsseldorfer vergessen Festplatten in Bussen
zuletzt aktualisiert: 18.11.2003 - 19:54Düsseldorf (rpo). Wer braucht eine Pillendose? Esspapier oder eine Packung Binden gefällig? Einen neuen Verbandskasten fürs Auto? Oder gar einen Drucker? Das städtische Fundamt verwaltet eine gewaltige Fundgrube von Kuriositäten. Am Dienstag wurde im Saal des Lessing-Gymnasiums an der Ellerstraße all das versteigert. Dinge, die während der vergangenen Monate in den Fahrzeugen der Rheinbahn liegengeblieben sind.
Vom Rucksack voll mit nagelneuen Kleidungsstücken über Roller und Werkzeugkästen bis hin zu einem Koffer voll Weltliteratur fanden hunderte Fundstücke einen neuen Eigentümer.
Amtsleiter Siegfried Ippers verwaltet die Sachen. Und so manche Kuriosität ist ihm da schon unter gekommen. Verständnislos fragt er sich wie die 100 Besucher im Saal des Gymnasiums: Wie kann man so etwas verlieren? Und wenn es weg ist, warum hört man dann nicht als erstes im Fundbüro nach, ob der verlorene Gegenstand dort aufgetaucht ist? Düsseldorfer vergessen in Bussen und Straßenbahnen unter anderem Bauarbeiterhelme, Schreibmaschinen, Silbertabletts, CD-Laufwerke und Festplatten für den Computer.
Am Dienstag gingen hunderte solcher Gegenstände über den Tisch. "Die Nummer eins unter den Fundsachen sind Handys", sagt Auktionator Manfred Meckenstock. Rund 60 heimatlose Mobiltelefone wurden am Dienstag versteigert.
Bei dem gut dreistündigen Spektakel kam so mancher für wirklich wenig Geld zu einem neuen Koffer, zu einem Fahrrad oder Kosmetika. Die Gebote begannen meist fünf Euro. Zunächst kam das einzige Rad für 16 Euro unter den Hammer. Dann wurden Rucksäcke, Taschen und Koffer versteigert. Die waren mit den skurrilsten Einzelteilen gefüllt und erfreuten sich größter Beliebtheit. So musste kein Beutel zurück in den Fundus. Eine Tasche mit Silbertablett, CD-Laufwerk, Handschuhe, T-Shirt und Basketball erzielte 24 Euro.
Ein Koffer gefüllt unter anderem mit Kittel, Frauenbinden und einem Verbandskasten wechselte für 13 Euro den Besitzer. Die erfolgreichen Bieter förderten beim Auspacken einige Überraschungen zu Tage. Und das, obwohl alle Teile vor dem ersten Gebot vorgeführt wurden. Die meisten sind erfreut über den Bonus in den Taschen. "Eigentlich wollte ich nur diesen schönen schwarzen Koffer kaufen", erzählte Helga Siber. Nun besitzt sie auch Badewannenlack, Männer-Parfüm, einen CD-Walkman und anderes.
Entschlossen hob der Herr mitten im Auditorium die Hand. Zwei Euro für einen Equilizer? "Wer bietet mehr?", rief Meckenstock mit dem Mikrofon in der Hand. "Niemand? Zwei Euro zum Ersten, zwei Euro zum Zweiten und zwei Euro zu-uuum Dritten." - "Für zwei Euro kann man nichts falsch machen!", sagt Georgious Konstantinou, der kaum eine Auktion auslässt und gerade dieses Gerät ersteigert hat. Und wenn der nicht funktioniere? Konstantinou zuckt mit der Schulter. Mehr bietet er heute nicht. Andere schon: Ein Herr in der ersten Reihe ersteigert eine Leinwand und eine Filmkamera für 275 Euro. Das teuerste Stück an diesem Nachmittag.
Wenn der Eigentümer sich nicht findet und der Finder dankend ablehnt, geht das Fundstück in den Besitz der Stadt über. In dem Fall versucht die Stadt daraus Geld zu machen. Während sich vieles gut versteigern lässt und Regenschirme zu dieser Jahreszeit der Renner sind, sind einige Schmuckstücke selbst für zwei Euro nicht reizvoll. Sie tauchen bei der nächsten Versteigerung wieder auf.
Eine Gebetskette fand diesmal aber einen Abnehmer. 19 Euro bot eine Frau nach dem harten Duell mit einem Mitbieter. "Sind sie sicher? Die ist nicht aus Gold!", fragte Meckenstock die Bieterin verständnislos.
Die nächste Versteigerung ist für Mitte Februar vorgesehen. "Dann haben wir wieder so viel zusammen, dass es sich lohnt", so Ippers.
Von FALK JANNING
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