Angeklagter soll an Wahnvorstellungen gelitten haben: Ehefrau mit zwei Kopfschüssen getötet
VON MAIKE SCHULTE - zuletzt aktualisiert: 11.04.2005 - 11:59Düsseldorf (dto). Mit zwei Kopfschüssen aus einer halbautomatischen Waffe soll der 59-jährige Paul Georg M. seine Ehefrau aus Ghana im Mai des vergangenen Jahres erschossen haben. Zuvor war es bereits zu Streitigkeiten zwischen den Eheleuten gekommen, die 52-jährige Sophia M. dachte an Trennung. Der Angeklagte muss sich seit Montag vor dem Landgericht Düsseldorf wegen Totschlags verantworten. Zu Beginn der Verhandlung ließ er durch seinen Verteidiger erklären, zum Zeitpunkt der Tat Stimmen gehört und an Halluzinationen gelitten zu haben.
Im März 2002 hatte der Rentner seine künftige Ehefrau im Krankenhaus kennengelernt, im Juni 2003 läuteten die Hochzeitsglocken in Ghana. In Verbindung mit seinen Reisen nach Afrika nahm der Angeklagte von März 2003 bis April 2004 Malaria-Tabletten, die nach ärztlicher Diagnose offenbar zu einer Psychose und mehren Einweisungen in die Psychiatrie führten.
„Man will mich umbringen“, notierte der Malaria-kranke Paul Georg M. Anfang 2004 in sein Tagebuch. Er fühlte sich vom BND und seiner Ehefrau abgehört und mit dem Tod bedroht, zitierte sein Anwalt aus einem Bericht, den der Beschuldigte im Gefängnis verfasst hatte. Der Angeklagte habe versucht, die Stimmen in seinem Kopf mit einem Diktiergerät aufzunehmen, ließ einen Fernseher auf Wanzen untersuchen, so der Verteidiger.
In der Vorstellung des Angeklagten sollte eine gemeinsame Reise nach Ungarn ihn von seiner Psychose heilen. Darüber kam es am 10. Mai zu einem heftigen Streit mit seiner Ehefrau, die daraufhin die gemeinsame Wohnung verließ. Zwei Tage später wurde der Angeklagte wegen einer Psychose als Notfall in die Psychiatrie eingewiesen. Das spätere Opfer kehrte erst am Tattag, dem 19. Mai 2004, in die gemeinsame Wohnung zurück, um in Begleitung zweier Landsleute persönliche Sachen aus dem Keller abzuholen.
Darüber kam es zu einem Streit, der tödlich endete. In Panik und unter Alkoholeinfluss will Paul Georg M. seine Waffe, eine halbautomatische Beretta P 8, geholt und auf der Kellertreppe zweimal auf seine Frau geschossen haben. Sophia M. wurde zunächst in die Brust, dann in den Kopf getroffen. Nachdem er vergeblich auf der Straße nach einem ihrer Begleiter Auschau gehalten hatte, kehrte der Angeklagte in den Keller zurück und schoss der bereits regungslos am Boden liegenden Frau nochmals in den Kopf. Sophia M. verstarb noch am Tatort.
Gefängnisärzte bestätigten Anfang Juni eine bestehende Psychose, Mitte des Monats hatte sich der Geisteszustand des Angeklagten demnach wieder normalisiert. „Ich habe meine Frau geliebt und bedaure die Tat zutiefst“, erklärte Paul Georg M. im Anschluss an die Erklärung seines Anwalts. Ob das die vier Kinder der Getöteten, die im Prozess als Nebenkläger auftreten, überzeugt hat, darf bezweifelt werden. Für die Verhandlung sind fünf Tage angesetzt.
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