Bäcker: Ein Beruf für Frühaufsteher
VON JENNIFER KOCH - zuletzt aktualisiert: 17.09.2009 - 08:20Düsseldorf (RPO). Der Lehrberuf in der Backstube wird bei jungen Menschen wieder beliebter. Frühes Aufstehen und ungewöhnliche Arbeitszeiten schrecken nicht mehr ab: Die Branche der traditionellen Bäckereien erlebt einen Aufschwung.
Caroline Spicker steht gerne hinter dem Tresen der Bäckerei Puppe in Oberkassel. Die junge Frau macht zurzeit eine Ausbildung zur Bäckereifachverkäuferin. Die Lehrberufe rund ums Bäckerhandwerk werden bei jungen Leuten zusehends beliebter.
"Wir hatten einige Jahre lang Probleme, Nachwuchs zu rekrutieren", erzählt Bäckermeister Thomas Puppe. "Seit einiger Zeit ändert sich das." Frühes Aufstehen, ungewöhnliche Arbeitszeiten: davon ließen sich Bewerber bisher abschrecken.
Heute hat Puppe bis zu 20 Bewerber auf eine Lehrstelle. Sein Betrieb bietet die Ausbildungen zum Bäcker, zum Bäckereifachverkäufer und zum Konditor an. Auffällig ist die Trennung der Geschlechter. "In der Backstube stehen nur Männer, während sich für den Verkauf vor allem Frauen interessieren", sagt Puppe. Einen einzigen männlichen Lehrling hat er hinter dem Tresen stehen, sogar an der Berufsschule ist er ein Exot.
Die Grundtugenden zählen
Besonders das Interesse am Bäckerberuf steigt: 506 junge Menschen ließen sich 2008 zum Bäcker ausbilden, vier Jahre zuvor waren es nur 479. Für das erste Lehrjahr 2009 wurden bisher 99 neue Ausbildungsverträge in die Lehrlingsrolle der Handwerkskammer eingetragen, im Vorjahr waren es zum gleichen Zeitpunkt nur 78.
Auf der Suche nach Azubis setzt Puppe auf die Grundtugenden: Pünktlichkeit, Höflichkeit, Zuverlässigkeit. "Schulbildung ist zweitrangig. Die Motivation ist wichtig", sagt Puppe. Die können die angehenden Bäcker in Praktika beweisen. "Ich habe schon in der Schulzeit ausgeholfen", erzählt Spicker. Der Chef nahm die engagierte junge Kraft gerne als Auszubildende an.
Mit motivierten Arbeitskräften und einem guten Arbeitsklima möchte sich Puppe positiv von Mitbewerbern absetzen. "Jede Bäckerei muss ihr eigenes Profil finden, um gegen die großen Ketten zu bestehen", sagt Puppe. Das kann auf unterschiedliche Weise geschehen. Josef Hinkel steht zum Beispiel oft selbst hinter dem Verkaufstresen der Bäckerei Hinkel und trug auch als Prinz Karneval eine Bäckermütze. Das Produkt wird so personalisiert, außerdem erkennen die Kunden auf den ersten Blick, dass sie sich in einem Familienunternehmen befinden.
"Es ist eine Frage des unternehmerischen Konzepts, ob ich einen Handwerksbetrieb oder eine Fabrik führen möchte", sagt Georg Kretzschmar, Geschäftsführer der Bäckerei Hercules. "Wir haben uns für das Handwerk entschieden."
Hercules hat als einzige Bäckerei in Düsseldorf eine eigene Mühle. "Wir mahlen jeden Tag unser eigenes Getreide", so Kretzschmar. Deshalb trägt sein Betrieb den Titel "Vollkorn- und Mühlenbäckerei". Vollwertbackwaren sind auch das Markenzeichen der Bäckerei Schüren, und das schon seit den 70er Jahren. 14 Filialen führt Roland Schüren mittlerweile, 155 Mitarbeiter sind in dem Betrieb mit Sitz in Hilden beschäftigt.
"Es gibt in Düsseldorf ungewöhnlich viele Bäcker, die handwerklich arbeiten", sagt Thomas Puppe. Gleichzeitig falle es den großen Ketten schwer, hier Fuß zu fassen. "Die Düsseldorfer kaufen eben gerne ein gutes Produkt", so Puppe.
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