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Modemann rät von Jeans ab: Eickhoff, der Modezar

zuletzt aktualisiert: 05.02.2007 - 08:40

Düsseldorf (RPO). Seit mehr als 25 Jahren führt Albert Eickhoff an der Königsallee nicht nur die wichtigsten Luxusmarken, sondern setzt auch die Trends. Der gebürtige Westfale sieht Disziplin als seine größte Tugend. Sein neues Hobby heißt „Paula“ und ist ein Terrier-Welpe.

Eickhoff verkauft schon bald auch über das Internet.  Foto: RPO
Eickhoff verkauft schon bald auch über das Internet. Foto: RPO

Herr Eickhoff, Mode und das Aufspüren von Trends sind Ihr Leben. Haben Sie für sich persönlich schon mal einen modischen Fehlgriff gemacht?

Eickhoff Ja, das ist sicher 25 Jahre her. Da hatte ich Einkaufsversuche bei Rudolph Moshammer gemacht und mir Mao-Samtjacken mit Pucci-Krawatten gekauft. Zweifelsohne ein Missgriff.

Frauen lieben Ihr sicheres Gespür für Stil. Was muss Frau haben?

Eichoff Das Minimum sind ein bis zwei stets einzusetzende Blazerjacken, Hosenanzüge, ein gutes Kostüm für Empfänge und mindestens drei bis vier Kleider verschiedener Art. Wichtig für große Abendveranstaltungen sind ein bis zwei besondere Abendkleider. Das alles wird angereichert mit exklusiven Accessoires. Taschen sind zurzeit sehr wichtig, etwa von Dior, Fendi, Gucci, Chloé, Balenciaga oder Prada. Während der Adventszeit haben wir bis zu 19 Taschen am Tag verkauft.

Was ist mit Jeans?

Eickhoff Jeans sind im Augenblick in keiner guten Designer-Kollektion zu sehen, höchstens in Schwarz oder Anthrazit. Momentan sollte man die Kombination von Chanel-Blazern mit Jeans unterlassen.

Welche Krawatten sind angesagt?

Eickhoff Bloß nicht bunt, sondern dezent. Am Abend darf sie auch rot, lila oder giftgrün sein. Die Krawatte ist die stille Begleiterin des Mannes.

Die Modemesse hat sich um das Segment „Herren“ erweitert. Wäre das auch für Sie denkbar?

Eickhoff Nein. Die Dispositionen für Herrenkollektionen sind vor denen der Damen gesetzt, das heißt, wir müssten unentwegt auf Einkaufsreisen sein. Unsere Abwesenheit im Geschäft würde sich vervielfachen. Ich bin mir außerdem sicher, dass man nur eine Aufgabe wirklich gut machen kann. Dabei habe ich eine besondere Affinität zu Männern, ich messe sie am Kopf und an spannenden Unterhaltungen.

Gibt es da Unterschiede zu Frauen?

Eickhoff Sein Gegenüber ist wie das, was man selbst einbringt. Ich verehre und liebe spannende Männer und Frauen.

Eine dumme Frau kann also nie attraktiv sein?

Eickhoff Das würde ich von mir aus so sagen.

Außer von Jeans, wovon sollte eine stilvolle Frau noch die Finger lassen?

Eickhoff Ich war nie ein Freund von zu viel Farbe und Glamour. Bauchfreie Kleidung habe ich stets abgelehnt, also alles, was zu billig erscheint. Die Amerikaner haben dafür das passende Wort „tacky“, das bedeutet so viel wie kitschig. Ich mag auch nicht, wenn eine Frau sich von Kopf bis Fuß in einen Designer kleidet. Derzeit wird viel von Stiefeln gesprochen, für mich ist dieser Trend nicht mehr aktuell.

Promis geben sich bei Ihnen die Klinke in die Hand. Wie machen Sie das?

Eickhoff Ich habe mich immer wie einen Pianisten oder Violinisten betrachtet. Das heißt vor allem: Immer wieder üben, sich stets in Frage stellen, um eine überdurchschnittliche Leistung zu erbringen. Man sollte einen Saisoneinkauf nicht starten, ohne informiert zu sein. Im übrigen hatte ich stets einen unglaublichen Wissensdurst. Die Marke Eickhoff steht für Sicherheit und einen ganz besonderen Stil. Wir sind eines der wenigen Häuser dieser Art, das einerseits sehr privat und andererseits amerikanisch geführt wird. Die New Yorker Einzelhändler bieten wie wir alle edlen Mainstream-Marken an.

Wer sind Ihre Vorbilder?

Eickhoff Giorgio Armani und Karl Lagerfeld. Lagerfeld hatte sich jetzt mit uns zum Essen in Paris verabredet und ankündigen lassen, dass ihm sein eigener Koch sein persönliches Essen ins Restaurant bringt. Ich finde, das spricht für Charakter und Individualität. Ihn kennen zu dürfen, ist für unsere Familie etwas Besonderes, und er gibt einem sofort das Gefühl, ein Freund zu sein.

