Flashmob am Rhein: Düsseldorfs Auftritt beim Grand Prix
VON MARCEL BERNDT - zuletzt aktualisiert: 24.04.2010 - 16:41Die Landeshauptstadt wird ihren eigenen Auftritt beim Eurovision Song Contest am 29. Mai in Oslo haben. Die Bühne ist der Burgplatz, das Bühnenbild die Düsseldorfer Skyline und die Darsteller sind 600 tanzende Menschen. Am Freitagabend zeichnete der norwegische Fernsehsender NRK das Spektakel am Rheinufer auf. Seinen Auftritt teilt sich Düsseldorf mit zehn weiteren europäischen Städten, in denen Menschen die gleiche Choreographie für die TV-Kameras tanzen.
"Share the moment" ("Teile den Moment") lautete das Motto unter dem das norwegische Fernsehen zu diesem internationalen "Flashmob" aufrief. Flashmobs sind Menschenaufläufe, die über das Internet organisiert werden. Durch Ketten-E-Mails oder mitgliederstarke Netzwerke, wie Facebook, können möglichst viele Personen mobilisiert werden. Dies nutzten nun auch die norwegischen Veranstalter des kommenden Song Contests aus. Ziel: Tanzen, feiern und sich mit dem restlichen Europa verbunden fühlen. Nach Oslo und Vilnius war Düsseldorf die dritte Station der Aktion.
Interessierte konnten zuvor über YouTube-Videos die Choreographie einstudieren. Vor der eigentlichen Aufzeichnung nahmen sich die Veranstalter allerdings nochmals gute zwei Stunden Zeit, um den Tanz mehrmals intensiv durchzugehen. Während die Menge im Licht des Sonnenuntergangs tanzte, konnte Choreograph Matthias Carlsson sein Glück kaum fassen. Der Norweger hatte den Tanz entworfen und freute sich wie ein kleines Kind über den Anblick der Tanzenden. "Ich kann es gar nicht glauben. Ich habe richtig Schmetterlinge im Bauch", sagte er und schüttelte aufgeregt den Kopf.
Bei seiner Arbeit habe er darauf geachtet die Tanzschritte möglichst leicht zu gestalten. "In der Menge sind viele Leute, die bestimmt zuvor noch nie getanzt haben", sagte Carlsson. Die Stimmung am Rheinufer war angenhm ausgelassen. Die Teilnehmer feierten, jubelten und motivierten sich gegenseitig. Altersmäßig war alles von kleinen Kindern bis hin zu Mittfünfzigern vertreten. Die einen kamen extra für das Tanzereignis, die anderen kamen zufällig vorbei und machten mit.
Studentin Nina Bruhn ist zwar keine Profi-Tänzerin, wollte aber trotzdem dabei sein, als sie über Facebook von dem Event erfuhr: "Sowas findet ja nicht ständig statt", sagt sie. Tobias Malsbender kam zufällig mit drei Freundinnen vorbei: "Wir wollten eigentlich etwas trinken gehen, haben das gesehen und mitgemacht", sagt er.
Nach dem die Sonne untergegangen und der Burgplatz in Dunkelblau getaucht war, begann das Fernsehteam mit den Aufnahmen. Um die Bilder perfekt zu machen, schipperte das Feuerlöschboot der Düsseldorfer Berufsfeuerwehr mit laufender Wasserfontäne an der tanzenden Masse vorbei. Zum Schluss grüßte noch die Frühjahrskirmes am Tonhallenufer mit ihrem Feuerwerk.
Dem Tanzhaus NRW ist es zu verdanken, dass Düsseldorf eine der Städte ist, die sich vor einem 120-Millionen-Publikum beim Eurovision Song Contest präsentieren darf. Es ist gemeinsam mit dem Tanzhaus in Oslo im European Dance Network (Europäisches Tanz-Netzwerk) organisiert. So kam es, dass die norwegischen Partner das Tanzhaus NRW angesprchen haben, ob es nicht den Massentanz vor Ort organisieren wolle. "Wir machen Werbung für Düsseldorf auf einem weltweit gesendetem Event", sagt Bertram Müller, Direktor des Tanzhauses NRW.
Auf die Begeisterung folgte Erschöpfung. Nach dem Tanz löste sich die Menge - wie bei Flashmobs üblich - schnell auf. Zurück blieb nicht nur die Erinnerung an ein ausgelassenes, friedliches Miteinander, sondern auch ein bemerkenswert sauberer Burgplatz. Wie ein australischer Zaungast sagte: "Es sollte öfter solche Dinge geben."
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