Britta Damm: Düsseldorfs mächtigste Schützin
VON ULRIKE WINTER - zuletzt aktualisiert: 23.05.2009 - 12:16Düsseldorf (RPO). Uniformen, Gewehre, Marschmusik: Bis heute suggerieren die Schützen ihre Tradition sei Männersache. Die Statistik sagt etwas anderes: Vier von fünf Vereinigungen im Bund der Historischen Schützenbruderschaften haben Schützenschwestern in den Reihen.
Jedes siebte der 400 000 Mitglieder ist eine Frau. Mit dem Bundesköniginnentag huldigen am Wochenende bis zu 8000 Schützen in Kerpen den versammelten 200 Würdenträgerinnen.
Was bei der Einführung des Festaktes 1956 ein großer Fortschritt war, ist für viele Schützenschwestern heute selbstverständlich. Beispiel ist da die Karriere von Britta Damm. Seit fünf Jahren steht die 45-Jährige an der Spitze der 240 Mitglieder starken Sankt-Sebastianus-Schützen von Düsseldorf-Niederkassel.
Eine Rolle, mit der sie – anders als zu ihrem Dienstantritt – in Düsseldorf nicht mehr allein ist. Zwei Schützenchefinnen zählt die Region, insgesamt werden 22 der 1300 Mitgliedsbruderschaften des Bundes der Historischen Schützenbruderschaften von Frauen geleitet. "Wenn ein Verein Frauen zulässt, dann sollte er das auch auf allen Ebenen tun", sagt Britta Damm.
Ganz oder gar nicht, alles oder nichts: So ist sie, sagt sie über sich selbst. So hat sie sich ohne Familienbonus vom Reitercorps ihres Vereins bis an dessen Spitze gearbeitet. Sicherlich kämen durch eine Chefin schon mal Themen zur Sprache, die sonst nicht besprochen würden. So werde sie vor Festlichkeiten oft auf das Thema Kleidung angesprochen. Grundsätzlich aber setze sie nicht auf ausgewiesen weibliche Fähigkeiten – "sondern nur ein bisschen Mut". Anfangs habe das natürlich nicht alle im Verein begeistert: "Aber bei uns wird alles demokratisch beschlossen. Und dann ist es auch beschlossen".
Die Überzeugungskraft, die sie ab und an zeigenmuss, erweise sich auch außerhalb des Vereins als nützlich, sagt die Mutter eines 23-jährigen Sohnes. Sich durchsetzen, sich behaupten, auch mal in den Männerton verfallen – das könne durchaus hilfreich sein, wenn man als Mitarbeiterin der Staatskanzlei den Terminkalender von Ministerpräsident Jürgen Rüttgers organisiert.
Nur wenn es um ihre Zukunft bei den Schützen geht, beansprucht sie den Grundsatz der Geschlechtergleichheit nicht. "Ein Mann hätte sicherlich kein Problem damit, das mit 65 Jahren noch zu machen", meint sie. "Aber wenn ich unter dem Abendkleid nur noch Gesundheitsschuhe tragen kann? Nein, danke."
Zum Bundesköniginnentag treffen sich am Wochenende 8000 Schützen in Kerpen. Höhepunkt ist Sonntag, 11.30 Uhr, der große Festzug durch die Innenstadt,:
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