Der Mode-Standort Düsseldorf ist gestärkt, seit die „Bread & Butter“ Berlin den Rücken gekehrt hat. Erfüllt Sie das mit Genugtuung?

Eickhoff Man sollte sich zu keiner Zeit darüber freuen, wenn in einer Stadt etwas zunichte gemacht wird. Berlin ist ein sehr wichtiger Imageträger für Deutschland und wird sicher eines Tages eine der großen Weltstädte sein. Als Mode-Standort habe ich von Anfang an nicht an Berlin geglaubt. Dass Berlin mit der „Bread & Butter“ den Versuch gestartet hat, war nicht die Stärke der Hauptstadt, sondern die Schwäche Düsseldorfs. Die Mängel lagen teilweise an der Spitze der Igedo Company, Positionen waren möglicherweise unterbesetzt. Ich habe stets uneingeschränkt zu den Modemessen in Düsseldorf gestanden.

Was halten Sie vom jetzigen Igedo-Chef Frank Hartmann?

Eickhoff Ein sehr wacher und kluger Mann. Mit Menschen und Mode muss man in dieser Position allerdings umzugehen wissen.

Lange gab es tiefe Gräben zwischen Modemesse und Stadtspitze auf der einen und Showroom-Betreibern auf der anderen Seite. Hartmann setzt aufs Miteinander. Der richtige Weg?

Eickhoff Es ist sicher ein Schritt nach vorne. In den Showrooms können wir sehr viel angenehmer arbeiten, die Umgebung entspricht einzig und allein dem Niveau, wie wir es benötigen. Ohne Massenpublikum.

Wie finden Sie, dass mit Zara und Benetton preiswerte Mode an die Königsallee gezogen ist?

Eickhoff Sehr gut, denn diese Häuser bringen jetzt die Masse auf die Kö. Wenn die Straße gut frequentiert ist, profitieren alle. Ein gesunder Wettbewerb spornt stets an, aber es sollte immer ein Mix guter Unternehmen verschiedener Sparten sein. Für uns eine große Qualifizierung auf der Kö sind z.B. Franzen und Prange. Dass Frank Schnitzler seine sehr persönlich geführte Parfümerie an Douglas übergeben hat, ist bedauerlich. Auch, dass das Modehaus Heinemann geschlossen hat. Und ich finde, dass es stets zu viele Baustellen auf der Kö gibt.

Apropos Baustelle. Was sagen Sie zum geplanten Kö-Bogen?

Eickhoff Wandel liegt in der Erneuerung. Wenn wir schon wenig alte, ehrwürdige Gebäude im Stadtkern haben, dann sollte man den Mut zur Moderne haben. Und ich denke auch, der Tausendfüßler muss weg.

2006 haben Sie Ihren Rückzug angekündigt und sind trotzdem jeden Tag im Büro oder auf Einkaufsreisen. Kann ein Mensch wie Albert Eickhoff sich überhaupt zur Ruhe setzen?

Eickhoff Ich muss gestehen, dass ich meinen Beruf, der meine Frau und mich 1961 in die Selbständigkeit geführt hat, zu sehr liebe. Es fällt mir schwer, von einem leidenschaftlichen Hobby zu lassen. Gerd Seidensticker sagte mal zu mir: „Dein Golfplatz ist die Königsallee, da hast du ein einstelliges Handicap.“

Sie haben aber ein neues Hobby, ein vierbeiniges, ist zu hören ...

Eickhoff Ja, seit Anfang Januar sind meine Frau und ich Besitzer eines Rednock Parson Terriers, „Paula“. Paula raubt mir übrigens als Welpe sehr viel Zeit. Den Namen haben wir diesem besonderen Hund gegeben, da Iris Berben aus der gleichen Rasse ihren „Paul“, der uns stets so sehr gut gefällt, zum Freund hat.

Welche Rolle hat die westfälische Bodenständigkeit bei dem gespielt, was Sie geworden sind?

Eickhoff Eine große Rolle. Ich verbinde meinen Erfolg stark mit dem Wort Disziplin. Die ist mein größtes Kapital. Oft bin ich auch hingefallen, aber immer wieder aufgestanden. Das lernt man. Meine Frau Brigitte und ich haben uns aus kleinsten Anfängen mit eigener Hände Arbeit dahin katapultiert, wo wir heute sind. Aber unsere Anfangszeit haben wir nie vergessen. Ich war in meinen Heimatorten Horn und Lippstadt zweimal Schützenkönig, bin also von Haus aus ein geselliger Mensch. Wer weiß, ob unsere Enkelin Anna nicht möglicherweise eines Tages von einem Düsseldorfer Karnevalsprinzen zur Venetia gemacht wird. Immerhin war sie schon Deutschlands Repräsentantin auf dem Debutantinnenball in Paris.

Das heißt, Sie könnten auf der Kirmes sofort eine Rose schießen?

Eickhoff Aber natürlich. Lassen Sie sich davon auf der nächsten Düsseldorfer Kirmes überzeugen!

Das Gespräch führten Denisa Richters und Hans Onkelbach

Quelle: RP

 
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